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Vom historischen Widder Hotel in Zürich bis hin zum alpinen Design Resort Bergwelt Grindelwald: Die Häuser von The Living Circle haben ihre eigene Identität. Dazu kommen Reis vom eigenen Feld, Wein aus eigenen Rebbergen und Produkte der eigenen Höfe für die Hotelküchen. So verbindet die Gruppe Landwirtschaft und Luxushotellerie – getreu dem Motto «Luxury fed by nature». CEO Marco Zanolari erklärt, welchen Wert diese Verbindung schafft und wie er die Gruppe weiterentwickeln will.
Alte Holzbalken und Wandmalereien treffen auf moderne Designmöbel, mittelalterliche Bausubstanz trifft auf zeitgenössischen Komfort: Im Herzen der Zürcher Altstadt gehört das Widder Hotel zu den Aushängeschildern der Luxushotellerie. Wer hier eincheckt, findet einen Rückzugsort mitten im geschäftigen Stadtleben – ob nach Geschäftsterminen am Paradeplatz, einem Bummel durch die Boutiquen an der Bahnhofstrasse oder einem Besuch der Galerien in der Altstadt. Rund 135 Kilometer weiter südlich prägen warme Fassaden, Arkadengänge und begrünte Innenhöfe das Castello del Sole in Ascona – eingebettet in einem weitläufigen Park am Lago Maggiore empfängt das Haus seine Gäste mit mediterranem Flair. Was auf den ersten Blick wie zwei unterschiedliche Welten wirkt, gehört zu ein und derselben Hotelgruppe: The Living Circle.
Neben dem Widder Hotel und dem Castello del Sole gehören vier weitere Häuser dazu: Das traditionsreiche Luxushotel Storchen direkt an der Zürcher Limmat, das Alex Lake Zürich mit seiner unmittelbaren Seelage in Thalwil sowie das Landschloss mit Biohof Château de Raymontpierre im Jura – und seit Neuestem erweitert das alpine Design Resort Bergwelt Grindelwald im Berner Oberland das Portfolio. Hinzu kommen Restaurants wie das Buech in Herrliberg und eine enge Partnerschaft mit der Caminada Group rund um Spitzenkoch Andreas Caminada: Gemeinsam erwarben die beiden Unternehmen das Schloss Schauenstein und weitere von Caminada genutzte Liegenschaften im bündnerischen Fürstenau. The Living Circle beteiligte sich ausserdem als Minderheitsaktionär an der Caminada Group.
CEO Marco Zanolari sieht gerade in der Eigenständigkeit der Häuser ihre gemeinsame Stärke: «Wir suchen Orte mit einer unverwechselbaren Identität. Entscheidend ist, dass unsere Gäste spüren, wo sie sind, und eine persönliche Verbindung zu diesem Ort entwickeln.» Der Ansatz geht auf: 2017 gegründet und im Besitz der Schweizer Familien Anda und Franz-Bührle beschäftigt die Gruppe mittlerweile rund 750 Mitarbeitende, während der sommerlichen Hauptsaison sind es gar über 800 Menschen aus 60 Nationen.
Auch andere Zahlen zeigen, dass das Konzept den Nagel auf den Kopf trifft: Eine Befragung von mehr als 500 vermögenden US-Reisenden im «Luxury Travel Report 2025» zeigt, dass sich 89 % der Befragten wünschen, dass Hotels den Charakter ihres Standorts widerspiegeln – fast drei Viertel geben an, für austauschbar wirkende Luxusunterkünfte nicht bezahlen zu wollen.
Wie unterschiedlich Gäste und ihre Erwartungen sein können, hat Zanolari während seiner internationalen Laufbahn erlebt. Viele Jahre arbeitete er für die Luxus-Hotelgruppe Four Seasons mit Stationen unter anderem auf Maui, in Beverly Hills und Miami sowie in Doha, Thailand und China. Später führte er das Grand Resort Bad Ragaz in der Ostschweiz durch grosse Renovationen und einen Kulturwandel. Sein Erfolgsrezept: «Entscheidend ist, Menschen mit unterschiedlichen Stärken zusammenzubringen, die sich ergänzen und eine gemeinsame Richtung mittragen.» Für The Living Circle bedeutet das für ihn: «Orientierung geben, Vertrauen schaffen und unseren Gastgebern Raum für Eigenverantwortung lassen.» Oder, wie er es kurz und knackig auf den Punkt bringt: «People, Product, Profit.» «Wenn diese drei in Konflikt geraten, braucht es ein starkes Team und klare Prioritäten. Die Basis sind Vertrauen und gegenseitiger Respekt. So können wir offen diskutieren und Entscheidungen treffen, die unsere Mitarbeitenden, das Gästeerlebnis und den wirtschaftlichen Erfolg zusammenbringen.»
