Geschichten schreiben

Montblanc steht für ikonische Schreibgeräte, feine Leder­waren und hochwertige Uhren. Doch ein Besuch im „Montblanc Haus“ in Hamburg zeigt, dass hinter der Marke mehr steckt als „nur“ schöne Luxusprodukte: Es geht um Inspiration, europäische Handwerkskunst – und darum, Menschen dabei zu begleiten, ihre eigenen Spuren zu hinterlassen.

Als wir an diesem Morgen das „Montblanc Haus“ in ­Hamburg besuchen, erwartet uns ein dunkler, über 100 Meter langer Block. Das Gebäude ist keinesfalls zufällig konstruiert: Es ist an die traditionelle schwarze Schatulle angelehnt, in der die bekannten Füllfederhalter verkauft werden. Das helle Relief darauf greift wiederum die Silhouette des Montblanc auf; des höchsten Bergs Europas und Namensgebers der Marke. Im Inneren des Gebäudes werden Besucher von hellen Fassaden und dem „Tree of Writing“ begrüsst – eine komplett aus Papier gefertigte Kunstinstallation mit einer Baumkrone aus arrangierten Briefumschlägen und geöffneten Büchern. Er lädt ein, eine Welt zu entdecken, die sich einer ganz bestimmten Sache gewidmet hat: dem Schreiben.

„Die Inspiration dafür stammt von unserem ­Creative Director Marco Tomasetta. Immer wenn er eine Idee hat, macht er Notizen, Skizzen oder kleine Gedankenfragmente und befestigt sie sinnbildlich an diesem Baum“, so Nico Brandtner, der über 30 Jahre bei Montblanc tätig war und sich nun eigentlich im Ruhestand befindet. Ganz losgelassen hat ihn das Unternehmen jedoch nicht, und so führt er hin und wieder Besucher durch das „Montblanc Haus“ – auch an diesem Tag.

Unsere erste Station führt uns in die interaktive ­Ausstellung, die für Besucher jeden Tag geöffnet ist und um Angebote wie Kalligrafie-Kurse, ein Café und einen Museumsshop erweitert ist. Das Konzept dazu stammt von Alexa Schilz: Als Director Writing, Culture and Brand Strategy bei Montblanc war sie federführend für die inhaltliche Ausrichtung des Hauses zuständig, wählte historische Skizzen und Fotografien aus, kuratierte die wertvollen Original-Handschriften berühmter Persönlichkeiten wie Albert Einstein oder Karl Lagerfeld und stellte sicher, dass die Markenidentität perfekt in die Innenarchitektur übersetzt wird.

„Es geht darum, dass die Menschen, die am Ende hier rausgehen, Lust aufs Schreiben bekommen. Und dabei ist es ganz egal, was sie schreiben. Die Menschen sollen einfach Freude daran haben“, so Schilz, die aus einer Unternehmerfamilie stammt – die traditions­reiche Steinzeugmanufaktur Schilz in Höhr-Grenzhausen blickt auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück; Schilz verkörpert die zwölfte Generation der Familie, die mit dieser traditionellen Handwerkskunst aufgewachsen ist.

