coffee with the queen of cozy crime

Aufwachen, Kaffee trinken, recherchieren, schreiben; „sehr unspektakulär“: So spricht Beate Maly über ihren Alltag als Schriftstellerin. Doch ihre Leistung ist alles andere als unspektakulär: Als Bestsellerautorin hat sie sich den Titel „Queen of Cozy Crime“ mehr als verdient – und zählt zu den festen Grössen in der deutschsprachigen Literaturszene.

„Ich bin eine sehr disziplinierte Schreiberin. Ich nehme mir vor, ich muss heute, sagen wir, fünf, sechs ­Seiten schaffen – erst dann, wenn das erledigt ist, stehe ich vom Schreibtisch auf“, sagt Beate Maly über ihre Arbeitsroutine. Vor ­Abgabeterminen schreibt sie bis zu zwölf Stunden am Tag, verdient derweil laut eigenen Berechnungen pro verkauftem Exemplar ihrer Bücher magere 50 Cent bis ein Euro. Was sie dennoch antreibt? „Ich sehe es als Riesenluxus, dass ich von meinen Büchern leben kann. Jeden Tag, wenn ich in der Früh aufstehe, denke ich mir: ‚Wow, ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht!‘“

Maly ist eine Wiener Autorin, die für ihre historischen Romane und Cozy-Crime-Krimis geschätzt wird. Man nennt sie die „Queen of Cozy Crime“ – ein Genre der Kriminalliteratur, das sich durch Humor, ­gemütliche Atmosphäre und den Verzicht auf explizite Gewalt auszeichnet. Bevor Maly sich dem Schreiben widmete, arbeitete sie als Frühförderin und verfasste in diesem ­Zusammenhang pädagogische Texte und Kinder­geschichten. Dieses Berufsfeld, für das sie nachträglich einen Master in Wien erwarb, prägt laut Maly ihr lite­rarisches Schaffen bis heute.

Solange interessante Geschichten erzählt werden, wird es auch Leser dafür ­geben.

Beate Maly

Ihre Karriere als Romanautorin begann vor rund zwanzig Jahren, als sie für die Veröffentlichung ihres ­ersten historischen Romans das Wiener Autoren­stipendium erhielt. Seitdem hat sie sich insbesondere mit ihrer „Aurelia“-Reihe, die historisch belegte Kriminalfälle aufgreift, einen Namen im Genre des Cozy Crime gemacht. Bei Emons verkaufte sie (Stand 2025) bereits über 250.000 Exemplare. Mit ihren Büchern, von denen sie einige unter dem Pseudonym Laura Baldini ver­öffentlicht, gehört Maly zu den Bestseller­autorinnen
im deutschsprachigen Raum.

Das Interview findet in der stimmungsvollen Kulisse eines traditionellen Wiener Cafés statt. Diese Umgebung harmoniert ideal mit dem Stil der Autorin, die für die Einbindung historischer Wiener Schauplätze in ihre Romane bekannt ist. Auf die Frage „Warum Wien?“ sagt Maly: „Weil ich Wienerin bin und meine Stadt sehr liebe.“

Die Auswahl der Orte, etwa die Trabrennbahn oder die Ringstrasse, begründet sie mit deren historischer Bedeutung und ­Popularität in der jeweiligen Zeit. Ihr absoluter Grundsatz sei die Bewahrung des Authentischen: Recherche, sagt Maly, nehme beim Verfassen eines Buchs am meisten Zeit in Anspruch. „Ich bemühe mich wirklich, dass die Makro-Geschichte authentisch ist und stimmt; und die Mikro-Geschichte ist dann eben das, wo ich Freiheit habe“, so die Schriftstellerin.

Sie nutzt Archive, Bildbände, recherchiert vor Ort und konsultiert Experten. Wissenslücken behandelt sie konsequent: „Wenn ich keine Info über ein Thema habe, dann muss ich die Finger davon lassen.“ True Crime konsumiert sie nicht – „wer blutige Krimis sucht, der ist bei sehr geschätzten Autorenkollegen besser aufgehoben als bei mir“, zwinkert Maly. Ihrer Ansicht nach liegt der Charme von Cozy Crime darin, dass Leser die Möglichkeit zum Miträtseln und Grübeln haben – und stets die Gewissheit eines guten Ausgangs besteht.

