Rollenwechsel

Lubomila Jordanova baute mit Plan A ein Unternehmen auf, das Firmen dabei hilft, ihre Emissionen messbar zu machen und zu reduzieren. Anfang 2026 verkaufte sie das Geschäft an das börsenkotierte britische Unternehmen Diginex und übernahm kurz darauf als CEO die Führung der Gruppe. Sieben Monate später folgt nun der nächste Rollenwechsel. Ein Gespräch über Unternehmertum in einer Branche zwischen Wirkung und Widerstand – und über die Frage, wann es Zeit ist, die eigene Rolle neu zu definieren.

Mehr als 200 Jahre botanische Geschichte liegen zwischen den Wegen, Gewächshäusern und alten Baumbeständen des Botanischen Gartens in Genf. Zwischen Bäumen und Beeten posiert Lubomila Jordanova für den Fotografen. «Ich habe in vielen Grossstädten in Europa und Asien gelebt, aber zum ersten Mal habe ich eine echte Balance gefunden – und die liegt für mich nicht im Trubel der Stadt, sondern in der Nähe zur Natur», ­erzählt sie. Seit Kurzem wohnt sie mit ihrer Familie in der Schweiz nahe Lausanne – viel Ruhe bleibt ihr allerdings nicht: Als wir Jordanova Mitte Juli treffen, steht sie seit knapp einem halben Jahr an der Spitze von Diginex und ist beruflich ständig unterwegs. «Da Diginex in Paris, London, Berlin, Genf, Kopenhagen und Hongkong tätig ist, sind bewusst etablierte operative Routinen entscheidend, um über Ländergrenzen hinweg als einheit­liches Team zusammenzuarbeiten», sagt sie im Gespräch mit Forbes Swiss.

Das an der Nasdaq kotierte Technologieunter­nehmen bietet Plattformen für ESG-Bericht­erstattung, CO2-Bilanzierung und die Überwachung von Menschenrechten in der Lieferkette an. Unternehmen können mit Diginex’ Hilfe Daten erfassen, auswerten und für regulatorische Berichte sowie strategische Entscheidungen nutzen. Mit den Übernahmen des dänischen ESG-Daten­anbieters Matter 2025 und von The Remedy Project, einer auf Menschenrechte und Lieferketten-Sorgfalt spezialisierten Beratung, sowie der von Jordanova gegründeten Nachhaltigkeitsplattform Plan A im Januar 2026 hat Diginex sein Angebot innerhalb kurzer Zeit deutlich erweitert. Im August folgte der nächste grosse Schritt: Diginex unterzeichnete eine Vereinbarung zur Übernahme für Resulticks, einen in Singapur ansässigen Anbieter KI-gestützter Lösungen für Kundeninteraktion.

Derzeit beschäftigt die Gruppe 114 Mitarbeitende und erzielte im Geschäftsjahr 2026 einen Umsatz von 3,6 Mio. US-$ (2,9 Mio. CHF), schrieb zugleich aber einen Nettoverlust von 31,1 Mio. US-$. Ein Schwerpunkt lag auf der Integration der neu übernommenen Plattformen, um Produkte, Vertrieb und operative Strukturen stärker zusammen­zuführen. Zu den Kunden zählen unter anderem die britische Grossbank HSBC, der deutsche Automobilkonzern BMW, der US-Zahlungsdienstleister Visa, die Deutsche Bank sowie Decathlon.

Jordanova selbst rückte Anfang 2026 an die Spitze von Diginex. Nach der Übernahme von Plan A ernannte der Verwaltungsrat sie nur zwei Wochen später zur CEO. Der Schritt war dabei eng mit der Aufgabe verbunden, die zuvor übernommenen Unternehmen stärker zusammenzuführen und aus den verschiedenen Produkten und Teams eine gemeinsame Technologie­plattform zu formen.

Nach sieben Monaten entschied sich Jordanova nun, ihren CEO-Posten abzugeben und sich neuen Projekten im Bereich Nachhaltigkeit zu widmen. Zuvor hatte die gebürtige Bulgarin Plan A seit der Gründung 2017 zu einer der führenden europäischen Plattformen für CO2-Bilanzierung und Dekarbonisierung aufgebaut. Mehr als 2.000 Unternehmen weltweit nutzen die Lösungen des Climate-Tech-Unternehmens, darunter BMW, das Mode­label Chloé oder der Münchner Personal­dienstleister Personio sowie der Deutsche ­Fussball-Bund (DFB). Standorte hat Plan A unter anderem in Berlin, Paris, London, Sofia und München.

