Vertrauen verkauft

Vertrauen ist im Familiensegment keine weiche Marken-Eigenschaft, sondern ein harter Kaufgrund. Wer Baby- und Kinderprodukte kauft, kauft nicht nur ein Produkt, sondern die Abwesenheit eines Problems: keine Sicherheitslücken, keine unklaren Inhaltsstoffe, keine komplizierte Reklamation. Genau hier spielt Direct-to-Consumer (DTC) seine Stärke aus – überall dort, wo Fehlertoleranz niedrig und Wiederkauf hoch ist: Pflege, Windeln, Wipes, Ernährung, Basics und Kinderbücher.

Vertrauen ist im Familiensegment keine weiche Marken-Eigenschaft, sondern ein harter Kaufgrund. Wer Baby- und Kinderprodukte kauft, kauft nicht nur ein Produkt, sondern die Abwesenheit eines Problems: keine Sicherheitslücken, keine unklaren Inhaltsstoffe, keine komplizierte Reklamation. Genau hier spielt Direct-to-Consumer (DTC) seine Stärke aus – überall dort, wo Fehlertoleranz niedrig und Wiederkauf hoch ist: Pflege, Windeln, Wipes, Ernährung, Basics.

Die Nachfragebasis ist strukturell vorhanden. In der EU kauften 2024 77% der Internetnutzer online (private Nutzung, letzte 12 Monate). Besonders aktiv sind die Altersgruppen 25–34 und 35–44 – also jene Lebensphasen, in denen Familiengründung und die Jahre mit Kleinkindern typischerweise liegen.

Der zweite Treiber ist weniger angenehm – und genau deshalb wirksam: Sicherheits- und Compliance-Risiken im Plattformhandel. Toy Industries of Europe liess 2025 insgesamt 70 Spielzeuge von grossen Onlineplattformen testen; 96% waren nicht EU-konform, 86% wiesen „serious safety issues“ auf (z. B. Verschluckrisiken durch Kleinteile, Magnete, Batterien). Das wirkt wie ein Konjunkturprogramm für Marken, die Verantwortung sichtbar machen können: klare Herkunft, nachvollziehbare Prüfungen, erreichbarer Support, saubere Rückgabeprozesse.

Regulierung verstärkt diesen Trend indirekt. Die General Product Safety Regulation (EU) 2023/988 gilt seit 13. Dezember 2024 und modernisiert Produktsicherheitsanforderungen ausdrücklich auch für den Onlinevertrieb. Für Spielzeug kommen zusätzliche Verschärfungen: Die neue Toy Safety Regulation trat am 1. Januar 2026 in Kraft, die wesentlichen Regeln gelten ab 1. August 2030. Kernstück ist ein digitaler Produktpass mit Sicherheits- und Compliance-Informationen, abrufbar über QR-Code oder Datenträger.

Gleichzeitig hat sich die DTC-Mechanik verändert. Der alte Growth-Loop „Performance Ads → Checkout → Repeat“ ist teurer und weniger präzise geworden. Eine wissenschaftliche Analyse zu Apples App Tracking Transparency (ATT) findet nach Einführung einen deutlichen Rückgang der gemessenen Conversions und einen Anstieg der Cost-per-Conversion um nahezu 50% (bei Facebook conversion-optimierten Kampagnen; mit Attributions- und Messunsicherheiten). In der Praxis zwingt das DTC-Marken, Vertrauen als Performance-Kanal aufzubauen: über Empfehlungen, Creator, Community, CRM und Wiederkauf – nicht nur über Targeting.

Die Gewinner im Familiensegment werden deshalb jene sein, die Vertrauen operationalisieren: nachvollziehbare Claims, transparente Informationen, robuste Qualitätssicherung, schneller Support, planbare Liefermodelle und eine Content-Strategie, die Sicherheit liefert statt Werbesprache. In einem Umfeld, in dem Plattformrisiken sichtbarer werden und Targeting weniger verlässlich ist, wird Vertrauen zur Währung – und DTC zum Instrument, diese Währung direkt in wiederkehrenden Umsatz zu übersetzen.

Foto: Sora

 

 

 

 

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