Wiener Jungunternehmer gegen Milliardenkonzerne: M&S holte bereits über 15 Mio. € zurück

Innerhalb von drei Jahren hat M&S Prozessfinanzierung nach eigenen Angaben mehr als 3.000 Menschen dabei unterstützt, Verluste bei nicht konzessionierten Online-Anbietern zurückzufordern. Insgesamt seien bereits über 15 Mio. € erfolgreich rückgeführt worden.

Am Anfang stand eine Idee. Daraus wurde zunächst ein Projekt – und schliesslich ein Unternehmen, das heute mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigt, mit über zehn Partnerkanzleien zusammenarbeitet und zu den sichtbarsten Prozessfinanzierern Österreichs zählt.

Vor drei Jahren beschlossen Benjamin Malaiev und Cristobal Svoboda, gegen internationale Online-Anbieter vorzugehen, die ihre Dienste in Österreich ohne die erforderliche Konzession angeboten hatten. Seither habe M&S Prozessfinanzierung mehr als 3.000 Menschen dabei unterstützt, zumindest einen Teil ihrer Verluste zurückzuerhalten. Die Summe der erfolgreich zurückgeholten Gelder liege mittlerweile bei über 15 Mio. €.

„Für viele Betroffene klingt es im ersten Moment zu schön, um wahr zu sein“, sagt Geschäftsführer Cristobal Svoboda. „Die österreichische Rechtslage und die dazu ergangene Rechtsprechung bieten Spielern jedoch in vielen Fällen eine klare Grundlage, Verluste von nicht konzessionierten Anbietern zurückzufordern.“

Betroffen sind nicht nur kleinere Plattformen, sondern auch grosse, international tätige Konzerne. Viele dieser Unternehmen verfügen über komplexe Gesellschaftsstrukturen und haben ihren Sitz im Ausland. Das kann die tatsächliche Durchsetzung österreichischer Ansprüche erheblich erschweren.

Ein rechtskräftiges Urteil bedeutet schliesslich nicht automatisch, dass der zugesprochene Betrag auch sofort bezahlt wird. Internationale Unternehmensstrukturen, ausländische Gesellschaftssitze und komplexe Vollstreckungsverfahren stellen Kläger und ihre Rechtsvertreter regelmässig vor zusätzliche Herausforderungen.

M&S hat deshalb nach eigenen Angaben über Jahre hinweg ein Netzwerk aus mehr als zehn spezialisierten Partnerkanzleien aufgebaut. Gemeinsam sollen Strategien entwickelt werden, die nicht nur auf das Erwirken eines Urteils, sondern auch auf die tatsächliche Einbringlichmachung der Forderung ausgerichtet sind.

„Es reicht nicht, einen Anspruch auf dem Papier zu haben. Entscheidend ist, am Ende tatsächlich an das Geld zu kommen“, sagt Svoboda.

Nur wenige Anbieter seien bereit, bereits nach einem anwaltlichen Aufforderungsschreiben zu bezahlen. Nach Angaben des Unternehmens müsse daher in mehr als 90 Prozent der übernommenen Fälle zunächst eine Klage eingebracht werden.

Nach der Klagseinbringung steige die Bereitschaft vieler Anbieter, über eine aussergerichtliche Lösung zu sprechen. Häufig ende das Verfahren deshalb mit einem Vergleich.

„Bei einem Vergleich geht es darum, ein wirtschaftlich sinnvolles Ergebnis zu erzielen, ohne jahrelang prozessieren zu müssen“, erklärt Mitgründer Benjamin Malaiev. „Der Kunde nimmt einen gewissen Abschlag in Kauf, erhält dafür aber wesentlich schneller einen grossen Teil seiner Verluste zurück. Abhängig vom jeweiligen Fall können das etwa 50 bis 90 Prozent der geltend gemachten Summe sein.“

Weniger als zwei Prozent der von M&S erfolgreich ausbezahlten Kunden hätten laut Malaiev persönlich zu einer Gerichtsverhandlung erscheinen müssen. Für viele Betroffene sei das ein wichtiger Faktor: Sie möchten ihre Ansprüche durchsetzen, dabei aber möglichst wenig mit dem laufenden Verfahren belastet werden.

