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Künstliche Intelligenz soll Finanzabteilungen entlasten, Prozesse präziser machen und Mitarbeitenden mehr Raum für strategische Aufgaben geben. Doch gerade im Finanzbereich bleibt die zentrale Frage: Wie viel Vertrauen verdient die Technologie?
Finanzabteilungen können in Unternehmen schnell unübersichtlich werden. Berichte, Buchhaltung, Abstimmungen und interne Prozesse sind oft komplex – und genau hier werden KI-Plattformen zunehmend als Lösung positioniert. Sie sollen Probleme strukturieren, Reportings verbessern und Teams von repetitiven Aufgaben befreien. Gleichzeitig ist die Skepsis gross. Kann man KI-Systemen im Finanzbereich vertrauen? Was passiert, wenn sie Fehler machen? Und werden sie langfristig Arbeitsplätze ersetzen?
Toffer Grant, Gründer und CEO des Fintech-Unternehmens PEX, kennt diese Bedenken. Sein Unternehmen arbeitet mit mittelständischen Firmen und erlebt aus nächster Nähe, wo künstliche Intelligenz in Finanzabteilungen tatsächlich helfen kann – und wo Vorsicht geboten ist. Im Gespräch mit Forbes erklärt Grant, wie Unternehmen KI sinnvoll in ihre Finanzprozesse integrieren, Genauigkeitsbedenken adressieren und die Technologie als verlässlichen Partner für saubere Buchhaltung nutzen können. Der Einsatz von KI ist dabei nicht nur eine technische Frage, sondern auch eine organisatorische. Entscheidend ist, ob Unternehmen klare Prozesse schaffen, Ergebnisse kontrollieren und die Technologie dort einsetzen, wo sie messbaren Mehrwert liefert.
Konjunktur: Inflation und höhere Tech-Preise
Für Konsumenten und die Wall Street war die vergangene Woche schwierig. Die Inflation in den USA ist im Mai weiter gestiegen und lag laut dem monatlichen Bericht des Bureau of Economic Analysis bei 3,4 %. Das ist der höchste Wert seit Oktober 2023. Auch der Preisindex für private Konsumausgaben – ohne die volatilen Bereiche Lebensmittel und Energie und damit eine von der US-Notenbank besonders beachtete Inflationskennzahl – lag 4,1 % über dem Vorjahreswert.
Besonders im Technologiesektor könnten die Preise weiter steigen. Grosse Hersteller kündigten zuletzt deutliche Erhöhungen an: Apples Laptops und iPads sollen mindestens 200 US-$ teurer werden, Microsoft hebt die Preise für neue Xbox-Konsolen um 100 bis 150 US-$ an. Als Grund wird die stark wachsende Nachfrage nach Speicherchips für künstliche Intelligenz genannt. Apple-CEO Tim Cook bezeichnete die Preiserhöhung Anfang des Monats als „unvermeidbar“. Nach der Ankündigung fiel die Apple-Aktie um mehr als 5 % und erholte sich nur langsam. Entscheidend wird laut Forbes-Senior-Contributor Peter Cohan sein, ob Konsumenten bereit sind, die höheren Preise zu akzeptieren. Microsofts Aktie konnte den Rückgang von 6 % nach der Preisankündigung zwar rasch aufholen. Auf der Konsumentenseite bleibt der Ausblick dennoch angespannt: Forbes-Senior-Contributor Paul Tassi verweist darauf, dass die Verkäufe der Xbox-Konsolen in diesem Monat auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen gefallen sind.
Recht: Supreme Court schützt Fed-Gouverneurin
Seit Beginn seiner zweiten Amtszeit versucht US-Präsident Donald Trump, mehr Einfluss auf die Federal Reserve zu gewinnen. In einer 5:4-Entscheidung blockierte der Supreme Court am Montag die Entlassung von Fed-Gouverneurin Lisa Cook, die vom früheren Präsidenten Joe Biden ernannt worden war. Trump hatte im vergangenen August versucht, Cook zu entlassen. Er warf ihr vor, bei der Beantragung einer privaten Hypothek falsche Angaben gemacht zu haben, um bessere Konditionen zu erhalten. Cook wurde nicht strafrechtlich angeklagt, weist ein Fehlverhalten zurück und war nach Abschluss der betreffenden Hypothek vom Senat bestätigt worden.