Was die Gruppe zusätzlich auszeichnet, ist die Verbindung von Hotellerie, Gastronomie und eigener Landwirtschaft. Der Bauernhof Schlattgut in Herrliberg oberhalb des Zürichsees beliefert mit seinen Produkten beispielsweise unter anderem die Küchen der Zürcher Häuser. Im Tessin bewirtschaftet die Gruppe mit den Terreni alla Maggia landwirtschaftliche Flächen bei Ascona: Hier wachsen unter anderem Reis, Gemüse und Früchte. Die Cantina alla Maggia ist der zugehörige Weinbaubetrieb, der Trauben aus den eigenen Rebbergen zu Wein verarbeitet. Ergänzt werden diese Betriebe durch den Biohof nahe des Château de Raymontpierre im Jura. Was auf den Feldern und in den Rebbergen entsteht, findet seinen Weg schliesslich auf die Teller und in die Gläser der Hotelgäste. «Persönlich wird diese Herkunft durch unsere Mitarbeitenden – sie erzählen, wo der Reis wächst und welche Menschen hinter den Produkten stehen», sagt Marco Zanolari und führt weiter aus: «So wird ‹Luxury fed by nature› für unsere Gäste erlebbar – auf dem Teller, im Gespräch und beim Entdecken der Umgebung.»
Die Verbindung zur Landwirtschaft soll auch wirtschaftlich einen Mehrwert schaffen: Die eigenen Produkte geben den Küchen ein besonderes Profil und den Gästen einen zusätzlichen Grund, sich für die Häuser der Gruppe zu entscheiden. Gleichzeitig müssen sich die Höfe und Rebberge als Betriebe behaupten: «Wirtschaftlich zählen die Erträge, die Produktionskosten und die notwendigen Investitionen», erläutert Zanolari. «Als CEO betrachte ich beides: die Wirtschaftlichkeit der Betriebe und ihren Beitrag zu The Living Circle.» Das Konzept hat aber seine Grenzen: Die eigenen Betriebe können den Bedarf der Hotels und Restaurants nicht vollständig decken. «Wir ergänzen das Angebot deshalb mit Produkten weiterer Lieferanten. Entscheidend sind Qualität und Transparenz: Wir legen offen, was aus unseren eigenen Betrieben stammt und was wir zukaufen», so Zanolari. Für die Köche entsteht daraus ein Zusammenspiel aus saisonalen Vorgaben der eigenen Landwirtschaft und ergänzenden Produkten.
Beim weiteren Wachstum steht die Frage im Mittelpunkt, welche Häuser zur Gruppe passen. «Wir haben verschiedene Orte in der Schweiz im Blick, die wir näher prüfen», sagt Zanolari. Neben der Lage zählen für ihn das Haus selbst, die Menschen und die Energie, die ein Ort ausstrahlt. Die Gruppe setzt auf organisches Wachstum mit einem klaren Fokus auf Integration. «Neue Häuser sollen unser Ökosystem bereichern, ohne es zu überlasten. Entscheidend ist für uns, dass sie sorgfältig in die Gruppe hineinwachsen können – Ziel ist es nicht, möglichst viele Häuser hinzuzufügen.» Für die Integration setzt Zanolari auf die Erfahrung der Gastgeber vor Ort: «Kommt ein neues Haus dazu, hören wir zunächst zu, verstehen seine Stärken und bauen gemeinsam darauf auf.» Gemeinsame Werte und der Austausch zwischen den Betrieben sollen den Qualitätsanspruch sichern und zugleich die Eigenständigkeit der Häuser erhalten.
Die familiäre Eigentümerschaft gibt der Gruppe dafür einen langfristigen Planungshorizont. «Für mich bedeutet das, über die nächste Saison hinauszudenken: Welche Investitionen stärken ein Haus dauerhaft? Wie entwickeln wir unsere Mitarbeitenden? Und wie erhalten wir die Besonderheiten dieser Orte für kommende Generationen?», nennt Zanolari zentrale Fragen. Die Antworten mögen im Widder Hotel anders aussehen als im Castello del Sole am Lago Maggiore; auch bei künftigen Häusern wird die Gruppe jeweils eigene Lösungen finden müssen. Eines steht für Zanolari jedoch fest: «Wir bewahren, was ein Haus unverwechselbar macht, und entwickeln es mit dem Anspruch weiter, dass sich unsere Gäste heute darin wohlfühlen.»
Text: Redaktion Forbes Swiss | Fotos: The Living Circle