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Die zwei Ärzte haben eine neue Behandlungsmethode gegen Bauchaortenaneurysmen entwickelt – und daraufhin ein Start-up gegründet.
Wenn es um die Entwicklung eines vollkommen neuen medizinischen Behandlungsverfahrens geht, wird man schnell hellhörig. Insbesondere dann, wenn rund fünf Prozent der Bevölkerung an der entsprechenden Erkrankung leiden. „Weltweit sind ca. 4,8 Prozent der Bevölkerung von einem Bauchaortenaneurysma (BAA) betroffen“, so die beiden Ärzte und Mitgründer von Angiolutions, Uwe Raaz und Isabel Schellinger. Bei einer BAA handelt es sich um eine Aussackung der Hauptschlagader (Aorta) im Bauchraum des Menschen; im Fall eines Einrisses (Ruptur) ist dies mit einer achtzigprozentigen Sterbewahrscheinlichkeit verbunden. Trotz dieser hohen Erkrankungshäufigkeit existieren derzeit keine Therapien, welche ein Wachstum kleiner BAAs verhindern. Angiolutions setzt hier an: „Unser Start-up entwickelt ein neuartiges Gefässimplantat (A3-Shield), mit dem erstmals kleine Bauchaortenaneurysmen (BAAs) wachstumshemmend behandelt werden können“, so die Raaz und Schellinger. Die Behandlungsmethode soll nicht nur vollkommen neuartig, sondern auch minimal-invasiv und risikoarm sein. Das Gefässimplantat basiert auf neuesten Befunden zur Krankheitsentstehung, welche die beiden Gründer im Rahmen eines Forschungsaufenthaltes an der Stanford University sammelten. Diese Forschungsergebnisse wurden in den USA patentiert – und anschliessend zur Entwicklung des therapeutischen Gerätes genutzt.
2017 gründeten Schellinger und Raaz schliesslich ihr Unternehmen „Angiolutions“ in Göttingen. Raaz ist Leiter der Arbeitsgruppe „Molekulare und Translationale Gefässmedizin“ und Schellinger Wissenschafterin in der Klinik für Kardiologie und Pneumologie an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und obendrein noch ein Mitglied unserer „Forbes 30 Under 30 2018“ in der Kategorie „Science and Healthcare“. Doch wann wird das Gerät auf den Markt kommen? „Der Proof of Concept liegt bereits im Kleintiermodell vor. Nun werden in den nächsten zwei Jahren Versuche an Grosstieren wie dem Schwein durchgeführt. Hierbei werden sowohl Ex-vivo (lebendes biologisches Material wird einem lebenden Organismus entnommen und ausserhalb dessen über eine begrenzte Zeit kultiviert, Anm.) als auch In-vivo-Experimente (Prozesse, die im lebendigen Organismus ablaufen, Anm.) realisiert. Diese Machbarkeitsstudien sind ein wesentlicher Schritt für die Erstanwendung am Menschen.“