Cook focht ihre Entlassung vor Gericht an. Sie argumentierte, Gouverneure der Federal Reserve könnten nur „aus wichtigem Grund“ entlassen werden und sie habe keine angemessene Möglichkeit erhalten, sich zu verteidigen. Der Supreme Court entschied nun, dass Cook während des laufenden Verfahrens nicht aus dem Board entfernt werden darf. Die Entscheidung stützt sich auf die besondere Rolle der Federal Reserve in der Geldpolitik. Chief Justice John Roberts schrieb in der Mehrheitsmeinung, bereits die Gründer der Vereinigten Staaten hätten gewusst, dass schon der Verdacht einer Manipulation der Währung Chaos auslösen könne. Geldpolitik dürfe daher nicht politischer Einflussnahme unterliegen.
Trump kündigte auf Truth Social an, weiter nach einem Weg zu suchen, Cook zu entlassen. Er bezeichnete die Niederlage vor Gericht als Entscheidung auf „streng verfahrensrechtlicher Grundlage“. Bill Pulte, Direktor der Federal Housing Finance Agency, der die Vorwürfe gegen Cook ursprünglich erhoben hatte, schrieb auf X, er gehe davon aus, dass Cook letztlich wegen Hypothekenbetrugs angeklagt werde. Während die obersten Finanzregulierer der USA damit offenbar vor willkürlichen Entlassungen geschützt bleiben, entschied der Supreme Court am selben Tag in einem weiteren Fall anders: Mitglieder anderer traditionell unabhängiger Regulierungsbehörden können demnach vom Präsidenten auch ohne wichtigen Grund abberufen werden – selbst dann, wenn der Kongress in der Gründungsgesetzgebung Schutz vor Entlassungen vorgesehen hatte. Der Fall wurde von einem entlassenen Mitglied der Federal Trade Commission eingebracht. Die Entscheidung betrifft auch Behörden wie das National Labor Relations Board, das Merit Systems Protection Board, das Consumer Financial Protection Bureau, die Federal Communications Commission, die Securities and Exchange Commission und die Federal Energy Regulatory Commission.
Bewertungen: Wie KI-Start-ups Milliardenwerte erreichen
Globale Investoren ringen derzeit mit der Frage, wie KI-Unternehmen angemessen bewertet werden sollen. Die Technologie gilt als potenziell marktverändernd, das Interesse an der Branche ist entsprechend hoch. Viele Firmen erzielen bereits enorme Bewertungen – getrieben nicht nur von Substanz, sondern auch von der Begeisterung der Kapitalgeber.
Einige junge KI-Unternehmen, teils noch ohne konkrete Produktpläne, nutzen die Dynamik rund um die Technologie, um besonders hohe Bewertungen zu erzielen. Forbes-Autoren Rashi Shrivastava und Iain Martin berichten, dass diese Firmen häufig mit Finanzierungstranchen arbeiten: Zunächst wird Kapital zu einer niedrigeren Bewertung aufgenommen, kurz darauf folgt eine weitere Runde zu einem deutlich höheren Unternehmenswert. Besonders häufig sei dieses Muster bei sogenannten Neolabs zu beobachten. Diese konzentrieren sich zunächst stärker auf Forschung als auf marktreife Produkte. Dadurch benötigen sie bereits früh grössere Kapitalmengen, bevor überhaupt klar ist, welche konkreten Angebote daraus entstehen. Hohe Bewertungen können für Risikokapitalgeber bessere Konditionen schaffen. Start-ups wirken zugleich attraktiver auf neue Investoren und Top-Talente – auch wenn es lange dauern kann, bis Mitarbeiterbeteiligungen tatsächlich werthaltig werden.
„In einem Markt, in dem Fundraising von Stimmungen lebt, ist eine Milliarden-Schlagzeile deutlich mehr wert als eine präzise Bewertung“, sagte Jaya Gupta, Partnerin bei Foundation Capital, gegenüber Forbes.
Text: Megan Poinski
Foto: Jackson Sophat