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KI-gestützte Website-Baukästen, No-Code-Plattformen und automatisierte Designprozesse haben die Einstiegshürden für neue Webauftritte deutlich gesenkt. Gleichzeitig steigt der wirtschaftliche Anspruch an Unternehmenswebsites. Sie sollen nicht nur informieren, sondern messbar zum Geschäftserfolg beitragen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage neu, ob es sich 2026 noch lohnt, eine Website professionell erstellen zu lassen.
Im Interview ordnet Webdesign- und Digitalstrategie-Experte Max Prügner die aktuellen Entwicklungen ein.
Herr Prügner, KI-Webdesigner sind 2026 weit verbreitet. Warum lassen Unternehmen dennoch Websites professionell erstellen?
Max Prügner: Weil sich an der grundlegenden Rolle einer Website nichts geändert hat. Sie ist kein Selbstzweck, sondern ein wirtschaftliches Instrument. KI-Tools können heute schnell Oberflächen erzeugen, sie verstehen jedoch keine Geschäftsmodelle, Märkte oder strategischen Ziele. Unternehmen, die ihre Website als Teil der Wertschöpfung begreifen, benötigen weiterhin konzeptionelle Arbeit. Diese beginnt lange vor dem Design und endet nicht mit der Veröffentlichung.
Wo sehen Sie aktuell die strukturellen Grenzen von KI-Webdesignern und Baukastensystemen?
Max Prügner: Die grösste Grenze liegt im fehlenden Kontextverständnis. KI arbeitet mit Mustern aus bestehenden Daten. Sie kann optimieren, was bereits existiert. Was sie nicht leisten kann, ist eine klare Positionierung im Wettbewerb oder die Übersetzung einer unternehmerischen Vision in eine digitale Struktur. Das Ergebnis sind häufig austauschbare Websites, die zwar funktionieren, aber keine Differenzierung schaffen.
Welche eine Frage sollten sich Entscheider stellen, bevor sie 2026 eine Website erstellen lassen?
Max Prügner: Die zentrale Frage lautet: Welche konkrete Aufgabe soll die Website im Unternehmen erfüllen? Wenn diese Frage klar beantwortet ist, ergeben sich Struktur, Inhalte und Budget fast automatisch. Ohne diese Klarheit wird selbst ein technisch moderner Webauftritt selten die gewünschte Wirkung entfalten.
Für welche Unternehmen ist es 2026 wirtschaftlich sinnvoll, eine Website extern erstellen zu lassen?
Max Prügner: Für alle Unternehmen, bei denen die Website eine aktive Rolle im Vertrieb, im Recruiting oder im Markenaufbau spielt. Das betrifft viele KMU, Dienstleister, Industrieunternehmen und wachsende Startups. Sobald Leads, Anfragen oder Vertrauen eine Rolle spielen, wird die Website zu einem strategischen Asset. In solchen Fällen ist eine professionelle Umsetzung keine Kostenfrage, sondern eine Investitionsentscheidung.
Welche Fehler beobachten Sie bei Websites, die aktuell neu an den Markt gehen?
Max Prügner: Ein häufiger Fehler ist der Fokus auf Design ohne klare Zieldefinition. Viele Websites sehen modern aus, beantworten aber keine konkreten Nutzerfragen. Ein weiterer Punkt ist die fehlende Priorisierung. Alles wird gleich wichtig dargestellt. Das überfordert Nutzer und senkt die Conversion. Zudem wird SEO oft isoliert betrachtet, statt es strukturell in Inhalte, Technik und Nutzerführung zu integrieren.
Welche Rolle spielen SEO, Performance und Conversion heute im Vergleich zu früheren Jahren?
Max Prügner: Diese Faktoren sind enger miteinander verzahnt als je zuvor. Performance beeinflusst nicht nur Rankings, sondern auch Nutzerverhalten. SEO ist keine Massnahme mehr, sondern ein strukturelles Thema. Conversion entsteht nicht durch einzelne Call-to-Actions, sondern durch eine konsistente Nutzerführung. Unternehmen, die diese Zusammenhänge früh berücksichtigen, sparen langfristig Budget und erzielen stabilere Ergebnisse.
Wie lässt sich der wirtschaftliche Erfolg einer professionell erstellten Website heute konkret messen?
Max Prügner: Unternehmen sollten ihre Website nicht mehr als abgeschlossenen Kostenpunkt betrachten, sondern als messbares System. Relevante Kennzahlen sind je nach Zielsetzung unterschiedlich. Dazu gehören etwa qualifizierte Anfragen, Abschlussquoten, Verweildauer oder der Beitrag zur Leadgenerierung. Entscheidend ist, dass diese KPIs bereits vor dem Projekt definiert werden. Nur so lässt sich später bewerten, ob die Website ihren wirtschaftlichen Zweck erfüllt. Ohne diese Klarheit bleibt selbst ein technisch hochwertiger Webauftritt unter seinen Möglichkeiten.
Woran erkennen Entscheider einen professionellen Webdienstleister?
Max Prügner: An den Fragen, die gestellt werden. Wenn ein Dienstleister früh über Ziele, Zielgruppen, Wettbewerb und Kennzahlen spricht, ist das ein gutes Zeichen. Kritisch wird es, wenn sofort über Design oder Tools gesprochen wird. Auch pauschale Preise ohne Analyse sind ein Warnsignal. Professionelle Anbieter denken in Szenarien, nicht in Templates.
Wie wird sich das Thema „Webseite erstellen lassen“ nach 2026 weiterentwickeln?
Max Prügner: KI wird vor allem als Werkzeug weiter an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an strategischer Beratung. Websites werden modularer, dynamischer und stärker personalisiert. Der entscheidende Faktor bleibt jedoch menschliche Expertise. Technologie beschleunigt Prozesse, ersetzt aber keine unternehmerischen Entscheidungen. Wer das versteht, wird auch künftig erfolgreich digitale Projekte umsetzen.