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Luana Lopes Lara, 29-jährige Mitgründerin der Prognoseplattform Kalshi, ist die jüngste Self-made-Milliardärin der Welt. Das Unternehmen ermöglicht Nutzern, auf den Ausgang von Ereignissen wie Wahlen, Sportereignissen oder Entwicklungen in der Popkultur zu handeln.
Luana Lopes Lara absolvierte ein Studium der Informatik am Massachusetts Institute of Technology (MIT), arbeitete während ihrer Studienzeit unter anderem bei Bridgewater Associates von Ray Dalio sowie bei Citadel Securities von Ken Griffin – und baute innerhalb von sechs Jahren ein Startup mit einer Bewertung von 11 Mrd. US-$ auf. Dennoch beschreibt die gebürtige Brasilianerin ihre Schulzeit als die „intensivste Zeit ihres Lebens“.
Ihre Ballettlehrer an der Bolshoi Theater School in Brasilien hielten brennende Zigaretten unter ihren Oberschenkel, während sie ein Bein bis zum Ohr streckte – ein Test, wie lange sie die Position halten konnte, ohne sich zu verbrennen. Andere Tänzer versteckten Glasscherben in den Schuhen ihrer Konkurrenten, um sich Vorteile zu verschaffen. Das harte Programm verlangte von ihr Unterricht von 7 Uhr bis 12 Uhr, gefolgt von Balletttraining von 13 Uhr bis 21 Uhr.
Doch ihr Ziel ging weit über den Tanz hinaus. Inspiriert von ihrer Mutter, einer Mathematiklehrerin, und ihrem Vater, einem Elektroingenieur, bereitete sich Lopes Lara nachts auf akademische Wettbewerbe vor. Sie gewann Gold bei der brasilianischen Astronomie-Olympiade und Bronze bei der Mathematik-Olympiade des Bundesstaates Santa Catarina. Nach ihrem Schulabschluss tanzte sie neun Monate lang professionell in Österreich, bevor sie ihre Karriere als Ballerina beendete und zum Studium in die USA ging.
Heute ist sie mit 29 Jahren die jüngste Self-made-Milliardärin der Welt. Damit löst sie Lucy Guo, Mitgründerin von Scale AI, ab, die zuvor den Titel hielt. Lopes Lara und ihr Mitgründer Tarek Mansour, ebenfalls 29, wurden Milliardäre, nachdem ihre Prognoseplattform Kalshi eine Finanzierung von 1 Mrd. US-$ bei einer Bewertung von 11 Mrd. US-$ erhielt.
Die Finanzierungsrunde wurde vom auf Krypto spezialisierten Venture-Capital-Fonds Paradigm angeführt. Weitere Investoren sind Sequoia Capital, Andreessen Horowitz und Y Combinator.
Kalshi ermöglicht es Nutzern, auf die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Ereignisse zu handeln – etwa Wahlausgänge, Sportergebnisse oder Entwicklungen in der Popkultur. Im Oktober war das Unternehmen noch 5 Mrd. US-$ wert, nach einer Finanzierungsrunde über 300 Mio. US-$. Im Juni lag die Bewertung bei 2 Mrd. US-$ nach einer Finanzierung von 185 Mio. US-$. Innerhalb von weniger als sechs Monaten verfünffachte sich damit der Unternehmenswert.
Beide Gründer halten jeweils etwa 12 % der Anteile, womit ihr Vermögen auf rund 1,3 Mrd. US-$ geschätzt wird.
„Wir schaffen im Grunde eine völlig neue Anlageklasse“, sagte Mitgründer Mansour zuvor gegenüber Forbes. „Ein komplett neues Finanzprodukt.“
Auch Investoren sehen enormes Potenzial. Ali Partovi, CEO des Venture-Fonds Neo, der früh in Kalshi investierte, sagt: „Jetzt wollen viele ein Stück dieses Geschäfts, nachdem Kalshi gezeigt hat, wie gross dieser Markt sein kann.“
Das Handelsvolumen auf der Plattform stieg stark an. Seit Juli hat sich das sogenannte Notional Trading Volume laut Unternehmen verachtfacht und erreichte im November 5,8 Mrd. US-$. Der wichtigste Wettbewerber Polymarket kommt laut Dune Analytics im gleichen Zeitraum auf 4,3 Mrd. US-$ Handelsvolumen.
