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Das Glücksspielmonopol ist in Österreich seit Jahren Standard und trotz aller Vorstösse wurde es bislang nicht angepasst. 2026 könnte sich die Lage nun ändern, denn es wird über eine Anpassung des Monopols seitens der Politik diskutiert. Denkbar ist eine Lösung nach dem dänischen Modell mit Lizenzen für europäische Anbieter.
Die Casinos Austria AG ist bislang Profiteur der Regelung, denn sie darf als einziges Unternehmen Online-Glücksspiele anbieten. Warum über die Aufhebung diskutiert wird und welche Folgen sie für Österreich haben könnte, wird nachfolgend genauer berichtet.
Wie wirkt sich das Monopol auf die Glücksspiellandschaft Österreichs aus?
Seinen Ursprung hat das Monopol im Glücksspielgesetz von 1989. Es wies Casinos und Lotterien den staatlichen Österreichischen Lotterien zu, um Abhängigkeiten zu kontrollieren und Einnahmen sicherzustellen. Casinos Austria profitiert als Monopolist mit Umsätzen von über 1,7 Milliarden jährlich, wobei win2day als Onlineplattform den digitalen Markt dominiert.
Kritiker bemängeln, dass das Modell den Boom des Internets nicht widerspiegelt und seriösen Anbietern die Chance auf Markterfolg nimmt. Wie gross das Angebot bereits ist, zeigt die Übersicht von Casino Groups mit einer grossen Auswahl von Anbietern und Groups mit mehreren Angeboten.
Das Monopol nimmt Optionen, denn eine einzelne Plattform soll alle Bedürfnisse von Spielern abdecken. Die fehlende Vielfalt treibt die Menschen jedoch in den Graumarkt und zu Anbietern mit EU-Lizenzen aus Malta oder Gibraltar. Infolgedessen kommt es zu Steuerausfällen, da nicht lizenzierte Plattformen nicht in Österreich besteuert werden.
Der Schwarzmarkt soll bis zu 500 Millionen Euro Volumen umfassen und untergräbt so den Spielerschutz. Das Monopol bindet nicht einmal die Hälfte aller Spieler, die Menschen wandern lieber ab.
So weitreichend wären die Folgen bei einer Änderung des Monopols
Eine Aufhebung zugunsten eines offenen Lizenzmodells würde den Wettbewerb fördern und könnte die Steuereinnahmen potenziell deutlich steigern. Es entstünde ein reguliertes Umfeld, wie im dänischen Beispiel zu sehen. Casinos Austria riskiert bei einer Marktöffnung jedoch Marktanteile und potenziell Hunderte von Jobs.
Hier gilt es für die Betroffenen und Interessenvertreter abzuwägen, welche individuellen Vor- und Nachteile die Abschaffung des Monopols haben könnte. Die Beibehaltung würde zur Aufrechterhaltung der bisherigen Einnahmen führen, bei einfacher Kontrolle. Als Risiko ist von einem weiteren Wachstum des Schwarzmarkts auszugehen. Ein offenes Lizenzmodell hätte hingegen potenziell Jobverluste für die Casinos Austria AG zufolge, würde gleichzeitig aber mehr Innovation und Steuereinnahmen ermöglichen.
Die komplexeste Form der Umsetzung wäre eine hybride Lösung mit begrenzten Lizenzen. Hier würden alle Stakeholder zumindest teilweise profitieren und die Balance aus Schutz und Marktinteressen liesse sich am ehesten einhalten.
Welche politischen Vorstösse gibt es?
Derzeit wird über eine Öffnung des Marktes diskutiert, ein aktueller Gesetzentwurf des Finanzministeriums soll allerdings die Beibehaltung des Monopols implizieren. Dem Entwurf ist zu entnehmen, dass die klassische Marktöffnung mit der Vergabe mehrerer Lizenzen nicht angedacht ist. Insbesondere im Online-Bereich soll das Monopol also auch nach 2027 fortgeführt werden. Obwohl noch keine abschliessende Entscheidung gefallen ist, werten Medien den vorliegenden Entwurf als eine Absage gegen die Marktliberalisierung und vor allem gegen ein Modell mit mehreren Lizenzen.
