Was die Fusion von Paramount und Warner Bros. für Larry Ellisons Vermögen bedeutet

Larry Ellison will mit einem 111-Mrd.-US-$-Deal Warner Bros. Discovery übernehmen und damit ein neues Medienimperium formen. Doch Paramount verfügt nur über 3 Mrd. US-$ Cash – der Grossteil der Finanzierung hängt an verpfändeten Oracle-Aktien und milliardenschweren Schulden. Was bedeutet das für Ellisons Vermögen, Oracle-Aktionäre und den Medienmarkt?

Sollten die Behörden zustimmen, könnte eine der grössten Fusionen der Geschichte dem Milliardär Larry Ellison und seinem Sohn David erheblichen Einfluss auf die US-Medienlandschaft verschaffen: CBS und CNN unter einem Dach, HBO Max und Paramount+, Warner Bros. und Paramount Pictures im selben Konzern. Hinzu käme das bestehende Technologie- und Immobilienimperium des Oracle-Mitgründers, der als sechstreichster Mensch der Welt gilt.

Im vergangenen August übernahmen die Ellisons Paramount im Rahmen einer 8-Mrd.-US-$-Fusion mit Skydance, dem von David Ellison geführten und mehrheitlich Larry Ellison gehörenden Filmstudio. Wenige Wochen später unterbreitete Paramount Skydance ein feindliches Übernahmeangebot über 111 Mrd. US-$ für Warner Bros. Discovery, das zuvor einer Übernahme durch Netflix zugestimmt hatte. Netflix verzichtete auf ein Gegenangebot. Der Verwaltungsrat von Warner bewertete das Angebot von Paramount als überlegen. Damit steht die von den Ellisons kontrollierte Gesellschaft in Pole-Position, ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von rund 70 Mrd. US-$ für einen dreistelligen Milliardenbetrag zu übernehmen.

Das Problem: Paramount verfügt laut Bilanz über lediglich 3 Mrd. US-$ an liquiden Mitteln.

Zur Finanzierung stellen drei Grossbanken 57,5 Mrd. US-$ an Fremdkapital bereit. Der Grossteil des verbleibenden Betrags – eine Eigenkapitalzusage über 45,7 Mrd. US-$ – soll aus Larry Ellisons Trust kommen. Hier wird die Rechnung anspruchsvoll. Ellison hat in diesem Jahrhundert Oracle-Aktien im Wert von nur 4,7 Mrd. US-$ (vor Steuern) verkauft. Forbes schätzt, dass er weniger als 10 Mrd. US-$ an liquiden Mitteln besitzt, überwiegend aus Oracle-Dividenden. Zusätzlich hält er Tesla-Aktien im Wert von rund 15 Mrd. US-$, die er während seiner Zeit als Tesla-Direktor erworben hat. Selbst ein vollständiger Verkauf dieser Beteiligung würde seine Verpflichtung nicht vollständig decken.

Damit bleibt der grösste Hebel: Oracle-Aktien.

Ellison besitzt 1,16 Mrd. Oracle-Aktien mit einem aktuellen Wert von rund 164 Mrd. US-$. Ein signifikanter Verkauf könnte jedoch Oracle-Aktionäre verunsichern, insbesondere angesichts der hohen Verschuldung und der steigenden Investitionen in KI-Rechenzentren. Grössere Insiderverkäufe wirken häufig belastend auf den Aktienkurs.

Laut einer regulatorischen Meldung vom September hatte Ellison 346 Mio. Oracle-Aktien verpfändet, um „externe persönliche Geschäftsaktivitäten“ zu finanzieren. Diese waren damals über 100 Mrd. US-$ wert, aktuell rund 50 Mrd. US-$. Selbst auf Basis des niedrigeren Werts würde dies ausreichen, um seine Eigenkapitalzusage abzudecken – ohne einen direkten Verkauf von Aktien auszulösen.

Für den 81-jährigen Tech-Gründer, der sich zeitweise aus dem operativen Geschäft zurückzog, erscheint der Schritt zum Medienmogul überraschend. Ellison gilt jedoch seit Jahrzehnten als strategisch unberechenbar. „Wir sind immer gegen Konventionen vorgegangen“, sagte er 1993 zu Forbes. „Konvention ist wie Schachspielen mit Schwarz und immer nur die Züge von Weiss zu kopieren.“

Sollte die Transaktion genehmigt werden, würde der neue Konzern Wettbewerber in den Bereichen Nachrichten, Film, Streaming und Kinderprogramm zusammenführen. In der Regel würde ein solcher Zusammenschluss eine intensive kartellrechtliche Prüfung durch das Justizministerium und die Federal Communications Commission nach sich ziehen. Beobachter verweisen jedoch auf Ellisons gute Beziehungen zur Trump-Administration, die regulatorische Hürden beeinflussen könnten.

Das Mediengeschäft wäre dann nur ein Baustein eines weitreichenden Imperiums. Ellison hält über 40 % an Oracle, das wiederum 15 % an der US-Einheit von TikTok besitzt. Hinzu kommt ein Immobilienportfolio im Wert von rund 3 Mrd. US-$, darunter Immobilien in Florida im Wert von 500 Mio. US-$ sowie die hawaiianische Insel Lanai. Zudem besitzt er eine Beteiligung von rund 2 Mrd. US-$ an der fusionierten SpaceX-xAI-Gesellschaft von Elon Musk.

Der Warner-Deal würde alle bisherigen Akquisitionen übertreffen. Oracle hat mehr als 150 Unternehmen übernommen, viele davon fremdfinanziert. Der bislang grösste Zukauf war 2022 der Erwerb des Gesundheits-IT-Unternehmens Cerner für 28 Mrd. US-$ – im Vergleich zu 111 Mrd. US-$ deutlich kleiner.

Die Transaktion könnte Ellisons Einfluss erheblich ausweiten, birgt jedoch finanzielle Risiken. Sollten grössere Aktienverkäufe erforderlich sein, könnte dies kurzfristig sein Vermögen belasten. Historisch reagierte der Markt auf grosse Übernahmen von Oracle – etwa Cerner, NetSuite 2016 oder PeopleSoft 2005 – zunächst zurückhaltend, bevor sich langfristig positive Effekte einstellten. Die Paramount-Aktie verlor nach der Übernahme durch die Ellisons zeitweise die Hälfte ihres Werts, stieg jedoch um rund 20 % nach Bekanntwerden des Warner-Angebots, was Ellisons Vermögen um etwa 1,8 Mrd. US-$ erhöhte. Selbst wenn Paramount ein Unternehmen übernimmt, das mehr als fünfmal so gross ist wie es selbst, wird es Zeit benötigen, die hohe Verschuldung abzubauen und die Marktbewertung entsprechend anzupassen.

Text: Phoebe Liu
Foto: Wikimedia Commons

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