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Interior Design wird in der Hospitality häufig noch als visuelle Kür verstanden – als etwas, das gut aussehen soll, idealerweise auch auf Instagram. Doch diese Perspektive greift zu kurz: Räume sind heute nicht mehr blosse Kulisse – sie sind Erlebnis, Identität und oft der eigentliche Grund, warum Menschen kommen.
Ich entwerfe Räume nicht ausgehend von Möbeln oder Materialien, sondern auf Basis von Szenen. Ich denke in Abläufen, Stimmungen und Momenten –
fast wie in einem Film: Wie bewegt sich ein Gast im Lauf eines Abends durch eine Bar? Wo bleibt er stehen, wo setzt er sich, wann entsteht Nähe, wann Distanz? Wie verändert sich die Atmosphäre mit Licht, Geräuschen und Menschen? Und wie nutzt jemand eine Küche, wenn er allein ist – im Vergleich zu einem Abend mit Kindern, Freunden oder anderen Gästen? Design ist für mich die bewusste Regie dieser Situationen.
Gerade in der Hospitality ist diese 360-Grad-Experience entscheidend: Heute geht man nicht mehr ins Restaurant, nur weil man Hunger hat; oder ins Hotel, nur weil man schlafen will – alles ist ein Treat, ein bewusstes Erlebnis. Menschen reisen gezielt zu Destinationen, um Zeit in einem bestimmten Hotel zu verbringen – manchmal unabhängig davon, was rundherum passiert. Der Raum selbst wird zur Attraktion, zum eigentlichen Reiseziel.
Das stellt neue Anforderungen an die Gestaltung. Räume müssen funktionieren: logisch, intuitiv und betrieblich durchdacht. Wegeführung, Akustik, Licht, Materialwahl, Alterung, Reinigung – all das ist Teil guter Gestaltung. Gleichzeitig muss jede dieser Szenen auch visuell tragen: Jedes Foto ist ein Ausschnitt einer Geschichte – wenn ein Raum im echten Leben funktioniert, sieht er auch auf einem Bild gut aus; nicht umgekehrt.
Vielleicht erklärt sich dieser Blick auch daraus,
dass ich in einem Hotel aufgewachsen bin. Ich habe früh gelernt, dass Räume benutzt werden, altern und Spuren tragen. Genau darin liegt für mich Qualität: Ich glaube an Patina, an Materialien, die schöner werden, weil sie leben dürfen; an Imperfektion als Zeichen von Echtheit – nicht als Trend, sondern als Konsequenz guter Entscheidungen.
Luxus bedeutet für mich nicht Perfektion oder kurzfristige Effekte, sondern Souveränität und Langlebigkeit – Entscheidungen, die auch nach Jahren noch tragen. Wie in der Mode glaube ich nicht an Fast Fashion; und noch viel weniger an Fast Interior: Räume, die ständig erneuert werden müssen, verlieren an Glaubwürdigkeit. Gute Gestaltung hingegen gewinnt mit der Zeit an Tiefe.
Interior Design ist damit kein dekorativer Luxus, sondern Infrastruktur – für Marke, Nutzung und Identität. Räume brauchen heute nicht mehr nur Planung. Sie brauchen Regie.
Theresa Obermoser
Gründerin und Creative Director
TO Interior Design