Malys Hauptreihen sind „Ernestine und Anton“ (Emons; 1920er-/1930er-Jahre), „Lili Feigl & Max von Krause“ (ab 1906, Wiener Werkstätte, etwas düsterer; Emons) und „Aurelia“ (um 1870; Dumont). Für Ernestines Charakter hat Maly zur Inspiration eine Person aus der realen Welt herangezogen. Gestanden hat sie dies der Frau erst später, erzählt Maly lachend, und erhielt damals auch ihre Zustimmung dafür. Die Reihe umfasst bis dato elf Bände. Aurelia, Protagonistin der gleich­namigen Reihe, sei ihre „geheime Lieblingsfigur“. Obwohl die historische Szenerie ein zentraler Bestandteil ihrer Erzählungen ist, leben ihre Bücher laut Maly „in erster Linie von den Figuren“.

Der allmähliche Übergang von pädagogischen Texten und Kindergeschichten zu historischen (Kriminal-)Romanen sei keine schwierige Sache gewesen, so Maly: „Ich habe einfach geschrieben, und das hat funktioniert.“ Ihr erster historischer Roman, „Die Hebamme von Wien“ (2008), war der Startschuss für eine erfolgreiche Karriere als Autorin, die mittlerweile das Herzstück ihres Alltags ist. Maly: „Es war einfach Glück, zum richtigen Zeitpunkt das richtige Manuskript geschrieben zu haben.“

Obwohl sie heute bereits über 30 Auslands­lizenzen hat, etwa für Brasilien und Skandinavien, bleibe eine englische Übersetzung nach wie vor ein grosser Wunsch, um noch mehr Publikum zu erreichen. „Wenn eines Tages eine englische Auslandslizenz dabei ist, freue ich mich sehr, aber das ist etwas, das man nicht erzwingen kann. Ich denke, auch eine Portion Glück gehört dazu“, so Maly. Eine Ver­filmung ihrer Bücher wäre auch willkommen.

Die Schriftstellerin kooperiert heute mit fünf ­deutschen Verlagen und wurde mehrmals für den Leo-
Perutz-Preis nominiert. Mit zwei Büchern ihrer „Ernes­tine“-Reihe schaffte sie es auf Platz eins der österreichischen Bestsellerliste.

Ihre Medienpräsenz beschreibt Maly als „old fashioned“: Neben Buchveröffentlichungen nutzt die Schriftstellerin lediglich eine schlichte Homepage sowie einen Instagram-Account, bei dem ihre Tochter sie unterstützt. Auf die Frage, ob sie sich dem Wettbewerb auf dem Buchmarkt ausgesetzt fühle, antwortet sie mit einem Lächeln: „Ich gönne jedem, der gut schreiben kann, seinen Erfolg.“

Malys Schaffenskraft ist ungebrochen, was ihre beeindruckende Projektliste für die nahe Zukunft beweist. Zu den aktuellen und kommenden Projekten gehören im Bereich der Buchveröffentlichungen der dritte Band der „Wiener Werkstätte“-Reihe, der für das Frühjahr geplant ist, ein Sachroman über Anna Freud und Kriegskinderheime, zwei Weihnachtsbücher, darunter eines über die Wiener Schneekugel („Etwas fürs Herz!“, so Maly); Fans ihrer Kriminalreihe dürfen sich zudem auf einen neuen Band der „Ernestine“-Reihe freuen.

Auch auf der Bühne ist Maly präsent: Im Bereich Veranstaltungen und Lesungen sind eine Italien-Lesereise im April und ein Auftritt beim renommierten Krimifestival „Mord am Hellweg“ im Herbst vorgesehen. Ihr Terminkalender sei generell prall gefüllt – Maly: „Ich habe heuer irrsinnig viele Lesungstermine. Ich glaube, ich habe jetzt mittlerweile 35 Termine im Kalender; ich fürchte, dass ich dieses Tempo auf Dauer nicht halten kann.“ Hinsichtlich der Zukunft des Markts für Kriminalromane gibt sich Maly vorsichtig optimistisch: „Solange interessante Geschichten erzählt werden, wird es auch Leser dafür geben – hoffentlich!“

Text: Klara Csongrady
Fotos: Gianmaria Gava

Forbes Editors

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