KI-Boom für 28 Jahre alte Datenfirma

Fast drei Jahrzehnte lang baute Alex Bouzari Datenspeicher für Forschungslabore und Supercomputer, unter anderem im Umfeld der NASA. Der KI-Boom hat DDN nun aus seiner Nische geholt: 2026 soll der Umsatz auf 1 Mrd. US-$ steigen. Für den Mitgründer bedeutet der Aufstieg zugleich den Sprung in den Milliardärsclub.

Alex Bouzari entspricht nicht dem klassischen Bild eines Tech-Gründers in Hoodie und Chinohose. Einen Grossteil seiner Kleidung entwirft er selbst: von der Regency-Ära inspirierte Anzüge, übergrosse hochgestellte Kragen und Schuhe aus Krokodilleder. Ähnlich extravagant ist seine Pariser Zweitwohnung, ein grosszügiges Apartment aus dem 19. Jahrhundert unweit des Arc de Triomphe. Vom marmorierten Teppich über lindgrüne Sofas bis zum Geschirr geht vieles auf die Entwürfe des 65-jährigen französisch-iranischen Unternehmers zurück. „Ich liebe es einfach, Dinge zu entwerfen“, sagt Bouzari, Mitgründer und CEO des Datenspeicherunternehmens DDN. Über die Jahre habe er ein Netzwerk von Menschen aufgebaut, die seine Skizzen in tatsächlich produzierbare Gegenstände übersetzen könnten.

Nicht jeder teilt seinen Geschmack. Mitgründer Paul Bloch, ebenfalls 65, bezeichnet Bouzaris Kleidungsstil als „sehr ungewöhnlich“ und sagt, er habe ihn schon vor Jahren gebeten, sich zurückzuhalten. Nvidia-CEO Jensen Huang soll ihn laut Bouzari als „unangemessen“ bezeichnet haben. Auch Passanten in Paris kommentieren seine Auftritte. Bouzari lebt abwechselnd in Paris und Las Vegas, wo er sein Haus mit Art-déco-Elementen ausgestattet hat. Sein wirtschaftlich bedeutendstes Werk ist jedoch DDN. Seit 1998 kümmert sich das im kalifornischen Chatsworth ansässige Unternehmen um die Datenspeicherung einiger der schnellsten Supercomputer der Welt. Solche Systeme können mehr als eine Trillion Rechenoperationen pro Sekunde bewältigen – vorausgesetzt, sie werden schnell genug mit Daten versorgt.

Genau dort lag lange der Engpass. Festplatten konnten mit der Rechenleistung der Maschinen häufig nicht Schritt halten. DDN kombiniert deshalb schnelle Speicherhardware mit Software, die grosse Dateien aufteilt und gleichzeitig über Tausende Laufwerke verteilt. Bouzari vergleicht das Prinzip mit einer Autobahn, auf der sämtliche Fahrspuren permanent ausgelastet sind, ohne dass Staus entstehen. Über Jahre bauten Bouzari und Bloch DDN weitgehend ohne externes Kapital zu einem Unternehmen mit rund 300 Mio. US-$ Jahresumsatz aus. Das Geschäft blieb dennoch eine Nische: Weltweit gab es lediglich einige Hundert Forschungslabore, die Supercomputer dieser Grössenordnung betrieben. Das Wachstum verlangsamte sich. Dann kam Nvidia.