Lopes Lara und Mansour lernten sich am MIT kennen. Beide studierten Informatik und gehörten zum selben internationalen Freundeskreis. Mansour, der im Libanon aufwuchs, erinnert sich, dass Lopes Lara stets in der ersten Reihe der Vorlesungen sass. Die Idee für Kalshi entstand während eines Praktikums bei Five Rings Capital in New York im Jahr 2018.
Auf ihren abendlichen Spaziergängen von den Büros zu ihren Apartments im Financial District diskutierten sie darüber, dass Investoren ständig versuchen, zukünftige Ereignisse in Finanzmärkte einzupreisen. Daraus entstand die Idee eines Marktes, auf dem direkt mit Wahrscheinlichkeiten gehandelt werden kann.
2019 wurden sie in das Startup-Programm Y Combinator aufgenommen. Doch die rechtliche Situation für Prognosemärkte war unklar. Über 40 Kanzleien lehnten zunächst ab, sie zu vertreten, weil die Gründer zu jung und ihr Unternehmen zu klein war.
Schliesslich unterstützte sie der ehemalige Commodity Futures Trading Commission (CFTC)-Mitarbeiter Jeff Bandman bei der Zulassung. Im November 2020 erhielt Kalshi die Genehmigung der US-Aufsichtsbehörde, Prognosemärkte als sogenannte Event Contracts anzubieten.
Dieser regulatorische Vorteil verschaffte dem Unternehmen zunächst einen Vorsprung gegenüber Wettbewerbern wie Polymarket, das 2022 eine Strafe von 1,4 Mio. US-$ zahlen musste, weil es unregistrierte Märkte betrieb.
Die regulatorischen Herausforderungen endeten jedoch nicht. Ende 2023 verklagte Kalshi die CFTC, nachdem die Behörde Wahlwetten vor der US-Präsidentschaftswahl 2024 abgelehnt hatte. Im September 2024 entschied ein US-Bundesgericht zugunsten des Unternehmens. Damit konnten erstmals seit über einem Jahrhundert wieder legale Wahlkontrakte in den USA gehandelt werden.
Vor der Wahl setzten Nutzer von Kalshi mehr als 500 Mio. US-$ auf den Ausgang der Präsidentschaftswahl. Die Plattform prognostizierte korrekt den Sieg von Donald Trump. Nutzer von Polymarket setzten insgesamt 3,6 Mrd. US-$ auf die Wahl.
Seitdem wächst das Unternehmen weiter. Kalshi gibt an, dass sein Handelsvolumen im Vergleich zum Vorjahr um 1.000 % gestiegen ist und mittlerweile über 1 Mrd. US-$ pro Woche erreicht.
Die Plattform kooperiert inzwischen mit Brokern wie Robinhood und Webull sowie mit Partnern wie der National Hockey League, StockX und Google Finance. Donald Trump Jr. trat im Januar dem Beirat des Unternehmens bei.
Um mit Polymarket zu konkurrieren, expandiert Kalshi auch in den Kryptobereich. Im Dezember wurden Märkte auf der Blockchain-Plattform Solana gestartet.
Trotz des Wachstums steht das Unternehmen unter regulatorischem Druck. Mehr als 90 % des Handelsvolumens stammen derzeit aus Sportwetten, weshalb mehrere US-Bundesstaaten prüfen, ob diese Aktivitäten als Glücksspiel reguliert werden müssen.
Investoren bleiben dennoch optimistisch. Michael Seibel, ehemaliger Partner bei Y Combinator, sagt: „Ich habe in mehr als tausend Unternehmen investiert – aber nur wenige haben das Potenzial, die Welt so stark zu verändern wie dieses.“
Text: Alicia Park
Foto: Forbes US / Kalshi