Änderungen soll es allerdings trotzdem geben, insbesondere der Spielerschutz könnte strenger werden. Die Reform sieht die Bildung einer Glücksspielbehörde im Rahmen des Finanzministeriums vor. Diese Behörde soll künftig für die Vergabe von Konzessionen verantwortlich sein und die Aufsicht über den Glücksspielmarkt übernehmen. Behörden wie diese waren in der Vergangenheit bereits geplant, die Umsetzung scheiterte aber immer wieder. Aus technischer Sicht sind die Möglichkeiten gegeben, eine allumfassende Überwachung des Spielgeschehens funktioniert auch in anderen Ländern.
Konkret möchte man laut aktuellem Gesetzesentwurf die nachfolgenden Regelungen umsetzen:
- Senkung der höchstmöglichen Gewinne auf 2.000 Euro (pro Spiel). Bislang lag der potenzielle Gewinnbetrag bei 10.000 Euro maximal.
- Einsatzlimit von zwei Euro am Spielautomaten (bislang zehn Euro).
- Landesweites Sperrregister zum Ausschluss von Spielern.
- Maximale Verlustlimits von 250 Euro für Menschen bis 26 Jahre pro Woche und 1.680 Euro pro Woche für Menschen ab 26 Jahren.
Mit diesen Massnahmen möchte man das Verlustrisiko für Spieler minimieren und den Automatensektor sicherer gestalten. Anbieter hingegen dürften von der neuen Regelung nicht begeistert sein, denn sie müssen ihre Systeme anpassen und den Geschäftsrahmen deutlich verändern.
Schwarzmarktgefahr durch unattraktiveren Markt
Es hat sich in anderen Ländern bereits gezeigt, dass strenge Regelungen dem Schwarzmarkt in die Hände spielen. Insbesondere Highroller und Stammspieler könnten sich Alternativen in Europa suchen, wenn sie mit Einsatzlimits und Auszahlungsmöglichkeiten nicht einverstanden sind.
Um dem entgegenzuwirken, möchte man Online-Casinos ohne Lizenz künftig härter bekämpfen. Mithilfe von Zahlungssperren plant die Politik, das Spiel bei nicht erlaubten Angeboten zu verhindern. Eine Zahlungssperre bedeutet für den Spieler, dass er seine Auszahlung nicht über gängige Zahlungsmethoden erhalten kann und damit auch potenzielle Gewinne nicht bekommt.
Darüber hinaus sind Netzsperren in Form von IP-Blocking geplant. Solche Sperrverfügungen sollen gegenüber allen Anbietern ausgesprochen werden, die Österreich als Markt nutzen, ohne eine Lizenz zu haben. Die Schweiz praktiziert das Modell der Netzsperren schon lange, doch auch hier finden Spieler Möglichkeiten, die Regeln zu umgehen.
Ist das Monopol wirklich noch in Stein gemeisselt?
Auch wenn der bisherige Gesetzesentwurf eher gegen eine Auflösung des Monopols spricht, ist noch nichts festgeschrieben. Die Neos befürworten eine Marktöffnung und damit eine Liberalisierung. Es ist davon auszugehen, dass Änderungswünsche eintreffen und dass über das bisherige Vorschlagsmodell diskutiert werden muss. Argumentativ können sich die Neos auf eine Reihe von Fakten stützen und damit den bisherigen Entwurf womöglich ins Wanken bringen. So hätte ein liberalisierter Markt höhere Einnahmen zufolge und würde mehr Transparenz ermöglichen. Hinzu kommt, dass auch andere Länder auf das Modell setzen und hiermit erfolgreich sind.
Österreich ist eines der wenigen Länder mit Monopolstatus und damit nicht mehr zeitgemäss unterwegs. Auch wenn die Online-Plattform der Casinos Austria AG unter der Liberalisierung leiden könnte, werden die 12 landbasierten Konzessionen nicht betroffen sein.
Die Zielgruppen von Online- und Offline-Casinos sind unterschiedlich und die Nachfrage nach landbasierten Spielstätten sollte unter einer Online-Liberalisierung nicht leiden. Es hat sich in anderen Ländern gezeigt, dass Spielbanken nicht in direkter Konkurrenz zu Online-Spielotheken stehen. Lediglich landbasierte Automatenhallen befinden sich auf dem absteigenden Ast, je stärker die Online-Konkurrenz ist. Da Städte wie Wien ohnehin seit Jahren für eine Eindämmung des Automatenspiels kämpfen, dürfte der Vorstoss einer Liberalisierung eigentlich als positiver Punkt gewertet werden.