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Seit den 1980er-Jahren hat die Familie Lorenzen ihr Proteinpulvergeschäft Puris zu einem AgTech-Schwergewicht ausgebaut. Heute ist das Unternehmen einer der wichtigsten Lieferanten für Lebensmittelmarken, die Produkte für GLP-1-Nutzer entwickeln – und treibt damit das voran, was die Gründerfamilie „Protein-Unabhängigkeit“ nennt.
Während immer mehr Menschen, die Abnehmmedikamente wie Ozempic nutzen, ihre Ernährung auf einen höheren Proteinanteil ausrichten, profitiert ein Hersteller aus Minneapolis von diesem Trend. Puris produziert Erbsen- und Sojaproteine, die sich inzwischen in proteinangereicherten Cerealien, Pasta, Sportgetränken und weiteren Alltagsprodukten finden.
„GLP-1-Nutzer wollen vor allem mehr Protein in ihre Ernährung integrieren“, sagt CEO Tyler Lorenzen. „Es muss gut schmecken und ernährungsphysiologisch sinnvoll sein. Geschmack ist der Einstieg in gesunde Gewohnheiten.“
Aus einem Familienprojekt ist in 40 Jahren der grösste Hersteller von Erbsenprotein in den USA geworden. Das Unternehmen erzielt laut Schätzungen einen Jahresumsatz von rund 200 Mio. US-$. Puris verkauft Saatgut für Soja, Mais und Erbsen an Landwirte in 20 Bundesstaaten, die jährlich rund 3 Mio. Scheffel produzieren. Parallel dazu betreibt Puris eine Zutatenverarbeitung, die rund 200 grosse Lebensmittelmarken beliefert – darunter Cargill und das Startup Ritual.
Nicole Atchison, CEO von Puris Holdings und Schwester von Tyler Lorenzen, koordiniert den landwirtschaftlichen Ausbau, während ihr Bruder das Proteingeschäft vermarktet. Laut Daten des Marktforschungsunternehmens Spins wächst der Markt für Produkte mit Erbsenprotein jährlich um 15 % – etwa fünfmal schneller als klassische Lebensmittelmarken. Rund 12 % der US-Erwachsenen, etwa 31 Mio. Menschen, sollen Abnehmmedikamente nutzen.
Seit 2018 hat ein Joint Venture mit Cargill über 100 Mio. US-$ investiert, unter anderem in die Umwandlung einer ehemaligen Molkerei in Minnesota in eine 200.000 Quadratfuss grosse Produktionsanlage. Laut Pitchbook hat Puris insgesamt mehr als 250 Mio. US-$ an Kapital aufgenommen, inklusive Minderheitsbeteiligungen und Fremdkapital. Forbes schätzt den Unternehmenswert auf mindestens 400 Mio. US-$, wobei die Familie rund die Hälfte hält.
Die Wurzeln reichen in die 1970er-Jahre zurück. Firmengründer Jerry Lorenzen begann als Pflanzenzüchter und setzte bewusst auf nicht gentechnisch veränderte Sorten mit hohem Proteingehalt. In einer Phase, in der der Saatgutmarkt von grossen, gentechnikorientierten Konzernen dominiert wurde, konzentrierte er sich auf Qualität und Erträge für den menschlichen Verzehr. Die ersten marktreifen Sorten brachte er 1999 auf den Markt.
Unabhängigkeit war ein zentrales Prinzip. Weil Puris früh bootstrapped wurde, blieb das Unternehmen vollständig non-GMO. Zudem kaufte die Familie verlassene Produktionsstätten im Mittleren Westen auf, als Fertigung zunehmend nach China verlagerte – heute produziert Puris vollständig in den USA.
Finanzielle Unterstützung erhielt Puris 2012 mit 4 Mio. US-$ von Portland Private Equity. Später investierte Charles Chang, Gründer der Proteinmarke Vega, nach deren Verkauf für 550 Mio. US-$ weiter in Puris. Die Finanzierung war strategisch wichtig, da sich der globale Saatgutmarkt konsolidierte: 2015 fusionierten Dow und DuPont zu einem 130-Mrd.-US-$-Konzern, aus dem 2019 Corteva mit einer Bewertung von 51,5 Mrd. US-$ hervorging. 2018 übernahm Bayer Monsanto für 63 Mrd. US-$.
Tyler Lorenzen, früher Football-Spieler im Umfeld des Super-Bowl-Siegerteams der New Orleans Saints 2009, stieg 2011 in das Familienunternehmen ein und übernahm 2018 die Leitung von Puris Proteins. Seine Schwester folgte 2017 und verantwortet seit 2020 die Holding und Saatgutentwicklung.
In den vergangenen fünf Jahren seien die Puris-Sorten ertragreicher geworden als manche gentechnisch veränderte Konkurrenzprodukte, sagt Lorenzen. Gleichzeitig investiert das Unternehmen stark in Geschmack und Produktinnovation. Eine neue Entwicklung ist ein zu 98 % lösliches, klares Protein, das sich besonders für Getränke eignet. Denkbar seien Protein-Limonaden oder proteinangereicherte Cocktails.
„Es geht nicht darum, wie viele Produkte jemand kauft, sondern wie viel er tatsächlich konsumiert“, sagt Lorenzen. „Wenn Nährstoffe integriert werden können, ohne dass Konsistenz oder Geschmack leiden, entsteht ein neuer Markt.“
Mit Blick auf die wachsende Zielgruppe der GLP-1-Nutzer positioniert sich Puris damit als Infrastrukturplayer einer proteinorientierten Ernährungswelle – und als Beispiel dafür, wie ein Familienunternehmen durch vertikale Integration vom Saatgut bis zur Lebensmittelzutat einen strukturellen Ernährungstrend kapitalisiert.
Text: Chloe Sorvino
Fotos: Puris Newsroom