Der Chiphersteller begann 2016 damit, seine Grafikprozessoren zu leistungsfähigen Supercomputern zu verbinden, die Milliarden paralleler Berechnungen für künstliche Intelligenz durchführen konnten. Dabei stiess Nvidia auf ein Problem, das Forscher mit klassischen Supercomputern von IBM oder Cray bereits kannten: Die Prozessoren waren extrem schnell, doch die benötigten Daten rechtzeitig zu den Chips zu bringen, war schwierig. „An dem Tag, an dem wir den Supercomputer einschalteten, fiel der Speicher aus. Er konnte die Last einfach nicht bewältigen“, sagt Nvidia-Vizepräsident Marc Hamilton, der an dem Projekt beteiligt war. Nvidia holte DDN hinzu. Die Technologie funktionierte – und das Unternehmen wurde zum Partner. Der eigentliche Wachstumsschub kam jedoch erst mit dem jüngsten KI-Boom. 2024 lag der Umsatz von DDN bei rund 400 Mio. US-$. Ein Jahr später waren es 500 Mio. US-$. 2026 soll sich der Wert auf 1 Mrd. US-$ verdoppeln. Dazu tragen unter anderem Aufträge von Elon Musks KI-Unternehmen xAI sowie von Staaten bei, die eigene KI-Supercomputer aufbauen. DDN profitiert dabei von einem grösseren Trend. Die Nachfrage nach Infrastruktur für Rechenzentren ist stark gestiegen. Die Aktie des Speicherherstellers SanDisk legte innerhalb von zwölf Monaten um 3.100 % zu, wodurch das Unternehmen auf eine Marktkapitalisierung von rund 210 Mrd. US-$ kam. Micron, das einen höherwertigen Speichertyp produziert, vervierfachte seinen Umsatz im Jahresvergleich auf 41,5 Mrd. US-$ im zweiten Quartal 2026. Die Aktie stieg im selben Zwölfmonatszeitraum um mehr als 615 %.

Für DDN ist das ein lukratives Umfeld. Ein neuer Nvidia-Server kostet rund 500.000 US-$ – noch bevor die hohen Stromkosten berücksichtigt werden. Nach Angaben von DDN stehen solche Systeme häufig rund zwei Drittel der Zeit still. Software, die Daten schneller zu den GPUs transportiert und wieder abführt, soll diese Leerlaufzeiten reduzieren. „Wir sind eine Datenmaschine, die GPUs profitabel und produktiv macht“, sagt Bouzari. Im Jänner 2025 investierte Blackstone 300 Mio. US-$ in DDN. Die Transaktion bewertete das Unternehmen mit 5 Mrd. US-$. Bouzari und Bloch halten jeweils rund 40 % und verfügen damit rechnerisch über Beteiligungen im Wert von jeweils rund 2 Mrd. US-$. Für DDN dürfte jedoch nicht nur das Kapital von Bedeutung sein. Blackstone bringt Zugang zu seinem Kundennetzwerk und zu einem Rechenzentrumsportfolio im Wert von 325 Mrd. US-$ mit.

Die Konkurrenz wächst entsprechend. Börsennotierte Konzerne wie Dell, Everpure und NetApp verkaufen ebenfalls Speicherlösungen, waren beim Thema KI laut Ausgangstext jedoch langsamer unterwegs. Kleinere Anbieter wie Weka und Hammerspace gewinnen ebenfalls Aufträge. Als grösster Herausforderer gilt Vast Data aus New York. Das Unternehmen wurde nach einer Finanzierungsrunde über 1 Mrd. US-$ im April mit 30 Mrd. US-$ bewertet. Vast verkauft Datenspeichersoftware unter anderem an den börsennotierten KI-Rechenzentrumsbetreiber CoreWeave, der auf eine Marktkapitalisierung von 38 Mrd. US-$ kommt, sowie an Unternehmen wie Nebius und Mistral.

Software statt Festplatten
Die Transformation eines mittlerweile 28 Jahre alten Unternehmens verlief nicht ohne Schwierigkeiten. Lange hielt DDN an einem Paketmodell fest und verkaufte seine Software gemeinsam mit eigenen Festplatten. Erst 2023 begann das Unternehmen, Software separat anzubieten, nachdem zunehmend Kunden ihre Speicherhardware selbst beschafften.

DDN verkauft weiterhin Festplatten-Racks. Das lukrativere Geschäft liegt inzwischen jedoch bei der Software. Dort erzielt das Unternehmen Bruttomargen von mehr als 90 %, während sie bei der Hardware bei rund 60 % liegen. „Es ist ein Unternehmen, das erst Ende 20 durch die Pubertät gegangen ist“, sagt John Watson, Senior Managing Director bei Blackstone. Bouzari und Bloch seien keine 25-jährigen Gründer mehr, sondern etablierte und äusserst erfolgreiche Unternehmer – hätten sich aber den Drang zu gewinnen bewahrt.

