Milliarden zurück aus Trumps Zöllen

US-Händler haben allein in ihren jüngsten Geschäftszahlen Zollrückerstattungen von insgesamt 5,3 Mrd. US-$ gemeldet. Nachdem der Supreme Court einen zentralen Teil von Donald Trumps Zollpolitik gekippt hat, zahlt die US-Regierung Milliarden zurück. Bei den Konsumenten, die zuvor vielerorts höhere Preise tragen mussten, kommt davon bislang allerdings nur ein Teil an.

Die US-Regierung erstattet derzeit Milliardenbeträge aus Zolleinnahmen zurück. Hintergrund ist eine Entscheidung des Supreme Court, der einen zentralen Teil der von Präsident Donald Trump eingeführten Zollpolitik für unzulässig erklärte. Laut einer Gerichtsunterlage vom August wurden bislang rund 100 Mrd. US-$ von insgesamt etwa 166 Mrd. US-$ zurückgezahlt.

Davon profitieren einige der grössten Unternehmen und Importeure der USA. Konzerne wie Apple, Nike und General Motors meldeten zuletzt Rückerstattungen im dreistelligen Millionenbereich, die sich entsprechend positiv auf ihre Ergebnisse auswirkten. Besonders deutlich zeigt sich das bei grossen US-Einzelhändlern. Walmart erhielt nach eigenen Angaben 2,9 Mrd. US-$ zurück. Target meldete 994 Mio. US-$, Home Depot 730 Mio. US-$, TJX 331 Mio. US-$, Ross Stores 253 Mio. US-$ und Lowe’s 80 Mio. US-$. Allein diese Unternehmen kommen damit auf Zollrückerstattungen von insgesamt 5,3 Mrd. US-$. Amazon hatte bereits im Juli rund 600 Mio. US-$ gemeldet. Der Einzelhandelsverbund Ace Hardware erhielt im jüngsten Quartal weitere 11,8 Mio. US-$.

Milliarden bleiben vorerst bei den Unternehmen
In Gesprächen mit Investoren erklärten mehrere Handelskonzerne, die zurückgezahlten Mittel vor allem wieder in ihr Geschäft investieren zu wollen. Eine direkte Weitergabe an Konsumenten, die während der Zollperiode teilweise höhere Preise zahlen mussten, ist bei vielen Unternehmen bislang nicht vorgesehen.

Einige Händler gehen jedoch einen anderen Weg. Walmart gehört zu den wenigen grossen Konzernen, die angekündigt haben, einen wesentlichen Teil der Rückerstattung für niedrigere Preise einzusetzen. CEO John W. Furner erklärte, das Unternehmen habe von Beginn an geplant, einen grossen Teil der Gelder wieder in die Preisgestaltung zu investieren. Auch Amazon hatte zuvor angekündigt, einen Teil der Rückzahlungen direkt an Kunden weiterzugeben, wenn diese Importgebühren bezahlt hatten. Andere Beträge sollen zur Senkung von Preisen verwendet werden.

Best Buy ist nach eigenen Angaben weniger stark betroffen, weil der Konzern nur rund 2 % bis 3 % seiner Produkte selbst importiert. CEO Corie Barry erklärte jedoch bereits im Mai, mögliche Rückzahlungen sollten genutzt werden, um den Kunden einen entsprechenden Gegenwert zu bieten. Auch Costco hat signalisiert, zumindest einen Teil möglicher Rückerstattungen weiterzugeben. Wie hoch die Summe ausfallen wird, ist noch offen. Das Unternehmen erklärte im Mai, gerade erst damit begonnen zu haben, entsprechende Anträge einzureichen.

Konsumenten trugen einen Grossteil der Kosten
Die Frage, wer von den Rückerstattungen profitieren sollte, ist vor allem deshalb relevant, weil Studien darauf hindeuten, dass Unternehmen und Verbraucher einen erheblichen Teil der ursprünglichen Zollkosten getragen haben. Die Federal Reserve Bank of New York kam im Februar zu dem Ergebnis, dass rund 90 % der wirtschaftlichen Belastung durch die Zölle bei US-Unternehmen und Konsumenten lagen. Höhere Importkosten wurden dabei teilweise über steigende Preise weitergegeben.

Bereits 2025 hatte die New Yorker Fed festgestellt, dass rund drei Viertel der befragten Unternehmen Zollkosten in irgendeiner Form an ihre Kunden weiterreichten. Das Yale Budget Lab schätzt, dass die gesamte Zollpolitik der Trump-Regierung – einschliesslich weiterer Abgaben, die nicht von den aktuellen Rückzahlungen betroffen sind – einen US-Haushalt mit Stand August jährlich im Schnitt rund 1.100 US-$ zusätzlich kostet. Eine im Juli über das National Bureau of Economic Research veröffentlichte Studie kam zu dem Ergebnis, dass rund 26 % der staatlichen Zollerhöhungen über höhere Preise weitergegeben wurden. Weitere Preissteigerungen könnten folgen. Laut New Yorker Fed plante im Mai noch fast die Hälfte der befragten Unternehmen zusätzliche zollbedingte Preiserhöhungen.

