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Bei der jüngsten Ausgabe der Next Leaders-Reihe der BW-Bank im Stuttgarter Restaurant Feinkost Böhm kamen Unternehmens- und Vermögensnachfolger bei einem exklusiven Dinner zusammen, um sich mit der Zukunft des Unternehmertums im Zeitalter künstlicher Intelligenz auseinanderzusetzen. LBBW-Innovationschef Stephan Paxmann zeigte im Gespräch mit Forbes, warum jahrzehntelanger Erfolg keine Garantie für die Zukunft ist – und welche Verantwortung die nächste Generation bei der Fortführung von Unternehmen und Vermögen trägt, insbesondere wenn es darum geht, bestehende Geschäftsmodelle grundlegend neu zu denken.
Ein Unternehmen oder Familienvermögen zu übernehmen bedeutet, auf dem Erfolg früherer Generationen aufzubauen und zugleich wirtschaftliche und gesellschaftliche Verantwortung zu tragen. Doch künstliche Intelligenz (KI) verändert die Spielregeln gerade nachhaltig: Geschäftsmodelle, die über Jahrzehnte erfolgreich waren, geraten unter Druck und Unternehmer müssen sich neu aufstellen. Genau um dieses Spannungsfeld zwischen unternehmerischem Erbe und technologischem Wandel ging es am 2. November 2026 bei der BW-Bank X Next Leaders-Reihe in Stuttgart. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich Unternehmen auf eine Zukunft vorbereiten können, in der KI nicht nur einzelne Arbeitsprozesse verändert, sondern ganze Branchen neu ordnet.
Silke Siegel-Kirschenmann, Leiterin Wealth Management Stuttgart bei der BW-Bank, betonte in ihrer Begrüssung die hohe wirtschaftliche und gesellschaftliche Verantwortung, die mit der Übernahme von Unternehmen oder Familienvermögen einhergeht. «Wir wollen Sie begleiten und Ihnen das richtige Werkzeug an die Hand geben», erklärte sie. Genau hier setzt die Next Leaders-Reihe an: Sie bringt die nächste Generation von Unternehmens- und Vermögensnachfolgern zusammen, fördert den Austausch unter Gleichgesinnten und bietet Impulse für die Herausforderungen, die mit der Verantwortung für Unternehmen, Vermögen und deren Rolle in der Gesellschaft einhergehen.
KI: zwischen Dystopie und Utopie
Wie tiefgreifend KI die Wirtschaft verändern wird, diskutierte Stephan Paxmann, Chief Innovation Officer der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), mit Andrea Gläsemann, stellvertretende Chefredakteurin von Forbes Swiss. Paxmann, der selbst ein Unternehmen gegründet und zwölf Jahre als Vorstandsvorsitzender geführt hatte, ordnete die aktuelle KI-Debatte zwischen dystopischen Zukunftsszenarien und technologischen Heilsversprechen ein. «Die Geschäftsmodelle sind at risk, aber nicht die Technologie», so Paxmann und führte weiter aus: «Wir können noch viel, viel mehr von KI erwarten.»
Deutschlands Ausgangslage im internationalen Vergleich bewertete Paxmann hierbei optimistischer, als es die öffentliche Debatte vermuten lässt. «Wir dürfen uns nicht schlechter machen, als wir sind.» An technologischer Kompetenz, industriellem Know-how und Innovationskraft mangelt es aus seiner Sicht nicht. Die Schwäche liegt für ihn vielmehr darin, aus guten Ideen profitable Geschäftsmodelle zu entwickeln. Während die USA und asiatische Länder Innovationen schneller kommerzialisieren, sieht er Deutschland durch Risikoaversion und regulatorische Hürden gebremst. Sein Appell: «Man wird nicht für Sicherheit bezahlt, sondern für Risiko.»
«AI First» beginnt in der Chefetage
Jahrzehnte erfolgreicher Unternehmensgeschichte schützen nicht davor, dass neue Wettbewerber bestehende Geschäftsmodelle mithilfe von KI schneller und kostengünstiger reproduzieren. Paxmanns Antwort ist das Prinzip «AI First»: Künstliche Intelligenz soll von Anfang an in unternehmerische Überlegungen und Entscheidungen einbezogen werden. Nicht alles muss KI übernehmen. Doch bei jeder Aufgabe sollte zunächst geprüft werden, ob die Technologie eine bessere oder effizientere Lösung ermöglicht.
Das allein reicht jedoch nicht aus. Entscheidend ist auch, ob Mitarbeitende die Technologie tatsächlich nutzen. Bei der LBBW wurden dafür frühzeitig Arbeitnehmervertretung und Personalabteilung eingebunden, Schulungen angeboten und KI-Anwendungen zugänglich gemacht. Eine Schlüsselrolle kommt dabei den Führungskräften zu, die den Einsatz neuer Technologien selbst vorleben müssen. Denn, so Paxmann: «Wenn es der Chef nicht macht, warum sollen es die Mitarbeitenden dann tun?»
Dabei muss sich laut ihm auch das Verständnis von Führung und Unternehmensorganisation verändern. Wenn KI Aufgaben in Stunden erledigt, für die früher Tage notwendig waren, sollte nicht mehr jeder einzelne Arbeitsschritt im Mittelpunkt stehen, sondern das Ergebnis. Führungskräfte müssen klare Ziele vorgeben und die Qualität der Resultate kritisch beurteilen.
Was morgen wirklich zählt
Durch die Veränderungen verschiebt sich auch der Wert menschlicher Kompetenzen. «Das Wissensmonopol ist gefallen», erklärte Paxmann. «Unsere Kompetenz liegt in der Produktgestaltung, in der Neugestaltung von einem Geschäftsmodell, aber nicht mehr in den Basics, die ich konstruieren muss.» Entscheidend werden aus seiner Sicht deshalb Fähigkeiten wie kritisches Denken, Urteilsvermögen und das Erkennen komplexer Zusammenhänge. Oder wie er es am Ende der Diskussion auf den Punkt brachte: «Wissen ist keine Extraqualität und ist kein Asset als solches mehr. Die Wirkung, die man damit erzeugt, das ist tatsächlich das Asset der Zukunft.»
Fotos: beigestellt