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Bambus statt Aluminium – so lautet das Motto des Spin-off der FH Aachen. Mit einem automatisierten Verfahren werden bald Fahrradrahmen gefertigt.
Bambus ist die am schnellsten wachsende Pflanze der Welt – bis zu 50 Zentimeter sind es pro Tag. Die zur Familie der Süssgräser gehörende Pflanze bietet dabei einige Vorteile, wie Philipp Moritz (li.) und Jan Friesen (re.) erläutern: So ist natürlich gewachsener Bambus nicht nur ein idealer Leichtbauwerkstoff und eine umweltfreundliche Alternative zu Aluminium und Carbonfaser (Kohlenstofffaser), sondern bindet beim Wachstum mehr CO2 als bei Transport und Verarbeitung ausgestossen wird. Ausserdem stellt Bambus sehr geringe Anforderungen an den Boden. Und genau dies machen sich die Gründer des Spin-offs Camboo der Fachhochschule (FH) Aachen zunutze: „Wir entwickeln ein serientaugliches, stabiles Fertigungsverfahren mit der Herstellung von Kinderwagengestellen, Rollatorgestellen und Fahrradrahmen“, sagen die beiden Maschinenbauingenieure. Die Fertigung läuft dabei automatisiert ab und ermöglicht – aufgrund der Kombination mit Industrie 4.0-Tools – eine Stabilitäts- und Gewichtsoptimierung der Rahmenstrukturen. Die eingesetzten Bambusrohre werden dabei zudem zu hundert Prozent auf ihre entsprechende Qualität geprüft, so die Gründer weiter.
Damit wollen Moritz und Friesen eine Alternative zur asiatischen Massenfertigung von Konsumgüter-Gestellen aus Aluminium bieten. Am Markt vertreten ist man noch nicht, die Gründung des Unternehmens soll im ersten Quartal 2019 erfolgen. „Wir arbeiten mit den ersten potenziellen Kunden an der Serienvorbereitung. Unsere Zielgruppe – europäische Premium-OEMs (Original Equipment Manufacturer, Erstausrüster, Anm.) – ist sehr interessiert daran. Diese sind hinsichtlich unserer Markteinführung nicht preissensibel, erwarten aber eine entsprechende Fertigungskapazität.“
In den kommenden zwei Jahren hat es sich Camboo jedenfalls zum Ziel gesetzt, fünf bis zehn Kunden aus der Konsumgüterbranche zu beliefern und in Vorbereitung eines serienreifen L7e Fahrzeug-Chassis (L7e bezeichnet ein leichtes vierrädriges Kraftfahrzeug mit Antrieb durch Elektromotor, Anm.) zu sein. Denn in Zukunft sollen auch Chassis-Strukturen (Fahrgestell von Kraftfahrzeugen, Anm.) für die nächste Generation an Elektrofahrzeugen gefertigt werden – und zwar preislich konkurrenzfähig und mit positiver CO2-Bilanz. Eines wird aber bei allen Branchen besonders wichtig sein: „Die Jahresproduktion ist stark abhängig vom Automatisierungsgrad.“