Gold und Silber ziehen wieder an

Nach einem weitgehend ruhigen Sommer steigen die Preise für Gold und Silber deutlich. Ein schwächerer US-Dollar und angekündigte Rückkäufe langfristiger US-Staatsanleihen durch das Finanzministerium geben den Edelmetallen neuen Auftrieb.

Gold und Silber haben nach mehreren Monaten mit vergleichsweise geringen Kursbewegungen wieder deutlich zugelegt. Gold-Futures stiegen am Freitag um rund 2 % auf 4.661,70 US-$ und erreichten damit den höchsten Stand seit etwa Mitte Mai. Auch Silber verteuerte sich um rund 2 % auf 70,08 US-$ – erstmals seit Mitte Juni lag der Preis damit wieder über der Marke von 70 US-$. Auf Wochensicht legten beide Edelmetalle um rund 5 % zu. Damit setzt sich eine Erholung fort, nachdem die Preise während grosser Teile des Sommers kaum vorangekommen waren.

Ein wesentlicher Faktor ist laut Marktbeobachtern die Entwicklung des US-Dollars. Ole S. Hansen, Analyst bei der Saxo Bank, verwies darauf, dass ein schwächerer Dollar Rohstoffe grundsätzlich unterstützt. Der Dollarindex bewegte sich zuletzt in der Nähe eines Dreimonatstiefs. Zusätzlichen Rückenwind liefert eine Entscheidung des US-Finanzministeriums. Die Behörde kündigte an, ihre Rückkäufe von Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen zehn und 30 Jahren zu verdoppeln. Bhanu Baweja, Chefstratege der UBS Group AG, bezeichnete diesen Schritt gegenüber Bloomberg als wichtiges Signal für den Goldmarkt.

Gold und Silber liegen dennoch deutlich unter ihren historischen Höchstständen vom Jahresbeginn. Gold bewegte sich im Sommer über längere Zeit zwischen rund 4.000 und 4.200 US-$, Silber überwiegend zwischen 50 und 60 US-$. Im zweiten Quartal bis Ende Juni verlor Gold 16 % an Wert – das schwächste Quartal seit mehr als zehn Jahren. Zeitweise waren beide Edelmetalle auf Siebenmonatstiefs gefallen und hatten damit einen Teil der Gewinne aus der vorangegangenen Rally wieder abgegeben. Als Gründe galten unter anderem der damals stärkere US-Dollar sowie Erwartungen, dass die US-Notenbank Federal Reserve die Zinsen im weiteren Jahresverlauf anheben könnte. Im August hat sich das Bild jedoch wieder verändert. Gold verzeichnete bereits zu Monatsbeginn seine stärkste Woche seit sieben Monaten.

Eine mögliche Zinserhöhung bleibt zugleich ein Risiko für die weitere Entwicklung. Höhere Zinsen gelten üblicherweise als Belastung für Edelmetalle, da Anlagen mit laufender Verzinsung dadurch attraktiver werden. Laut dem FedWatch Tool der CME Group lag die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei der Dezember-Sitzung zuletzt bei rund 70,9 %. Für die Sitzungen im September und Oktober wurde eine Anhebung als weniger wahrscheinlich eingeschätzt.

Zu Jahresbeginn hatten Gold und Silber historische Höchststände erreicht. Gold stieg Ende Januar auf rund 5.600 US-$, Silber auf etwa 121 US-$. Unterstützt wurden die Preise unter anderem durch internationale Spannungen, die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump, Zinssenkungen sowie eine steigende Nachfrage nach Metallen aus Technologiesektoren. Nach der Nominierung von Kevin Warsh für den Vorsitz der Federal Reserve gerieten die Preise im Januar unter Druck. Warsh wurde von Marktteilnehmern als weniger geneigt zu weiteren Zinssenkungen eingeschätzt. Auch während des Iran-Kriegs tendierten Edelmetalle überwiegend schwächer, während die Ölpreise deutlich anzogen.

Text: Conor Murray
Foto: Planet Volume

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