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Mit Orbyz will Gründerin Gager-Palfy ein europäisches Gegenmodell zu werbegetriebenen Plattformen schaffen. Statt Polarisierung und Filterblasen setzt das Netzwerk auf digitale Souveränität, Nachhaltigkeit und selbstbestimmte Feeds – und ist bereits in über 40 Ländern live.
Frau Gager-Palfy, bisher sind fast alle Versuche europäischer Start-ups, die Dominanz der US-Plattformen durch lokale Kopien zu brechen, gescheitert. Warum bricht Orbyz mit diesem historischen Muster der reinen Nachahmung?
Wir haben Social Media nach über 20 Jahren völlig neu gedacht – technologisch, gesellschaftlich und ethisch! Bei uns finden alle weltoffenen Personen und innovative Unternehmen einen neuartigen und perspektivenreichen Social Space! Wir bieten ein digitales Ökosystem für all jene, die etwas bewegen wollen. Unser inhaltlicher Schwerpunkt rund um soziale, ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit bietet einen tiefgehenden Themenpool. Hier entstehen aus Ideen Kooperationen, aus Diskussionen Projekte und aus Vernetzung konkrete Veränderungen. Wir sind keine europäische Kopie von Insta oder Tiktok mit ihren werbegetriebenen Algorithmen und polarisierenden Inhalten, sondern ein neues Paradigma. Zusätzlich unterstützen wir zu 100% die digitale Souveränität Europas und der Digital Service Act ist unsere DNA.
Wenn der „werbegetriebene Algorithmus“ das Problem ist - wie sieht die ökonomische Logik eines Netzwerks aus, das auf Substanz statt auf Polarisierung setzt?
Selbstbestimmt! Ja, ein starkes Wort in einer Zeit, in der Menschen mittlerweile mit Chatbots kommunizieren, die die eigene Meinung verstärken und uns in Echoräumen halten. Unsere Gesellschaft verliert an Perspektiven und an Vielfältigkeit. Die Algorithmen der Tech Giganten sind mittlerweile massive wirtschaftliche und politische Steuerinstrumente unserer Zeit. Diese ökonomische Logik verändern wir bei Orbyz grundlegend und geben unseren Nutzer:innen mit dem einzigartigen „Impact Navigator“ wieder Informationsfreiheit zurück! Jede/r kann seinen Feed selbst gestalten und jederzeit individuell verändern. Damit wollen wir den Innovationsgeist und Gestaltungswille in unserer Gesellschaft fördern.
Der „Impact Navigator“ klingt nach einem radikalen Gegenentwurf zur klassischen Timeline. Wie verhindern Sie technisch, dass Orbyz zur Filterblase für Weltverbesserer wird, und stattdessen ein Ort für echte wirtschaftliche Transformation bleibt?
Danke für die Frage, denn Nachhaltigkeit ist für unsere Community keine politische Ideologie, sondern Teil unserer gesellschaftlichen Realität. Unser Netzwerk lebt nicht in einer „grünen Blase“, sondern spiegelt die Vielfalt unserer Gesellschaft wider mit all seinen unterschiedlichen Akteur:innen und Herausforderungen, weshalb das Thema verbindend und nicht spaltend ist. Nachhaltigkeit wird oft auf Klima- und Umweltthemen reduziert. Dabei sind die Inhalte viel umfangreicher von Gesundheit, Bildung und Arbeit bis hin zu Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftlichem Erfolg. Unsere Community zeigt täglich, dass über politische Ansichten und gesellschaftliche Unterschiede hinweg ein gemeinsames Ziel besteht, nämlich kommenden Generationen eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen.
Sie haben den Digital Services Act (DSA) bereits vollständig implementiert - ein Schritt, den viele Startups als bürokratisches Hindernis sehen. Ist regulatorische Compliance für Orbyz ein Wettbewerbsvorteil oder eine Last?
Klare Leitplanken sind grundsätzlich etwas Gutes. Wenn Europa dabei höhere Standards setzt unterstütze ich das in vielerlei Hinsicht. Kritisch sehe ich jedoch die Doppelmoral in der Umsetzung. Europäische Startups investieren Zeit, Kapital und wertvolle Ressourcen, um Vorgaben wie den Digital Services Act einzuhalten, während globale Plattformen denselben Markt bedienen und diese Anforderungen ignorieren. Das ist kein fairer Wettbewerb! Gleichzeitig sollten wir uns bewusst sein, wenn wir in Europa von Startups Innovation, Mut zum Querdenken und internationale Wettbewerbsfähigkeit erwarten, dann braucht es auch ausreichend Spielraum und Kapital, um zu wachsen und global mithalten zu können.
