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Eine neue Gallup-Umfrage zeigt, wie gross der Widerstand gegen KI-Rechenzentren in den USA geworden ist: 71 % der Amerikaner lehnen solche Anlagen in ihrer Umgebung ab – vor allem wegen Energieverbrauch, Wasserbedarf und Umweltfolgen.
In den USA wächst der Widerstand gegen neue KI-Rechenzentren. Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Gallup-Umfrage sprechen sich 71 % der Amerikaner eher oder klar gegen den Bau solcher Anlagen in ihrer Umgebung aus. Hauptgrund sind Sorgen über mögliche Auswirkungen auf Umwelt, Energieversorgung und Wasserverbrauch.
Damit ist die Ablehnung von KI-Rechenzentren deutlich höher als bei Atomkraftwerken. 53 % der Befragten gaben an, den Bau eines Kernkraftwerks in ihrer Umgebung abzulehnen. Der Vergleich zeigt, wie stark sich die öffentliche Wahrnehmung von KI-Infrastruktur verändert hat: Während künstliche Intelligenz als Wachstumstechnologie gilt, stossen die dafür nötigen Rechenzentren lokal zunehmend auf Widerstand.
Besonders kritisch sehen die Befragten den Ressourcenverbrauch. 70 % erklärten, sie seien zumindest in gewissem Ausmass besorgt darüber, wie sich KI-Rechenzentren auf die lokale Umwelt auswirken könnten. Weitere Bedenken betreffen die Lebensqualität, wirtschaftliche Folgen sowie grundsätzliche Sorgen rund um künstliche Intelligenz.
Nur 7 % der Befragten unterstützen den Bau von KI-Rechenzentren in ihrer Nähe klar. Weitere 20 % sprechen sich eher dafür aus. Diese Gruppe verweist vor allem auf mögliche Vorteile für die regionale Wirtschaft: neue Jobs, zusätzliche Steuereinnahmen und positive Effekte für den Standort.
Die Ablehnung zieht sich laut Gallup durch alle grossen demografischen Gruppen und politischen Lager. Frauen und Demokraten äusserten sich jedoch häufiger stark ablehnend als Republikaner.
KI-Rechenzentren sind spezialisierte Hochleistungsanlagen, die für das Training grosser KI-Modelle benötigt werden. Vor dem KI-Boom waren Rechenzentren laut dem Artikel häufig rund 100.000 Quadratfuss gross und dienten vor allem internetbasierten Geschäftsmodellen sowie Cloud-Computing. Der enorme Energiebedarf neuer KI-Anwendungen hat jedoch zu deutlich grösseren Anlagen geführt: Megacampusse mit Millionen Quadratfuss Fläche und Hunderten Acres Grund.
In diesen Anlagen stehen Hunderttausende Grafikprozessoren, die für das Training von KI-Modellen eingesetzt werden. Der Energiebedarf solcher Rechenzentren kann dem Verbrauch von Hunderttausenden Haushalten entsprechen – unter anderem für Betrieb, Kühlung und Speicherung. Besonders stark wächst der Bau solcher Anlagen in Texas, Virginia und Georgia. Grosse Projekte werden unter anderem von OpenAI, Oracle, SoftBank, Amazon und Microsoft vorangetrieben.
Auch der Wasserverbrauch von Rechenzentren rückt zunehmend in den Fokus. Grosse Anlagen können laut dem Artikel bis zu fünf Millionen Gallonen Wasser pro Tag verbrauchen – vergleichbar mit dem Wasserbedarf einer Stadt mit 10.000 bis 50.000 Einwohnern.
In der Gallup-Umfrage nannte die Hälfte der Gegner lokaler Rechenzentren Sorgen um Ressourcen als zentralen Grund. Dazu zählen übermässiger Wasserverbrauch, hoher Energiebedarf sowie der Verlust von Ackerflächen oder Lebensräumen für Wildtiere. Fast ein Viertel verwies auf Fragen der Lebensqualität und mögliche Auswirkungen auf lokale Kosten – darunter höhere Stromrechnungen und steigende Lebenshaltungskosten.
Weitere Bedenken betreffen Lärm, Licht, Luft- und Wasserverschmutzung sowie allgemeine Sorgen über KI, etwa bei Ethik, Arbeitsplatzsicherheit und Regulierung. Damit wird deutlich: Der Ausbau der KI-Infrastruktur ist nicht nur eine technische oder wirtschaftliche Frage, sondern zunehmend auch ein lokaler Standortkonflikt.
Ein besonders drastisches Beispiel liefert Lake Tahoe. Medienberichten zufolge wurden fast 50.000 Bewohner der Region informiert, dass ihr Energieversorger NV Energy sie ab 2027 nicht mehr mit Strom beliefern wird. Die Energie soll stattdessen für Rechenzentren im Norden Nevadas genutzt werden – einem der am schnellsten wachsenden Datenzentrumskorridore der USA. Dort haben Google, Microsoft und Apple laut dem Artikel bereits Anlagen gebaut oder geplant. Die betroffenen Bewohner haben demnach bis Mai 2027 Zeit, einen neuen Stromanbieter zu finden.
Text: Mary Whitfill Roeloffs
Foto: Geoffrey Moffett