Nicht alle Rückzahlungen fliessen in niedrigere Preise
Andere Händler wollen das Geld vor allem nutzen, um steigende operative Kosten abzufedern. Home Depot und Lowe’s erklärten etwa, ihre Rückerstattungen zur Kompensation höherer Ausgaben, unter anderem für Treibstoff, einsetzen zu wollen. Lowe’s-CEO Marvin Ellison wies gleichzeitig darauf hin, dass einige Wettbewerber ihre Rückzahlungen für Preissenkungen und zusätzliche Verkaufsaktionen verwendeten.

Target-Finanzchef Jim Lee erklärte, das Unternehmen achte beim Umgang mit den Zöllen weiterhin darauf, den Wert für Kunden zu schützen, und wolle seine Preise insgesamt weiter senken. Ob die konkrete Zollrückerstattung dafür eingesetzt wird, liess Target jedoch offen. Der Betrag machte zuletzt mehr als ein Viertel des Gewinns je Aktie aus. TJX, zu dem neben TJ Maxx auch HomeGoods, Marshalls und Homesense gehören, will 112 Mio. US-$ seiner Rückerstattung für Mitarbeitervergütungen und Boni verwenden. Was mit dem restlichen Betrag geschieht, teilte der Konzern nicht mit.

Weitere Milliarden könnten folgen
Noch haben nicht alle grossen US-Händler ihre jüngsten Quartalszahlen veröffentlicht. Unter anderem stehen Ergebnisse von Macy’s, Dollar General, Dollar Tree, Kohl’s und Dick’s Sporting Goods aus. Discounter wie Dollar General, Dollar Tree und Five Below hatten Zollrückerstattungen in vergangenen Quartalen noch nicht in ihren Ergebnissen berücksichtigt. Weil der Rückzahlungsprozess weiterhin läuft, ist daher bislang unklar, welche Summen diese Unternehmen letztlich erhalten. Auch bei Costco steht die endgültige Höhe noch nicht fest. Gleichzeitig ist der Konzern wegen der Rückerstattungen mit einer Sammelklage von Konsumenten konfrontiert.

Mehrere Verbraucher haben bereits Sammelklagen gegen Unternehmen eingereicht, die Zollgelder zurückerhalten haben. Bislang ist jedoch keines dieser Verfahren abschliessend entschieden. Ohne eine freiwillige Weitergabe durch die Unternehmen bestehen für Verbraucher daher nur begrenzte Möglichkeiten, selbst von den Rückerstattungen zu profitieren.

Politischer Streit um die Zollmilliarden
Die milliardenschweren Rückzahlungen haben inzwischen auch eine politische Debatte ausgelöst. Demokratische Politiker kritisieren Unternehmen, die hohe Beträge zurückerhalten, ohne diese Vorteile an ihre Kunden weiterzugeben. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren schrieb im August unter anderem an Walmart, Apple, Nike und Target. Sie forderte die Unternehmen auf offenzulegen, wie hoch ihre Rückerstattungen ausfallen, welche zollbedingten Preiserhöhungen sie vorgenommen haben und ob die Gelder an Konsumenten weitergegeben werden sollen. Die Trump-Regierung kritisiert dagegen grundsätzlich, dass sie einen zentralen Teil ihrer Zollpolitik rückabwickeln und die Einnahmen zurückzahlen muss. US-Finanzminister Scott Bessent machte dafür die demokratischen Generalstaatsanwälte verantwortlich, die gegen die Zollpolitik geklagt hatten. Die Einnahmen hätten sich zuvor im US-Finanzministerium befunden und müssten nun aufgrund der Gerichtsentscheidung zurückgegeben werden.

Supreme Court kippte Trumps zentrale Zölle
Zölle gehören zu den wichtigsten wirtschaftspolitischen Instrumenten von Donald Trump. Im April 2025 kündigte seine Regierung im Rahmen des sogenannten „Liberation Day“ weitreichende Abgaben auf Waren aus nahezu allen Ländern an. Der Supreme Court erklärte diese Zölle im Februar 2026 für unzulässig. Nach Auffassung des Gerichts hatte Trump nicht die Befugnis, sie auf Basis des International Emergency Economic Powers Act einzuführen. Die Regierung reagierte anschliessend mit neuen Massnahmen. Unmittelbar nach dem Urteil wurden zunächst vorübergehend pauschale Zölle von 10 % eingeführt. Nach deren Auslaufen folgten neue Abgaben zwischen 10 % und 12,5 % auf Waren aus 60 Ländern. Damit bleibt die Zollpolitik ein zentraler Teil von Trumps Wirtschaftsagenda – auch wenn Unternehmen inzwischen Milliarden aus einem früheren Teil dieser Strategie zurückerhalten.

Text: Alison Durkee
Foto: Planet Volumes

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