Dass Bouzari überhaupt im Speichergeschäft landete, war zunächst Zufall. Nach seinem Abschluss am California Institute of Technology besuchte er eine staatliche Messe und entdeckte dort eine frühe Form einer herausnehmbaren Festplatte, die zur Sicherung von Daten auf Heimcomputern gedacht war. Der Markt für PCs und Macs war bereits besetzt. Bouzari erkannte jedoch einen anderen potenziellen Kunden: Behörden, die sensible Informationen physisch unter Verschluss halten wollten. Bouzari, der in Paris als Sohn iranischer Eltern geboren wurde, tat sich mit seinem Caltech-Studienfreund Paul Bloch zusammen. Bloch gehörte ebenfalls zu den wenigen französischen Studenten, die 1984 am Campus in Pasadena Ingenieurwissenschaften studierten.

Gemeinsam bauten sie Mega Drive Systems auf. Bis 1998 erreichte das Unternehmen einen Jahresumsatz von rund 30 Mio. US-$. Gegen grosse Anbieter wie IBM und EMC konnte der kleine Konkurrent jedoch nur schwer bestehen. Gleichzeitig hatte Bouzari bereits Zugang zu einigen führenden Forschungslaboren der Welt. Dort hörte er immer wieder dieselbe Beschwerde: Forscher verloren wertvolle Versuchsdaten, weil Festplatten nicht mit der Geschwindigkeit ihrer Supercomputer mithalten konnten. „Wir wussten es nicht besser und haben versucht, das Problem zu lösen, weil es sonst niemand tun wollte“, sagt Bouzari. Die beiden entwickelten eine Lösung und gewannen schnell erste Aufträge. 2001 sammelte DDN knapp 10 Mio. US-$ Risikokapital ein. Bouzari bezeichnet die Finanzierung rückblickend als Desaster. Die neuen Investoren drängten das Unternehmen in Richtung Geschäftskunden – ausgerechnet zu einer Zeit, als sich die wirtschaftliche Lage nach den Anschlägen vom 11. September deutlich verschlechterte.

Das Kapital wurde knapp, die Investoren drängten auf einen schnellen Verkauf. Bouzari und Bloch entschieden sich dagegen. Sie bauten Stellen ab und überzeugten die verbliebenen Mitarbeiter davon, mehrere Gehaltszahlungen auszusetzen. „Aus einer Woche wurden sechs Wochen finanzieller Spielraum, und bis dahin waren wir wieder profitabel“, sagt Bouzari. 2002 kaufte er die Investoren aus dem Unternehmen heraus.

Vom Nischenanbieter zum Milliardenunternehmen
Viele Jahre blieb DDN ausserhalb der Welt der Supercomputer weitgehend unbekannt. Bouzari selbst bewegte sich gleichzeitig in einem anderen exklusiven Umfeld: Zeitweise teilte er sich einen Hemdenmacher mit Karl Lagerfeld. Bis 2008 stieg der Umsatz von DDN auf 100 Mio. US-$. 2018 waren es bereits 220 Mio. US-$ – ohne zusätzliches externes Kapital.

Die Profitabilität ermöglichte Bouzari auch ungewöhnliche Investitionen. Neben Yachten interessierte er sich zeitweise für eine norwegische Werft, die auf Schiffe der sogenannten Explorer-Klasse spezialisiert war. Das Vorhaben kam letztlich nicht zustande. „Wir haben es versucht. Es ist kompliziert. Schiffbau ist wirklich sehr komplex“, sagt Bouzari. Inzwischen arbeitet er an einem deutlich grösseren Projekt.

Seit März plant Bouzari ein neues Rechenzentrum in Wheeler im US-Bundesstaat Texas. Die Anlage könnte auf eine Leistung von bis zu 1,3 Gigawatt ausgebaut werden. Damit würde sie Dimensionen erreichen, die mit einigen neuen Rechenzentren von Meta vergleichbar sind – und ungefähr so viel Strom verbrauchen wie eine Million Haushalte. Die Finanzierung steht noch nicht vollständig. Die Kosten könnten mehr als 60 Mrd. US-$ erreichen. Anders als bei Bouzaris Mode oder seinen Wohnungen geht es bei diesem Entwurf allerdings weniger um Extravaganz. Entscheidend sind Geschwindigkeit, Kosten und Effizienz – und ein Geschäft, das durch den KI-Boom inzwischen Milliardenpotenzial erreicht.

Text: Iain Martin
Foto: Andrejs Zavadskis for Forbes

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