Wie drei Hedgefonds-Milliardäre mit KI ihr Vermögen in einem Jahr verdoppelten

Nach einer schwierigen Phase erlebt die Investmentfirma AQR Capital Management derzeit eine bemerkenswerte Wachstumsphase. Der Hedgefonds aus Greenwich im US-Bundesstaat Connecticut verwaltet inzwischen 187 Mrd. US-$, nachdem das verwaltete Vermögen allein im Jahr 2025 um 73 Mrd. US-$ gestiegen ist.

Von diesem Aufschwung profitieren auch die drei Gründer der Firma. Cliff Asness, Chief Investment Officer und grösster Einzelaktionär mit rund 30 % Anteil, besitzt mittlerweile ein Vermögen von etwa 6,3 Mrd. US-$ und gehört damit zu den rund 700 reichsten Menschen der Welt. Seine Mitgründer John Liew und David Kabiller verfügen jeweils über ein Vermögen von mehr als 2 Mrd. US-$. Die drei gründeten AQR im Jahr 1998, nachdem sie zuvor gemeinsam bei Goldman Sachs Asset Management gearbeitet hatten. Bis heute investieren sie selbst stark in die Fonds des Unternehmens, wodurch ihr persönliches Vermögen eng mit der Performance von AQR verbunden ist.

Starke Renditen treiben Wachstum

AQR erzielte zuletzt überdurchschnittliche Ergebnisse. Der Multi-Strategie-Fonds Apex mit 6,7 Mrd. US-$ Vermögen erzielte im vergangenen Jahr eine Rendite von 19,4 %. Der Long-Short-Fonds Delphi, ebenfalls mit 6,7 Mrd. US-$, kam auf 16,7 %. Über einen Zeitraum von fünf Jahren erzielten beide Fonds durchschnittliche Jahresrenditen von 16,6 %. Zum Vergleich: Der S&P 500 legte im gleichen Zeitraum durchschnittlich 14,4 % pro Jahr zu. Auch andere Strategien des Hauses entwickelten sich stark. Der Equity Market Neutral Fund von AQR, der rund 3,2 Mrd. US-$ verwaltet und etwa 2.000 Long- und Short-Positionen hält, erzielte 2025 eine Rendite von 26,5 %. Über fünf Jahre hinweg lag die durchschnittliche Rendite bei 19,6 %, während vergleichbare Fonds im Schnitt rund 8 % erreichten. Sollte das Wachstum anhalten, könnte AQR bald wieder den bisherigen Höchststand von 226 Mrd. US-$ verwaltetem Vermögen erreichen. Diesen hatte das Unternehmen im Jahr 2018 erreicht, bevor schwächere Ergebnisse zu Kapitalabflüssen führten. 

KI wird zum zentralen Werkzeug der Investmentstrategie

Ein wichtiger Faktor für die jüngste Erfolgsserie ist der verstärkte Einsatz von künstlicher Intelligenz und Machine Learning. Traditionell nutzt AQR sogenannte Faktor-Strategien, bei denen Kennzahlen wie Kurs-Buchwert-Verhältnis oder Eigenkapitalrendite genutzt werden, um unter- oder überbewertete Aktien zu identifizieren. Früher bestimmten Analysten die Gewichtung dieser Faktoren weitgehend manuell. Heute übernimmt zunehmend Machine Learning diese Aufgabe. Algorithmen analysieren grosse Datenmengen, erkennen komplexe Zusammenhänge zwischen verschiedenen Faktoren und passen ihre Gewichtungen kontinuierlich an. Auch in der Forschung nutzt das Unternehmen KI-Werkzeuge. Technologien aus dem Bereich Natural Language Processing – ähnlich wie ChatGPT – helfen Analysten dabei, grosse Mengen an Text- und Marktdaten zu analysieren und neue Signale für Prognosemodelle zu erkennen. 

Wissenschaftliche Debatten über KI-Modelle

AQR begann vergleichsweise spät mit dem Ausbau seiner KI-Strategie. Während Wettbewerber wie Renaissance Technologies oder D. E. Shaw schon früh auf datengetriebene Modelle setzten, stellte AQR erst 2018 einen Leiter für Machine Learning ein. Dessen Nachfolger, der Yale-Finanzprofessor Brian Kelly, veröffentlichte 2021 eine umfangreiche Studie mit dem Titel The Virtue of Complexity in Return Prediction. Darin argumentiert er, dass komplexe Machine-Learning-Modelle Aktienrenditen besser vorhersagen können als traditionelle Modelle. Einige Wissenschaftler widersprachen dieser These und kritisierten die Datengrundlage der Studie. AQR verteidigt die Ergebnisse jedoch weiterhin.

Wachstum durch neue Anlegergruppen

Neben der Investmentstrategie treibt auch die Vertriebsseite das Wachstum des Unternehmens. Während früher vor allem Pensionsfonds und Stiftungen zu den wichtigsten Kunden zählten, kommen heute viele Mittel von Finanzberatern und vermögenden Privatkunden. Besonders stark wächst das Produkt AQR Flex, ein Long-Short-Portfolio für vermögende Investoren. Dieses investiert sowohl in steigende als auch in fallende Aktien und versucht gleichzeitig, steuerliche Belastungen für Anleger zu reduzieren. Das verwaltete Vermögen von Flex stieg innerhalb von neun Monaten von 23,2 Mrd. US-$ auf 45,4 Mrd. US-$. Damit macht diese Strategie inzwischen fast ein Viertel des gesamten AQR-Vermögens aus. Finanzberater verweisen neben den vergleichsweise niedrigen Gebühren auch auf den guten Ruf des Unternehmens als Grund für die steigende Nachfrage.

Wettbewerb im KI-Investment wird intensiver

Ob AQR seine Erfolgsserie fortsetzen kann, hängt stark von den Kapitalmärkten ab. Phasen höherer Volatilität kommen Hedgefonds und quantitativen Strategien häufig zugute. Gleichzeitig investieren immer mehr Hedgefonds in KI-basierte Handelsmodelle. Damit wächst der Wettbewerb um Daten, Modelle und Renditen. Der langfristige Erfolg von AQR wird daher davon abhängen, ob die firmeneigenen Algorithmen weiterhin bessere Ergebnisse liefern als der Markt – und als die Konkurrenz.

Text: John Hyatt
Foto: Guerin Blask für Forbes US

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