Mit ChatGPT zum sechsstelligen Startup

Zwei Brüder aus den USA zeigen, wie sich Kinderunternehmertum durch KI verändert: Jackson und Quincy Fuller sind zehn und acht Jahre alt – und führen mit Unterstützung ihrer Eltern ein Corporate-Swag-Startup, das im ersten Jahr 100.000 US-$ Umsatz machte.

Jackson und Quincy Fuller spielen nicht nur mit ChatGPT. Die beiden Brüder nutzen KI, um ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Ihr Startup Stuffers produziert massgeschneiderte Plüschtiere für Unternehmen – als Alternative zu klassischen Werbegeschenken wie Notizbüchern, Stiften oder Ladegeräten. Zu den Kunden zählen unter anderem Reddit und die Marketingagentur New Engen.

Die Idee dahinter ist simpel: Plüschtiere landen seltener im Müll als herkömmliche Corporate-Giveaways. Entwickelt werden sie von den beiden Kindern selbst. Ihr Büro ist das Spielzimmer, ihr Designprozess beginnt mit handgezeichneten Skizzen – und endet mithilfe von ChatGPT in hochauflösenden Entwürfen, die an Hersteller weitergegeben werden können.

Im ersten Jahr erzielte Stuffers laut Forbes 100.000 US-$ Umsatz. Damit werden Jackson, zehn Jahre alt, und Quincy, acht Jahre alt, zu einem Beispiel für eine neue Generation von Unternehmern: Kinder, die mit KI, Internetzugang und elterlicher Unterstützung Ideen deutlich schneller in marktfähige Produkte übersetzen können als frühere Generationen.

Ihr Vater Kobie Fuller ist General Partner beim Venture-Capital-Unternehmen Upfront Ventures. Er unterstützt die beiden bei Vertrieb, Kontakten und beim Verfeinern von KI-Prompts. Ihre Mutter Shennel bringt Erfahrung aus der Modebranche ein und kümmert sich um Produktion und Lieferketten. Die kreative Richtung komme jedoch von den Kindern selbst, sagt Kobie Fuller.

Besonders sichtbar wurde das bei einem Auftrag von Reddit. Ursprünglich sollten Jackson und Quincy eine Plüschversion des Reddit-Maskottchens Snoo entwerfen. Jackson fand die Idee zu naheliegend – und schlug stattdessen ein „Blind Box“-Konzept vor, inspiriert von Mystery-Toy-Trends aus Asien. Das Ergebnis: verschiedene Snoo-Plüschfiguren in Seltenheitsstufen, von „basic“ bis „ultra-rare“. Reddit bestellte 2.000 Stück, die bei einem Firmenevent an Mitarbeiter in New York verteilt werden sollen.

Für Bildungsforscher ist das mehr als eine kuriose Familiengeschichte. Michele Newman von der University of Washington beschreibt solche Momente als kleine Phasen bedeutsamer Selbstausdrucksformen, die Kindern Selbstvertrauen geben können. KI ermögliche Kindern, ihre Ideen rasch sichtbar zu machen und weiterzuentwickeln.

Gleichzeitig bleibt das Modell nicht ohne Risiken. Rebecca Winthrop von der Brookings Institution warnt, dass KI bei Kindern nur dann sinnvoll eingesetzt werde, wenn klare Leitplanken bestehen. Der Einsatz müsse eng begleitet werden, damit KI nicht zum Ersatz für eigenes Denken werde. Ohne Aufsicht könne Technologie schnell zur Abkürzung werden – nicht nur bei Hausaufgaben, sondern auch bei der Entwicklung kritischen Denkens.

Genau darin liegt der wirtschaftliche und gesellschaftliche Kern der Geschichte: KI kann die Distanz zwischen Idee und Produkt drastisch verkürzen. Sie kann Kindern ermöglichen, schneller zu gestalten, zu testen und zu verkaufen. Gleichzeitig entscheidet die Art der Nutzung darüber, ob KI Kreativität verstärkt – oder Denkprozesse ersetzt.

Für Jackson und Quincy Fuller ist das vorerst weniger Theorie als Praxis. Ihr Unternehmen verkauft Plüschtiere an Firmenkunden. Und wenn das Geschäft weiter wächst, steht laut ihrem Vater vielleicht sogar ein Formel-1-Rennen als Belohnung an.

Text: Anna Tong
Foto: Emiliano Vittoriosi

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