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Mit der Axovia AG mischt Gründerin und CEO Gentiana Ahmeti eine alteingesessene Branche auf: Als selbst ernannte «Immofluencerin» zeigt sie ihrer Community auf Social Media Immobilien, bevor diese auf den klassischen Portalen erscheinen, und macht aus statischen Inseraten digitale Erlebnisse – mit Erfolg. Nun setzt sie zum
nächsten Coup an.
Die Sonne scheint an diesem Tag von einem strahlend blauen Himmel, vereinzelt summen Bienen von Blüte zu Blüte. Mitten im Garten sitzt Gentiana Ahmeti an einem ausladenden Holztisch, das Handy in der Hand, und hält ein paar Eindrücke fest.
Das ist kein ungewöhnlicher Anblick: Die Gründerin und CEO des Immobilienunternehmens Axovia AG ist stark auf Social Media präsent. Dort vermarktet sie als selbst ernannte «Immofluencerin» Immobilien und vermittelt ihrer Community zugleich Wissen rund um Kauf, Verkauf und Finanzierung von Wohneigentum. Ihre Reels erzielen dabei regelmässig Aufrufe im fünfstelligen Bereich. «Interessenten wollen heute mehr sehen. Nur mit Bildern Emotionen zu wecken ist schwierig – mit einem Video bekommt man viel eher ein Gefühl für die Immobilie», erzählt Ahmeti.
Wer ihr auf Instagram oder Tiktok folgt, erhält Zugang zu den Objekten, noch bevor diese auf den grossen Immobilienportalen landen, und das kommt nicht nur bei den Käufern an: «Viele Eigentümer finden genau diese Art der Vermarktung spannend. Sie sehen, wie ich Immobilien präsentiere, und kommen dann mit ihren eigenen Objekten auf mich zu», so Ahmeti.
Dass Social Media im Maklergeschäft an Bedeutung gewinnen, zeigt auch der Blick ins Ausland: In einer US-Branchenumfrage der National Association of Realtors gaben 75 % der Befragten an, Social Media beruflich zu nutzen. «Ich bin nicht die Einzige, die Immobilienvideos macht», weiss auch Ahmeti. «Aber ich versuche, die Objekte auf eine eigene Art zu präsentieren – mit hoher Qualität, Exklusivität und einer Vermarktung, die zu genau dieser Immobilie passt.»
Gentiana Ahmeti interessierte sich schon früh für Immobilien. Nach ihrer kaufmännischen Ausbildung sammelte sie Erfahrungen in einer der grössten Immobilienverwaltungen der Schweiz. Während der Coronapandemie veränderte sich durch die Geburt ihres Kindes ihre Perspektive auf Arbeit jedoch grundlegend – Ahmeti wollte flexibler aufgestellt sein, gleichzeitig aber nicht ihren Beruf aufgeben. Statt in ein Teilzeitpensum zurückzukehren, entschied sie sich schliesslich für die Selbstständigkeit.
Die ersten Kunden gewann sie über Kaltakquise per Telefon. «Von hundert Telefonaten waren anfangs nur sehr wenige erfolgreich», sagt sie und fährt fort: «Die Formel für Erfolg ist eigentlich ganz simpel und langweilig: Du musst einfach dranbleiben.» Einige Zeit später investierte sie in ihr erstes Video für Social Media – es ging viral. Aus dem Experiment wurde eine Strategie: Heute produziert Ahmeti mit ihrem Team regelmässig Inhalte für Instagram und Tiktok – die Kanäle, über die sie die meisten Immobilien an den Käufer bringt.
Die Formel für Erfolg ist eigentlich ganz simpel: Du musst einfach dranbleiben.
Gentiana Ahmeti
Ihre Kundschaft reicht dabei vom Besitzer einer Villa bis zu Menschen, die jahrzehntelang für die eigene Wohnung gespart haben. Ebenso breit ist das Angebot: Aktuell finden sich bei der Axovia AG Wohnungen, Häuser und Mehrfamilienhäuser in der Deutschschweiz. Hinzu kommen grössere Neubauprojekte, bei denen die einzelnen Einheiten bereits ab Plan verkauft werden. Insgesamt hat Ahmeti nach eigenen Angaben rund 60 Einheiten im Verkauf oder in der Pipeline.
Der Markt, in dem Ahmeti agiert, bleibt jedoch angespannt. 2025 stiegen die Preise für Wohneigentum in der Schweiz im Jahresdurchschnitt um 4,6 %. Gleichzeitig blieb Wohnraum knapp: Nur 1 % der Wohnungen in der Schweiz standen leer. Für Käufer bedeutet das: Attraktive Objekte sind oft schnell vergeben und ein früher Zugang wird zum Vorteil. Ahmeti bestätigt: «Das Einfamilienhaus mit Garten ist immer noch der Traum vieler Menschen; gleichzeitig ist das Angebot auf den Onlineplattformen sehr knapp. Viele Objekte sind deshalb sehr schnell weg.»
Was auf Social Media landet, beginnt bei Ahmeti allerdings lange vor dem ersten Video. Wird sie von einem Eigentümer beauftragt, analysiert sie zunächst die Immobilie und definiert die Zielgruppe: Wer könnte hier wohnen? Wie ist die Mikro- und Makrolage? Wie verhalten sich Angebot und Nachfrage? Daraus entwickelt sie die Vermarktungsstrategie. «Je genauer du bist, desto schneller findest du den Käufer», sagt Ahmeti. Erst danach geht es in die Produktion. Doch nicht jedes Objekt landet automatisch auf Social Media: Gerade bei Erbschaften, Todesfällen oder Trennungen steht bei Ahmeti zunächst die persönliche Situation der Eigentümer im Vordergrund.
Derzeit arbeitet sie an Kooperationen mit grösseren, teils internationalen Marken. Details verrät sie noch nicht, nur so viel: «Eine Kooperation muss sich stets mit Immobilien verknüpfen lassen. Wir machen nicht einfach Werbung für irgendein Produkt.» Und sie führt weiter aus: «Mein Unternehmen wird wachsen – Schritt für Schritt.» Ihr Ansatz bleibt dabei derselbe: klassische Immobilienvermittlung mit neuen Zugängen zu verbinden – und eine alteingesessene Branche ein Stück weit neu zu denken.
Foto: Salvatore Vinci