Bitcoins Absturz stellt Krypto-Treasury-Aktien auf die Probe

Michael Saylors Bitcoin-Strategie brachte 2025 zahlreiche Nachahmer hervor. Jetzt kämpfen viele dieser Firmen ums Überleben.

Krypto steckt erneut in einer Schwächephase. Bitcoin notiert unter 70.000 US-$ und liegt damit rund 50 % unter seinem Hoch vom Oktober. Besonders stark trifft es eine neue Gruppe börsennotierter Unternehmen: sogenannte Digital Asset Treasuries (DATs). Diese Firmen haben 2025 grosse Teile ihrer Bilanz in Kryptowährungen investiert – nach dem Vorbild von Michael Saylors Unternehmen Strategy.

Ende 2025 gab es mehr als 200 solcher Firmen, die zusammen rund 150 Mrd. US-$ in Krypto hielten. Strategy selbst, mit einer Marktkapitalisierung von 44 Mrd. US-$, gilt als prominentestes Beispiel: Das Unternehmen wandelte sich von einer Softwarefirma zu einem reinen Bitcoin-Investor.

Doch viele dieser DATs wurden bereits vor dem jüngsten Kursrückgang unter dem Wert ihrer Kryptobestände gehandelt. Mit dem erneuten Preisverfall fallen ihre Aktien nun noch stärker als Bitcoin & Co. Das erschwert es, weiteres Kapital aufzunehmen oder zusätzliche Kryptowährungen zu kaufen.

Laut Datenanbieter Artemis summieren sich die Verluste der DATs auf mehr als 20 Mrd. US-$. Strategy meldete im vierten Quartal 2025 einen operativen Verlust von 17,4 Mrd. US-$; die Aktie verlor in sechs Monaten rund 70 %. BitMine Immersion Technologies, eine auf Ethereum fokussierte Firma, weist nicht realisierte Verluste von 8,1 Mrd. US-$ aus, die Aktie liegt 66 % im Minus.

Ein zentrales Mass ist das Verhältnis von Börsenwert zum Nettoinventarwert der gehaltenen Kryptowährungen (mNAV). Liegt es unter 1,0, wird die Aktie mit Abschlag auf die Kryptobestände gehandelt. Viele kleinere DATs notieren inzwischen deutlich darunter. Das stellt ihr Geschäftsmodell infrage.

Theoretisch wären fallende Kurse eine Chance, günstig nachzukaufen. Praktisch haben viele Unternehmen nahe den Höchstständen investiert und verfügen nun nicht über ausreichend Liquidität, um weiterzukaufen. Das erhöht den Verkaufsdruck – mit möglichen weiteren Preisrückgängen bei den Token.

Ein Beispiel: ETHZilla verkaufte einen Teil seiner Ether-Bestände im Wert von 139 Mio. US-$, kaufte davon zwei Flugzeugtriebwerke für 12,2 Mio. US-$ und vermietet diese nun für rund 90.000 US-$ pro Monat an eine Fluggesellschaft. Das Ziel: stabile Cashflows aus realen Vermögenswerten. Das Unternehmen plant zudem, Hypotheken zu tokenisieren.

Trotz der teils massiven Abschläge erscheinen einige DATs günstig. Manche grosse Player wie Strategy oder Metaplanet haben ihre Kryptobestände nicht als Sicherheiten hinterlegt und müssen daher keine Notverkäufe tätigen. Dennoch erwarten Marktbeobachter keine schnelle Erholung der Bewertungen – es sei denn, der Kryptomarkt dreht deutlich nach oben.

Fusionen und Übernahmen gelten als mögliche Lösung, sind aber kompliziert. Unterschiedliche Bewertungen und Interessen der Aktionäre erschweren Transaktionen. Auch neue Finanzierungsmodelle wie Wandelanleihen stossen derzeit auf Zurückhaltung bei Investoren.

Einige Unternehmen suchen daher neue Strategien. ProCap Financial etwa besitzt 5.007 Bitcoins im Wert von 343 Mio. US-$, wird aber nur mit 214 Mio. US-$ bewertet. Die Aktie verlor im Jahresvergleich 75 %. Das Unternehmen will nun mit einer Finanzplattform fusionieren und sich stärker im Bereich „agentische KI“ positionieren.

Für Investoren stellt sich die zentrale Frage: Haben diese Krypto-Treasury-Firmen ein nachhaltiges Geschäftsmodell – oder sind sie lediglich Vehikel, deren Wert direkt und ungebremst am Kryptokurs hängt? Solange Bitcoin steigt, fällt das kaum auf. In einem Abschwung wird es entscheidend.

Text: Nina Bambysheva
Foto: Wikimedia Commons

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