„Handwerkskunst liegt mir im Blut. Nach dem Studium habe ich geschaut, was mich wirklich fasziniert. Montblanc war für mich die Adresse in Deutschland, wenn es darum geht, Handwerkskunst zu leben – und zwar in wahnsinnig vielen Facetten. Und ich habe schon immer gerne geschrieben und gelesen. Das war dann sozusagen die ‚cherry on top‘“, sagt Schilz. Nach einem Start als Praktikantin durchlief sie verschiedene Stationen, bevor sie zurück ins Familienunternehmen ging und 2016 Aestone gründete, um moderne, handgefertigte keramische Objekte und Designstücke zu vermarkten. Dann kam jedoch der Ruf zurück zu Montblanc: „Ich wurde gefragt, ob ich das „Montblanc Haus“, also das Gebäude, in dem wir gerade sitzen, mitgestalten möchte.“ In ihrer aktuellen Rolle verknüpft sie im Wesentlichen drei zentrale Aufgabenbereiche: Als Markenstrategin übersetzt sie die traditionelle Identität des Luxusunternehmens in die moderne, digitale Gegenwart und ist dafür zuständig, die Marke lang­fristig am Markt zu positionieren. Als Verantwortliche für Writing Culture entwickelt sie Partnerschaften, Initiativen und Kulturprojekte wie die philanthropische Initiative „Dear Future“, die das Kulturgut der Handschrift stärken und Menschen weltweit dazu inspirieren sollen, wieder per Hand zu schreiben. Und im Bereich Brand Heritage kuratiert sie das Markenerbe, schlägt die Brücke zwischen den historischen Archiven des Hauses und heutigen Kundenerlebnissen und macht so die Handwerkskunst von Montblanc greifbar. „Handwerk ist zentral. Für uns ist das nicht nur ein nostalgisches Thema, sondern etwas sehr Zeitgemässes. Menschen suchen heute nach Dingen, die Substanz haben, die langlebig sind und bei denen man spürt, dass sie mit Können hergestellt wurden. Es geht darum, Tradition und Innovation miteinander zu verbinden“, so Schilz.

Montblanc wurde 1906 vom deutschen Ingenieur ­August Eberstein gemeinsam mit den Hamburger Unternehmern Alfred Nehemias und Claus Johannes Voss gegründet – damals allerdings noch unter dem Namen Simplo Filler Pen Company. Der Name „Simplo“ leitete sich von „simpel“ ab und verwies auf die ursprüngliche Idee: einen Füllfederhalter zu entwickeln, der nicht ausläuft und besonders einfach zu bedienen ist. Der erste Füller ging unter dem Namen „Rouge et Noir“ in Serie, dessen Name vom französischen Lebensgefühl und vom Roulette inspiriert war. 1910 folgte die Umbenennung des Unternehmens in Montblanc: Auf der Suche nach einem Namen, der Exzellenz und Wertigkeit symbolisiert, fiel die Wahl auf den Montblanc, den höchsten Berg Europas. Auch das berühmte Emblem greift diese Symbolik auf: Was viele für eine Blume halten, ist in Wahrheit eine stilisierte Draufsicht auf den schneebedeckten Gipfel mit seinen Gletschern. Die Zahl 4.810, die bis heute immer wieder in der Markenwelt auftaucht, verweist auf die Höhe des Montblanc in Metern.

Die visuelle Identität der Marke und ihre innovative Marketingstrategie – Werbekampagnen im Bauhausstil, bei denen Automobile mit überdimensionierten Schreibgeräten ausgestattet wurden und sogar erste Werbeflugzeuge zum Einsatz kamen – prägte in den 1920ern als erste Marketing- und Kommunikationschefin die Grafikerin Grete Gross. Sie war mitunter dafür verantwortlich, dass die Marke auch internationale Aufmerksamkeit erhielt; und das zu einer Zeit von wirtschaftlichen Umbrüchen: Hyperinflation und die Materialknappheit am Ende des Ersten Weltkriegs, die dazu führte, dass verschiedene Restmaterialien kombiniert wurden, aus denen neue Schreibgeräte entstanden. Montblanc gelang es, diese Zeit nicht nur erfolgreich zu überstehen, sondern 1924 mit dem „Meisterstück“ ein Modell auf den Markt zu bringen, das bis heute die Marke insofern prägt, als das „Meisterstück“ für Qualität, Beständigkeit und als Begleiter über viele Jahre steht. Zahlreiche internationale Verträge wurden mit ihm unterschrieben, und so kam der Stift auch zum Einsatz, als sich der damalige US-Präsident John F. Kennedy im Goldenen Buch der Stadt Köln eintragen wollte: der Füllfederhalter war ein „Meisterstück“ aus dem Hause Montblanc.