Zusätzlich gründete Jordanova 2020 gemeinsam mit Hannah Kromminga, Mitgründerin des Berliner ­Gifting- und Influencer-Marketing-Start-ups Giftd, dem niederländischen Unternehmer und späteren Plan-A-Manager Jan-Jaap Verhoeve sowie dem Unternehmer Simon Thies die «Greentech Alliance». «Beim Aufbau von Plan A wurden systemische Hürden im Markt sichtbar: Der Sektor war so neu, dass es schlicht keine gezielten Ressourcen für die Skalierung gab. Wir haben die Greentech Alliance gegründet, um genau diese Barrieren abzubauen und Gründer mit Hunderten ausgewählten Beratern und Investoren zu vernetzen, damit aus frühen Climate-Tech-Ideen skalierbare Unternehmen werden können», sagt Jordanova. Heute verbindet die Greentech Alliance Tausende Unternehmen und Start-ups mit einem weltweiten Netzwerk aus Experten und Investoren. Jordanova: «Klimaschutz ist kein Nullsummenspiel. Im Greentech-Bereich beschleunigt der Erfolg anderer den syste­mischen Fortschritt. Wir brauchen ein dichtes Ökosystem unterschiedlicher Lösungen, um tatsächlich Wirkung zu erzielen.»

Ihr Engagement brachte ihr früh Aufmerksamkeit ein – Forbes nahm Jordanova in die 30 Under 30 Europe-Liste auf, das MIT zeichnete sie als «Innovator Under 35 Europe» aus; zudem wurde sie in das «Leaders Europe»-Programm der Obama Foundation aufgenommen und vom Handelsblatt unter die «Top 50 Women Entrepreneurs» Deutschlands gewählt. Noch dazu ist Jordanova Global Top Voice von Linkedin und wurde Marshall Memorial Fellow; Teil eines transatlantischen Leadership-Programms des German Marshall Fund für aufstrebende Führungskräfte aus Europa und Nord­amerika. «Ich sehe Auszeichnungen nicht als persönliche Meilensteine, sondern als Plattformen, um anderen den Weg zu ebnen und ambitionierte Communities zusammenzubringen, die gemeinsam Wirkung erzielen», so Jordanova. «Diese Netzwerke bringen Führungs­persönlichkeiten zusammen, die gesellschaftlichen ­Fortschritt vorantreiben und zugleich die Standards in der Wirtschaft weiterentwickeln wollen.»

Heute müssen Nachhaltigkeits­initiativen einem strengen Business-Case-Test standhalten: Jede Investition braucht einen klaren Zusammenhang mit messbaren finanziellen Erträgen und wirt­schaftlichem Nutzen

Lubomila Jordanova

Insgesamt bewegt sich die Unternehmerin in einer Branche, um die es derzeit generell etwas still geworden ist. Erwähnten Ende 2021 noch 155 Unternehmen aus dem S&P 500 den Begriff ESG in ihren Quartals­konferenzen, waren es Ende 2023 gerade einmal 29. Eine internationale Befragung des Klimaberaters South Pole unter mehr als 1.400 Unternehmen zeigte zugleich, dass in neun von 14 untersuchten Branchen die Mehrheit ihre Klimakommunikation bewusst zurückfährt – ein Phänomen, das inzwischen als «Greenhushing» bezeichnet wird. 44 % der Befragten gaben an, es sei schwieriger geworden, öffentlich über Klimaschutz zu sprechen.

Auch am Kapitalmarkt hat sich die Stimmung gedreht: 2025 flossen laut Morningstar weltweit netto 84 Mrd. US-$ aus nachhaltigen Fonds ab – nach Zu­flüssen von 38 Mrd. US-$ im Jahr zuvor. Gleichzeitig verabschiedeten sich grosse Finanzhäuser aus Klimabündnissen: Anfang 2025 hatten sämtliche grosse US-Banken die Net-Zero Banking Alliance verlassen, im August folgte auch die UBS. Die Schweizer Grossbank erklärte zugleich, ihre Nachhaltigkeitsstrategie unverändert weiterzuverfolgen.