Ein wesentlicher Teil des Erfolgsmodells liegt nach Ansicht der Gründer nicht ausschliesslich in der juristischen Abwicklung. M&S habe früh erkannt, dass der Markt zwar über erhebliche rechtliche Expertise verfüge, viele Anbieter jedoch Schwierigkeiten hätten, ihre Leistung verständlich zu erklären und das notwendige Vertrauen bei potenziellen Kunden aufzubauen.

Hohe Verluste bei Online-Anbietern sind ein sensibles Thema. Viele Betroffene empfinden Scham, sprechen nicht mit ihrem Umfeld darüber oder zweifeln daran, dass eine Rückforderung tatsächlich möglich ist. Hinzu kommt die Sorge vor weiteren Kosten und einem langwierigen Gerichtsverfahren.

M&S versucht, diese Hemmschwelle durch eine Kombination aus verständlicher Kommunikation, automatisierten Abläufen und einer stark auf Sichtbarkeit ausgerichteten Marketingstrategie zu senken. Das Unternehmen setzt dabei unter anderem auf Meta-, Google- und YouTube-Kampagnen sowie auf eigene Softwarelösungen zur Bearbeitung und Verwaltung der Fälle.

„Wir haben gesehen, dass juristisches Wissen allein nicht ausreicht“, sagt Malaiev. „Man muss den Menschen verständlich vermitteln, welche Möglichkeiten sie haben, und gleichzeitig einen Prozess schaffen, der für sie so einfach wie möglich funktioniert.“

Besonders auffällig ist der Einsatz prominenter Werbegesichter. Fussballstar Marko Arnautović, Schauspieler Robert Palfrader, Moderator Volker Piesczek und Fussballlegende Toni Polster oder Rapper Ali Bumaye sind dabei nur einige von zahlreichen bekannten Persönlichkeiten, die hinter der Marke M&S stehen.

Für ein Unternehmen aus der Prozessfinanzierungsbranche ist diese Form der Markenbildung ungewöhnlich. Während viele Wettbewerber ihre Kunden vor allem über Kanzleien, Suchmaschinen oder klassische juristische Kommunikation gewinnen, inszeniert M&S seine Dienstleistung bewusst als leicht zugängliches Verbraucherprodukt.

Die bekannten Gesichter sollen Aufmerksamkeit erzeugen, vor allem aber Vertrauen schaffen. Innerhalb kurzer Zeit gelang es dem Unternehmen damit, eine hohe Markenbekanntheit in einem zuvor wenig öffentlich wahrgenommenen Markt aufzubauen.

Mittlerweile beschränkt sich M&S nicht mehr ausschliesslich auf die Rückforderung von Verlusten bei nicht konzessionierten Online-Plattformen. Das Unternehmen finanziert auch Verfahren gegen Banken, in denen Verbraucher unzulässig oder rechtswidrig verrechnete Kreditbearbeitungsgebühren zurückfordern.

Ein weiteres wachsendes Geschäftsfeld betrifft Klagen gegen legal tätige Sportwettenanbieter. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere Fälle von Menschen, die aufgrund einer schweren Spielsucht zum Zeitpunkt ihrer Wetteinsätze möglicherweise nicht oder nur eingeschränkt geschäftsfähig waren.

Eine entscheidende Rolle spielen dabei psychiatrische Sachverständigengutachten. Diese sollen klären, ob die betroffene Person im relevanten Zeitraum aufgrund ihrer Suchterkrankung in ihrer Entscheidungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt war. Nach Angaben von M&S konnten auf dieser Grundlage bereits Millionenbeträge für spielsüchtige Sportwettenkunden rückgefordert werden. In den erfolgreich geführten Verfahren habe häufig ein positives psychiatrisches Sachverständigengutachten vorgelegen.

Die Bearbeitung solcher Fälle ist aufwendig. Neben umfangreichen Spiel- und Zahlungsdaten müssen häufig medizinische Unterlagen, persönliche Entwicklungen und das konkrete Wettverhalten über einen längeren Zeitraum rekonstruiert werden. Für die Gründer zeigt dieses Geschäftsfeld jedoch, dass sich das Modell der Prozessfinanzierung auch auf weitere komplexe Verbraucheransprüche übertragen lässt.

