Junge Amerikaner werden skeptischer gegenüber KI

Erstmals äussert eine Mehrheit der US-Amerikaner unter 30 Jahren mehr Sorge als Begeisterung über künstliche Intelligenz. Laut einer aktuellen Umfrage des Pew Research Center nimmt die Skepsis gegenüber KI gerade bei jungen Erwachsenen deutlich zu – obwohl sie Chatbots häufiger nutzen als jede andere Altersgruppe.

Mehr als die Hälfte der jungen Erwachsenen in den USA blickt inzwischen mit Sorge auf den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz im Alltag. Laut einer aktuellen Umfrage des Pew Research Center geben 55 % der unter 30-Jährigen an, gegenüber KI stärker besorgt als begeistert zu sein. Vor zwei Jahren lag dieser Anteil noch bei 39 %. Auch über alle Altersgruppen hinweg überwiegt die Skepsis. 52 % der befragten US-Amerikaner sagen, sie seien über die Entwicklung von KI eher besorgt als begeistert. Damit liegt der Wert ungefähr auf dem Niveau der vergangenen Jahre, aber deutlich über den 38 %, die diese Einschätzung 2022 teilten. Parallel dazu ist die Begeisterung für künstliche Intelligenz seit 2021 in allen Altersgruppen zurückgegangen. Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang bei den unter 30-Jährigen: Nur noch 11 % geben an, KI mit mehr Begeisterung als Sorge zu betrachten. Vor fünf Jahren waren es noch 25 %.

Ein wesentlicher Grund für die wachsende Skepsis dürfte der Arbeitsmarkt sein. 71 % der Befragten gehen davon aus, dass künstliche Intelligenz in den kommenden 20 Jahren zu weniger Beschäftigungsmöglichkeiten führen wird. 2024 waren es noch 64 %. Unter den Erwachsenen unter 30 Jahren stieg dieser Anteil innerhalb von zwei Jahren von 61 auf 73 %. Auch frühere Befragungen des Pew Research Center zeigen eine zunehmend kritische Haltung junger Amerikaner gegenüber KI. In einer im Juni veröffentlichten Umfrage erklärten 48 % der unter 30-Jährigen, sie erwarteten in den kommenden 20 Jahren insgesamt negative Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf die Gesellschaft. Nur 14 % rechneten mit einem positiven Effekt.

Rund 20 % der jungen Erwachsenen gaben zudem an, dass KI-Chatbots ihrer Kreativität schaden. In einer weiteren Pew-Erhebung aus dem September sagten 61 % der unter 30-Jährigen, künstliche Intelligenz werde die Fähigkeit der Menschen zum kreativen Denken verschlechtern. 58 % erwarteten negative Auswirkungen auf die Fähigkeit, zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen. In beiden Fällen waren die Werte bei jungen Erwachsenen höher als in allen anderen Altersgruppen. Gleichzeitig gehören gerade die unter 30-Jährigen zu den intensivsten Nutzern der Technologie. Laut der Pew-Erhebung vom Juni verwenden 66 % der jungen Erwachsenen KI-Chatbots – elf Prozentpunkte mehr als zwei Jahre zuvor. Über alle Altersgruppen hinweg liegt der Anteil bei 49 %. Die Einsatzgebiete reichen dabei weit über klassische Suchanfragen hinaus. Rund 20 % der unter 30-Jährigen nutzen Chatbots für emotionale Ratschläge, 27 % für medizinische Informationen und 54 % für die Suche nach Informationen.

Die wachsende Skepsis zeigt sich auch gegenüber den Führungskräften grosser KI-Unternehmen. Eine vergangene Woche veröffentlichte CNBC-Umfrage unter 18- bis 34-Jährigen ergab, dass ein grosser Teil der Befragten prominenten Technologieunternehmern nicht zutraut, beim Einsatz künstlicher Intelligenz verantwortungsvoll zu handeln. 81 % äusserten Misstrauen gegenüber Palantir-CEO Alex Karp, 79 % gegenüber Peter Thiel und 76 % gegenüber Anthropic-CEO Dario Amodei. Bei Meta-CEO Mark Zuckerberg waren es 71 %, bei Elon Musk 70 % und bei OpenAI-CEO Sam Altman 69 %.

Text: Conor Murray
Foto: Alex Shuper

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