Jordanova beobachtet dieselbe Verschiebung auch bei den Unternehmen, mit denen Diginex arbeitet: «Ich habe kürzlich mit einem Schweizer Unternehmen gesprochen, das sein Nachhaltigkeitsbudget verdoppelt und sich gleichzeitig bewusst dafür entschieden hat, die Umsetzung nicht öffentlich zu kommunizieren. Das finanzielle Commitment ist weiterhin hoch, aber die Kommunikationsstrategie hat sich grundlegend ver­ändert», so die Plan-A-Gründerin.

Auch den politischen Gegenwind spürt sie: «Der politische Gegenwind gegen Nachhaltigkeit und ESG in den USA prägt den globalen Diskurs. Europa arbeitet hingegen mit langfristigen regulatorischen Verpflichtungen, die den Markt bereits grundlegend verändert haben. Globale Unternehmen müssen beides aufmerksam verfolgen.» Für Jordanova verändert sich damit vor allem die Begründung von Nachhaltigkeit: «Heute müssen Nachhaltigkeitsinitiativen einem strengen ­Business-Case-Test standhalten: Jede Investition braucht einen klaren Zusammenhang mit messbaren finanziellen Erträgen und wirtschaftlichem Nutzen.»

Dass Nachhaltigkeit wirtschaftlichen Wert schaffen kann, zeigen Untersuchungen: Eine gemeinsame Analyse von McKinsey und Nielsen IQ, einem internationalen Marktforschungsunternehmen für Konsum- und Einzelhandelsdaten, zeigte, dass Produkte mit ESG-bezogenen Aussagen zwischen 2017 und 2022 ein kumuliertes Wachstum von 28 % verzeichneten – gegenüber 20 % bei Produkten ohne solche Aussagen. Und eine Metaanalyse von mehr als 300 Studien im Rahmen von «Project ROI» kam zu dem Ergebnis, dass gut geführte Nachhaltigkeits- und Corporate-Responsibility-Programme über 15 Jahre im Durchschnitt bis zu 1,28 Mrd. US-$ zusätzlichen Shareholder Value schaffen können.

Nur wenige Tage nach der Geburt habe ich bereits wieder gepitcht, um die Deadline für den Exit einzuhalten.

Lubomila Jordanova

Lubomila Jordanova wurde in Bulgarien geboren, der Vater Ingenieur, die Mutter Ingenieurin – ihre Mutter Sasha Bezuhanova machte sich in der bulgarischen Tech-Branche einen Namen und wurde später auch für Jordanovas eigenen unternehmerischen Weg wichtig. «Ich komme aus einer Unternehmerfamilie, aber das grösste Vermächtnis meiner Eltern ist nicht ihr geschäftliches Wissen, sondern ein starkes Werte­fundament: Vertrauen, Verantwortung, Gemeinschaft und ­Disziplin», sagt Jordanova. Besonders ihre Mutter hat sie geprägt: «Sie ist meine beste Freundin, meine Mutter und manchmal auch Geschäftspartnerin – und sie war ausserdem die erste Person, die in Plan A investiert hat.» Mit 17 verliess Jordanova ihr Heimatland, um im Ausland zu studieren. Sie besuchte unter anderem die Aston University in Birmingham, die Esade Business School in Barcelona und schloss später einen Global Master in Management an der London School of Economics and Political ­Science ab. Kürzlich folgte zudem ein Abschluss in Executive Studies an der Harvard Business School.

Der internationale Blick sei für sie schon früh wichtig gewesen, erzählt Jordanova: «In ihrer Jugend hatten meine Eltern nur begrenzte Möglichkeiten, zu reisen. Paradoxerweise hat genau das in mir schon früh den anhaltenden Wunsch geweckt, über lokale Grenzen hinauszugehen und global zu denken.»

Beruflich führte ihr Weg zunächst in die Finanzwelt. Jordanova arbeitete im Investmentbanking bei Citibank, sammelte Erfahrungen im Wagniskapital und Asien und wechselte später in die Fintech-Branche in Europa. In London arbeitete sie unter anderem für den Finanztechnologie-Anbieter Iwoca. «Schon früh wollte ich verstehen, wie Kapital eingesetzt wird, wie Unternehmensfinanzierung funktioniert und wie nachhaltiges Wachstum entsteht», erzählt sie.