Der nächste grosse Wachstumsschritt soll M&S über die österreichischen Grenzen hinausführen. Die Gründer planen, ihr Geschäftsmodell auf den deutschen Markt auszuweiten und dort gemeinsam mit spezialisierten Kanzleien neue Finanzierungslösungen für Verbraucheransprüche anzubieten.

Deutschland bietet aufgrund seiner Grösse und Bevölkerungszahl ein erheblich grösseres Marktpotenzial. Gleichzeitig unterscheiden sich Rechtslage, Rechtsprechung und regulatorische Rahmenbedingungen teilweise deutlich von Österreich. Die Expansion soll daher schrittweise erfolgen und auf jene Anspruchsbereiche konzentriert werden, in denen eine belastbare rechtliche Grundlage und eine wirtschaftlich sinnvolle Durchsetzung möglich sind.

„Unser Ziel ist nicht, einfach möglichst viele Fälle zu übernehmen“, sagt Malaiev. „Wir wollen jene Bereiche identifizieren, in denen Verbraucher berechtigte Ansprüche haben, die sie ohne professionelle Finanzierung und spezialisierte rechtliche Unterstützung kaum durchsetzen könnten.“

Die in Österreich aufgebauten Systeme zur automatisierten Fallprüfung, Dokumentenverwaltung und Zusammenarbeit mit Partnerkanzleien sollen dabei als Grundlage für die Expansion dienen. Langfristig will sich M&S von einem österreichischen Spezialanbieter zu einem überregional tätigen Prozessfinanzierer für Verbraucherrechte entwickeln.

Zusätzliche Bewegung könnte eine geplante Reform des österreichischen Rechtsrahmens für Online-Geldspiele bringen. Diskutiert wird eine Öffnung des Marktes, durch die künftig mehrere Anbieter eine österreichische Lizenz erhalten könnten.

Sollten für die Erteilung einer solchen Lizenz unter anderem steuerliche Zuverlässigkeit, regulatorische Compliance und der Umgang mit rechtskräftigen österreichischen Entscheidungen berücksichtigt werden, könnte das den Druck auf bislang nicht zahlungsbereite Anbieter erhöhen.

In der Branche wird deshalb damit gerechnet, dass einzelne Unternehmen offene Forderungen und rechtskräftige Urteile begleichen könnten, um ihre Chancen auf einen zukünftigen Marktzugang nicht zu gefährden. Ob und in welcher konkreten Form diese Voraussetzungen tatsächlich gesetzlich verankert werden, hängt allerdings von der endgültigen Ausgestaltung der Reform ab.

Für Prozessfinanzierer könnte sich dadurch ein neues Zeitfenster öffnen: Forderungen, deren Durchsetzung bisher aufgrund ausländischer Unternehmensstrukturen schwierig war, könnten wieder an wirtschaftlicher Attraktivität gewinnen.

Eine Marktöffnung könnte langfristig dazu führen, dass in Österreich weniger neue Ansprüche gegen nicht konzessionierte Online-Anbieter entstehen. Gleichzeitig könnten bisher schwer einbringliche Forderungen leichter durchsetzbar werden. M&S bereitet sich deshalb nach eigenen Angaben bereits darauf vor, das Unternehmen breiter aufzustellen.

Die Finanzierung von Klagen gegen Banken, die Durchsetzung von Ansprüchen spielsüchtiger Sportwettenkunden und die geplante Expansion nach Deutschland sollen künftig zusätzliche Wachstumssäulen bilden. Die Gründer sehen ihr Unternehmen daher nicht mehr ausschliesslich als Finanzierer von Verfahren gegen Online-Anbieter, sondern zunehmend als Plattform für die Durchsetzung komplexer Verbraucheransprüche.

Aus einer Idee zweier Wiener Jungunternehmer ist damit innerhalb von drei Jahren ein Unternehmen mit mehr als 15 Mitarbeitern entstanden, das juristische Prozessfinanzierung mit automatisierten Abläufen, moderner Markenführung und offensiver Öffentlichkeitsarbeit verbindet. Mit mehr als 3.000 unterstützten Kunden, über 15 Mio. € an erfolgreich rückgeforderten Geldern und der geplanten Expansion nach Deutschland steht M&S nun vor dem nächsten Entwicklungsschritt.

Foto: beigestellt

Forbes Digital

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