Anfang der 1990er-Jahre wurde schliesslich eine weitere Entwicklung angestossen: die Idee extrem hochwertiger und limitierter Schreibgeräte – ein Schritt, der Montblancs Weg vom Schreibgerätehersteller zur Luxusmarke entscheidend prägte. 1992 erblickten gleich zwei erste Kollektionen das Licht der Welt: Das erste Schreibgerät der Writers Edition, „Ernest ­Hemingway“, sowie der „Patron of Art“-Reihe „Lorenzo de’ Medici“. Ersterer wurde für etwa 900 DM eingeführt, Zweiterer für etwa 2.000 DM. Sucht man heute nach den Schreibgeräten, wird man eine Wertsteigerung von etwa 700 % bzw. 400 % vorfinden.

Aufgebaut hat das sogenannte Artisan Atelier – der Bereich, in dem die streng limitierten Editionen und massgeschneiderte Unikate hergestellt werden – Thor­sten Hering. 1981 als Auszubildender bei Montblanc gestartet nimmt er nun die Rolle des Director Artisan Atelier ein und arbeitet mit seinem Team an extra­vaganten Anfertigungen. „Es geht hier nicht nur darum, mit Gold und Diamanten zu arbeiten; wir arbeiten mit verschiedenen Techniken, Materialien und Ideen. Wir versuchen immer, neue Dinge zu schaffen“, erklärt Hering. Dabei beginnt alles mit einer Idee, die entweder aus dem Marketing, von Kunden oder dem eigenen Team stammt. Danach fertigen die Mitarbeitenden des Ateliers eine Beschreibung an, gefolgt von Skizzen und 3D-Modellen. Überzeugt das Modell, geht es weiter in die technische Entwicklung. „Man muss prüfen: Ist das, was wir uns vorstellen, wirklich machbar? Eine Idee im Kopf zu haben ist das eine; sie technisch umzusetzen ist noch mal etwas ganz anderes“, so Hering und führt weiter aus: „Manche Mechanismen, die wir entwickeln, gibt es nur bei uns. Manchmal sitzen unsere Techniker ein oder zwei Jahre daran, bis eine Idee wirklich funktioniert. Besonders bei sehr speziellen Mechaniken ist das extrem anspruchsvoll.“

Um die Spezialkollektionen Wirklichkeit werden zu lassen, setzt das Atelier auf Mitarbeitende mit technischem Verständnis, also Ingenieure und Konstrukteure, zudem auch Handwerker wie Goldschmiede, die Materialien bearbeiten können, und jene, die gestalterisch denken; sowie Mitarbeitende, die die Wirtschaftlichkeit im Blick behalten. Auch externe Spezialisten kommen zum Einsatz, etwa wenn es um besondere Stein­bearbeitung oder sehr spezifische Techniken geht. So setzt Montblanc etwa auf den französischen Schmuckhersteller Van Cleef & Arpels oder James Purdey & Sons, einen britischen Hersteller von massgeschneiderten Jagdwaffen.

„Es ist die Kombination aus Montblanc-Know-how und spezialisierten Partnern, die solche Projekte möglich macht“, so Hering. „Wir haben damals auch sehr spezielle Einzelstücke für Kunden entwickelt. Was wir daraus gelernt haben: Diese Projekte sind sehr interessant, aber man kann damit kaum werben. Meistens ist alles streng vertraulich, weil es sich um sehr persönliche Kundenwünsche handelt. 2016 haben wir das verändert: Wir haben die Arbeit an reinen Einzelstücken reduziert beziehungsweise gestoppt und stärker mit High-Artistry-Kollektionen begonnen.“

Ein Beispiel dafür: „A Journey on the Orient ­Express“. Als Hommage an den Prunk und den luxu­riösen Art-déco-Stil des legendären Luxusreisezugs teilt sich die Kollektion in verschiedene Limitierungsstufen auf; etwa die „Orient Express Limited Edition 1883“ – eine Edition, die auf das Jahr 1883 referenziert, in dem der Orient-Express seine allererste Fahrt von Paris Richtung Konstantinopel antrat. Diese Kollektion ist auf ebendiese Zahl limitiert.