Gleichzeitig begann sie zunehmend daran zu zweifeln, ob klassische wirtschaftliche Modelle allein ausreichen, um die grossen gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart zu lösen. Der endgültige Wendepunkt kam 2016 auf einer Reise nach Marokko: Jordanova wollte surfen und Abstand vom hektischen Londoner Alltag gewinnen – dabei fand sie Strände vor, die mit Plastik, Verpackungen, Schuhen und Baumaterialien zugemüllt waren. «Statt diese Reise mit Surfen zu verbringen, habe ich mich plötzlich dabei wiedergefunden, Plastik vom Strand zu sammeln», erzählt sie und führt weiter aus: «Diese Erfahrung war der Auslöser dafür, mich intensiv mit dem direkten Zusammenhang zwischen industrieller Aktivität und Umweltzerstörung auseinanderzusetzen und ihn messbar zu machen.»

Zurück in London begann Jordanova, sich mit dem Klimawandel und den wissenschaftlichen Zusammenhängen dahinter auseinanderzusetzen. Was zunächst aus persönlichem Interesse entstand, entwickelte sich zu einer rund einjährigen Recherchephase: «Es war bemerkenswert zu erkennen, dass wir trotz ausreichender Daten über eine existenzielle Krise noch immer nicht über die operativen Mechanismen verfügten, um sie tatsächlich anzugehen.» Am Ende stand die Entscheidung: Sie kündigte ihren Job in London, gab ihren bisherigen Lebensmittelpunkt auf und zog nach Berlin, weil die Stadt ihr für ihr Vorhaben als geeignet erschien: «Die Kombination aus tief verwurzelter wissenschaftlicher Expertise und einer starken Tech-Szene wirkte wie ein Magnet auf mich.» Im April 2017 gründete sie Plan A.

Die Idee bestand zu Beginn darin, wissenschaftliche Daten über Umweltprobleme mit konkreten Klimaschutzprojekten zu verbinden, die Nutzer finanziell unterstützen konnten. Jeden Monat sollte ein anderes Problem im Mittelpunkt stehen. Eine der ersten Kampagnen beschäftigte sich mit dem Pflanzen von Bäumen, eine weitere mit dem Schutz europäischer Flüsse. Doch Jordanova merkte relativ schnell, dass Spenden allein nicht den strukturellen Wandel auslösen würden, den sie erreichen wollte. «Das ursprüngliche Modell gewann zwar an Zugkraft, doch die Abhängigkeit von Spenden erwies sich als nicht skalierbar – zu einer Zeit, in der Nachhaltigkeit noch fälschlicherweise vor allem als Non-Profit-Thema eingeordnet wurde», sagt sie; und weiter: «Investoren haben mir x-mal gesagt, ich würde eigentlich eine NGO bauen – Geld verdienen und gleichzeitig etwas Gutes für den Planeten tun, das gehe nicht.»

2018 folgte deshalb ein strategischer Wechsel: Plan A entwickelte eine Plattform für CO2-Bilanzierung und Dekarbonisierung; Unternehmen sollten erstmals systematisch erfassen können, welche Emissionen durch Geschäftsreisen, Lieferketten oder Logistik entstehen, und daraus konkrete Reduktionsmassnahmen ­ableiten. «Es ging nicht mehr darum, was ein Unternehmen ausserhalb seines Geschäfts unterstützt – es ging um das Unternehmen selbst», so Jordanova. Aus einer Plattform für Klimaprojekte wurde damit schrittweise ein Climate-Tech-Unternehmen, das Nachhaltigkeit messbar und in unternehmerische Prozesse integrierbar machte.

