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Schon im Studium zieht es Markus Dörfler in die Berge, zuerst privat, dann beruflich. Heute leitet der 30-Jährige Augmenterra, eines der ersten Unternehmen in Österreich, die mithilfe von Satellitendaten Bodenbewegungen analysieren – unter anderem von Hangrutschungen.
Die Frage „Wo bin ich?“ ist heutzutage schnell gelöst – ein Griff zum Smartphone, und schon kennt man seinen Standort. Vor etwa 20 Jahren war das unmöglich; heute ist es „normal, dass ich weiss, wo ich in der digitalisierten Welt bin“, sagt Markus Dörfler, Mitgründer
von Augmenterra. Sein Unternehmen geht aber noch einen Schritt weiter: Es möchte wissen, wie sich der Boden bewegt – mit Bildern aus dem Weltall.
Augmenterra wertet Satellitenbilder der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) aus, die Bodenbewegungen anzeigen. Die Daten geben Auskunft über „Naturgefahren, Hangbewegungen oder auch Permafrostprozesse“, so Dörfler. Damit können Unternehmen reagieren, noch bevor ein Schaden entsteht. Das ist nicht nur im hochalpinen Raum wichtig, sondern zunehmend auch in der Stadt – etwa wenn eine U-Bahn gebaut wird, wie in Wien.
Augmenterra ist ein Novum in Österreich. Die Satellitenbilder sind im Rahmen des Copernicus-Programms der EU schon länger frei verfügbar, eine grossflächige Nutzung blieb aber aus, wie Dörfler während seines Geografie-Studiums feststellte, für das der gebürtige Hesse extra nach Salzburg zog. Die Gründe für den Umzug lagen auf der Hand: Salzburg ist nicht nur nahe an Deutschland, sondern auch an den Bergen – „und ich war schon immer gern auf Bergurlaub“, grinst Dörfler.
Das half ihm auch bei seinen ersten beruflichen Schritten: Dörfler stieg während seines Bachelors bei der Forschungsgesellschaft Georesearch ein und durchkämmte Berge sowie Gletscher für Datenerhebungen. Auch beruflich gelangte er rasch nach oben: Schon während seines Geoinformatik-Masterstudiums leitete er ein eigenes Forschungsprojekt zur Auswertung von Radarsatellitendaten.
„Überall dort, wo es in irgendeiner Weise Infrastruktur gibt, ist es spannend zu wissen, mit welchen Bewegungen ich umgehen muss“, sagt Dörfler. Das fanden auch Markus Keuschnig und Ingo Hartmeyer, die beiden Eigentümer von Georesearch. Für die drei war schnell klar: Sie wollen die Radartechnologie aus der Forschung in den Markt bringen.
2022 gründeten sie Augmenterra. Zuerst aber mussten die Kunden verstehen, warum Bodenbewegungen relevant sind – und das, ohne selbst das technische Know-how zu haben. Dies war eine Herausforderung für Dörfler, der es als Wissenschaftler gewohnt ist, ins Detail zu gehen. Heute ist er dafür zuständig, den Kunden leicht verständlich zu vermitteln, was das Produkt eigentlich kann. „Derjenige, der mit dem Auto fährt, muss auch nicht verstehen, wie der Motor genau funktioniert. Hauptsache, das Auto läuft und man kann es bedienen“, fasst Dörfler zusammen. Schnell lernte er, dass es dafür eine attraktive Bildsprache und eine hervorstechende Corporate Identity braucht.
Wir schaffen jetzt wirklich etwas Nachhaltiges für die nächsten Dekaden.
Markus Dörfler
Damit kann Augmenterra offensichtlich punkten: Zu den grossen Kunden zählen heute die ÖBB, die Asfinag oder auch die Austrian Power Grid AG. Bei Letzterer hat man gerade erst ein vierjähriges Projekt an Land gezogen, um das gesamte Stromnetz in Österreich zu überwachen.
Theoretisch können auch Privatpersonen Augmenterra nutzen, um etwa die Bewegungen ihres Hauses abzufragen. Noch passiert das laut Dörfler aber selten. Eine einmalige Abfrage kostet für eine Privatperson 250 €; Unternehmen nutzen meist Abo-Modelle, die bei 2.000 € starten. Bei mehreren Tausend Bauwerken oder grossen Gebieten können die jährlichen Kosten für die Lösung sechsstellig werden.
Besonders gefragt ist Augmenterra in Skigebieten bei der Überwachung von Liftstützen, wie etwa in Sölden. Das Unternehmen stellt ein Frühwarn-Ampelsystem zur Verfügung, damit der Betriebsleiter des Skigebiets weiss: Ist eine Liftstütze rot eingefärbt, muss er sie beispielsweise häufiger warten oder genauer beobachten.
Das kann die Langlebigkeit von Bauwerken unterstützen – und das treibt Dörfler an: „Wir schaffen jetzt wirklich etwas Nachhaltiges für die nächsten Dekaden.“ Natürlich spreche man auch mit Investoren, sagt er. Das Unternehmen aber in zwei Jahren einfach zu verkaufen und „Gut verdient!“ zu sagen, das schliesst er aktuell aus. „Da hängen Mitarbeiter und Kunden dran, die wir sehr schätzen“, betont Dörfler.
Zu den drei Gründern sind mittlerweile noch vier Mitarbeiter hinzugekommen. Nach zwei weiteren wird gerade gesucht, denn Augmenterra will expandieren. „Wir bereiten gerade alles dafür vor, dass wir neue Länder onboarden“, erzählt Dörfler. Es gebe zwar auch Anfragen aus den USA, aber vorerst orientiere man sich in Richtung Schweiz und Deutschland.
Bei all den Plänen gehe es aber immer darum: „Wo ist der Mehrwert für den Kunden?“ Wenn die Kunden das bemerken, sei es besonders schön, erzählt Dörfler stolz – etwa wenn es dann heisst, ohne Augmenterra wäre völlig falsch geplant worden …
Text: Katharina Strnadl
Foto: Robert Delleske