Orbyz ist bereits in über 40 Ländern live. In einer Welt, die digital zwischen den USA und China gespalten ist: Welches globale Bedürfnis bedient eine Plattform, die auf „European Values“ fusst, aber keine Grenzen kennt?
Unsere Herausforderungen kennen keine Ländergrenzen. Natürlich gibt es kulturelle Unterschiede und regionale Identitäten, aber in einer digital vernetzten Welt denken wir nicht in Nationalstaaten, sondern in Werteräumen. Europa ist für mich ein solcher Raum – geprägt von Demokratie, Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und Verantwortung. Als Technik-Enthusiastin finde ich es paradox, dass wir vom World Wide Web sprechen und über die Besiedelung anderer Planeten nachdenken, aber uns gleichzeitig von Tech-Konzernen in digitale Blasen einsperren lassen. Das sind für mich die eigentlichen Grenzen unserer Zeit und genau diese wollen und werden wir aufbrechen! Dass bereits im ersten Jahr über 40 Nationen Teil von Orbyz sind, zeigt dass wir ein gesellschaftliches Bedürfnis erkannt haben.
Sie betonen, dass Orbyz kein „MVP“ oder „Experiment“ mehr ist. An welchem Punkt der Skalierung stehen Sie gerade, und wie sieht die Roadmap aus, um von 40 Ländern zur globalen Marktführerschaft im Bereich Impact-Netzwerke zu kommen?
In den letzten Jahren ist Mediennutzung immer passiver geworden. Wir setzen hier bewusst einen Gegenakzent. Die grossen Fragestellungen der Gegenwart werden nicht von wenigen Influencern gelöst werden, sondern von Menschen, die ihre Ideen, Erfahrungen und Perspektiven teilen. Deshalb laden wir jede und jeden ein, zum „Content Creator mit Impact“ zu werden und aktiv zu werden. Orbyz wird so schnell wachsen, wie Menschen bereit sind, nicht nur zuzusehen, sondern Zukunft mitzugestalten.
Themen wie ESG und Nachhaltigkeit werden oft als „Label“ missbraucht. Orbyz nutzt die SDGs als technische Grundstruktur. Wie hilft diese Architektur CEOs dabei, ihre eigene Transformationsgeschichte glaubwürdig zu erzählen?
Nachhaltigkeit wird oft auf Berichte reduziert. Das mag für Banken und Behörden relevant sein, schafft aber selten echte Verbindung zu Stakeholdern. Unsere zukunftsorientierten Unternehmen setzen deshalb bereits auf authentische Einblicke aus dem Arbeitsalltag. Sie sind davon überzeugt, dass glaubwürdige Kommunikation dort entsteht, wo Menschen aus dem Unternehmen selbst zu Wort kommen. Über Orbyz können Mitarbeitende und Kund:innen sichtbar machen, woran gearbeitet wird, welche Herausforderungen gemeistert werden und welche Erfolge erzielt werden. Für CEOs ist das ein Mehrwert, der weit über klassische Unternehmenskommunikation hinausgeht, denn das schafft echte Wirkung!
Greenwashing ist ein massives Risiko für Marken. Wie garantiert Orbyz eine Umgebung, in der echter Fortschritt von reinem Marketing-Lärm unterschieden werden kann?
Ehrlich gesagt, gar nicht. Und das kann auch keine Plattform der Welt. Was wir jedoch schaffen können, sind die richtigen Rahmenbedingungen. Auf Orbyz stehen nicht Werbebudgets im Mittelpunkt, sondern unsere Nutzer:innen. Wer nur Marketing betreibt, wird früher oder später an kritischen Fragen scheitern. Wer hingegen echten Fortschritt erzielt, kann diesen nachvollziehbar sichtbar machen. Ich glaube, Greenwashing kann maximal durch informierte Menschen und einen offenen Dialog verhindert werden. Genau dafür haben wir Orbyz geschaffen.