In den folgenden Jahren skalierte Jordanova Plan A international. Doch mit dem Wachstum veränderte sich auch ihre eigene Rolle – und schliesslich die Eigen­tümerstruktur des Unternehmens: Ende 2025 wurde der Verkauf an Diginex vereinbart, im Januar 2026 wurde die Übernahme abgeschlossen. Diginex übernahm ­sämtliche Anteile an Plan A für eine Gesamtgegen­leistung von rund 55 Mio. € (52 Mio. CHF) – 3 Mio. € Cash plus Aktien im damaligen Wert von 52 Mio. €. Für Jordanova fiel der Exit damit in eine Zeit, in der sich nicht nur ihr eigenes Unternehmen, sondern auch das Umfeld für Climate Tech veränderte. Plan A war stark gewachsen und Jordanova selbst zu einer sicht­baren Stimme der Branche geworden: «Die Tatsache, dass wir so sichtbar waren, führte irgendwann zu der Wahrnehmung, dass wir zu sichtbar, zu gross wurden.» Was wenige Jahre zuvor noch als Zeichen von Erfolg galt, traf auf ein verändertes Marktumfeld. Venture-­Capital-Geld floss selektiver, der politische Gegenwind gegen ESG nahm zu und Unternehmen begannen, Nachhaltigkeit vorsichtiger zu kommunizieren. «Mir wurde schliesslich geraten, dass ein struktureller Exit notwendig sei», sagt Jordanova. «Jahrelang sein Leben in eine Mission zu investieren, die grösser ist als man selbst, und dann plötzlich mit einem grundlegenden operativen Neustart konfrontiert zu werden ist für jeden Gründer eine enorme Belastungsprobe.» Gleichzeitig lief der Prozess unter erheblichem Zeitdruck: «Wir hatten ein striktes Zeitfenster von sechs Monaten, um die Transaktion umzusetzen – und die Finanzierung durch die Investoren war genau auf diesen Zeitraum abgestimmt.» Ausserdem war Jordanova schwanger. «Nur wenige Tage nach der Geburt habe ich bereits wieder gepitcht, um die Deadline für den Exit einzuhalten», sagt sie. Mit Diginex wurde schliesslich ein Käufer gefunden und für Jordanova begann zwei Wochen später die nächste Rolle – dieses Mal als CEO der börsenkotierten Gruppe. Gleich zu Beginn hatte sie alle Hände voll zu tun: Diginex hatte innerhalb kurzer Zeit mehrere Unternehmen übernommen; Jordanova sollte dabei helfen, ­daraus eine gemeinsame Struktur und eine neue Technologieplattform zu formen. Dazu führte sie in ihren ersten Monaten zahlreiche Gespräche mit Teams über Funktionen und Standorte hinweg, analysierte Produkte und Strukturen und arbeitete daran, Diginex, Matter, Plan A und The Remedy Project stärker miteinander zu verzahnen.

«Diginex verfügte über starke Kernassets, tiefes Fachwissen und einen loyalen Kundenstamm, aber es fehlten eine gemeinsame Geschichte und ein zen­traler kommerzieller Motor», sagt Jordanova über das Ergebnis der Analyse. Zur Aufgabe gehörte auch, die Voraussetzungen für die Nasdaq-Kotierung wieder abzusichern: Im März war Diginex darüber informiert worden, dass die Aktie 30 Handelstage in Folge unter der vorgeschriebenen Mindestmarke von 1 US-$ geschlossen hatte – Ende Juli erfüllte das Unternehmen die Vorgabe wieder.

Für Jordanova war der Wechsel vom eigenen Start-up in ein börsenkotiertes Unternehmen unter verschiedensten Gesichtspunkten eine gänzlich neue Erfahrung: «Tech-Gründer verfügen über grosse kommunikative Freiheit – die Führung eines börsenkotierten Unter­nehmens verlangt dagegen stärkere Governance, re­gulatorische Disziplin und klare Grenzen in der strate­gischen Kommunikation», schildert sie.

Nach sieben Monaten veränderte sich ihre Aufgabe erneut: Im August unterzeichnete Diginex einen Kaufvertrag für Resulticks – genau an diesem Punkt entschied Jordanova, ihren CEO-Posten abzugeben. «Für die erste Phase konnte ich meine Erfahrung sehr gut einbringen: Es ging darum, die übernommenen Unternehmen zu integrieren und daraus eine gemeinsame Technologieplattform zu bauen. Mit Resulticks braucht es aus meiner Sicht ein anderes Profil; und ich war nicht überzeugt, dass ich dafür die beste Person bin», so Jordanova und fügt hinzu: «Ich habe volles Vertrauen in die neue Führung, das Unternehmen erfolgreich auf die nächste Stufe zu bringen. »Ende August trat sie deshalb als CEO und Mitglied des Verwaltungsrats zurück. Während der Übergangsphase bleibt Jordanova als strategische Beraterin bei Diginex. Gleichzeitig übernimmt sie einen Sitz im Advisory Board von Glint Solar, einem norwegischen Softwareunternehmen, das Lösungen für Entwickler von Erneuerbare-Energie-Projekten anbietet. Doch dabei wird es nicht bleiben. Über weitere Projekte möchte Jordanova zwar noch nicht im Detail sprechen – sie verrät jedoch so viel: «Ich bin keine Person, die stillsteht. Und mein Fokus wird immer dort sein, wo Finance auf Nachhaltigkeit trifft.» •

Fotos: Guillaume Mégevand

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