Die Spitze der Kollektion bilden zwei Einzelstücke: Eines davon ist als Travel Set konzipiert – mit einer in der Schweiz gefertigten, handgravierten Mahagoni-Box. „Für dieses Stück haben wir mehr als drei Jahre Entwicklungs- und Produktionszeit investiert. Insgesamt sprechen wir von mehr als 5.000 Arbeitsstunden für ein einziges Projekt“, so Hering. Und das kostet: Etwa 1,8 Mio. € müssen Interessierte für dieses Sammlerstück auf den Tisch legen. „Ja, das klingt nach sehr viel. Aber wenn man die Arbeit dahinter sieht, versteht man es besser. Allein beim Schleifen der Steine entstehen enorme Materialverluste – mindestens 60 %. Bei ­Diamanten ist das einfacher, weil es Standardschliffe gibt. Hier aber ist jeder Schliff individuell. Das ist extrem anspruchsvoll“, erzählt Hering.

Für ihn und sein Team gibt es wohl keine Aufgabe, vor der sie zurückschrecken: Für einen privaten Sammler wurden etwa echte Zigarren-Tabakblätter in einem jahrelangen Forschungsprozess so mit Harzen stabilisiert, dass sie dauerhaft um den Stiftkorpus gewickelt werden konnten, ohne zu zerfallen oder ihre Farbe zu verlieren. Auch echte Mammutstosszähne, Dino­saurierknochen oder Meteoritengestein wurden bereits verarbeitet.

Was im Artisan Atelier als fertiges Produkt schliesslich sichtbar wird, beginnt in der Fertigung im Kleinen: bei der Feder. „Es geht hier nicht nur um Optik, sondern um das Schreibgefühl, um Haltbarkeit und um Funktion“, erklärt Frank Derlien, Leiter der Federmanufaktur. „Schon kleinste Abweichungen können darüber entscheiden, ob ein Füllfederhalter angenehm schreibt oder nicht. Deshalb wird geprägt, geschnitten, geschliffen und geprüft – bis die beiden Federschenkel exakt zusammenstehen. Am Ende gilt: Jede Feder wird zu 100 % von Hand getestet“, so Derlien.

Manchmal sitzen unsere Techniker ein oder zwei Jahre daran, bis eine Idee wirklich funktioniert.

Thorsten Hering

Die Herstellung einer Montblanc-Feder umfasst 35 Arbeitsschritte. Weitere 70 Schritte folgen beim ­Zusammenbau und bei der Prüfung des Füllfeder­­halters, bevor er an seinen Besitzer übergeben wird. ­Unter einem Druck von bis zu 18 Tonnen wird ihre Form ausgestanzt und anschliessend gepresst. Danach schleifen die Kunsthandwerker von Montblanc die Spitze der Feder von Hand auf die gewünschte Breite und Grösse.

Nach dem finalen Zusammenbau durchläuft jede Feder schliesslich noch einen gründlichen Schreibtest. Dabei zählt nicht nur, wie sie über das Papier gleitet, sondern auch, wie sie klingt: Die intern geschulten Fachkräfte hören genau hin. Nur wenn sie weder kratzt noch stockt und einen gleichmässigen Klang erzeugt, besteht sie die Prüfung. Insgesamt bietet Montblanc acht Standard-Federstärken an, zusätzlich ergänzt ­werden diese durch Spezial- und Kalligrafiefedern sowie massgeschneiderte Einzelstücke.

Wie bei Harry Potter und der Wahl des geeigneten Zauberstabs bei Ollivanders ist es auch für Montblanc wichtig, dass jeder Schreibende die geeignete Feder für sich findet. Damit hört die Individualisierung jedoch nicht auf: „Wir können nicht nur das Schreibgefühl anpassen, sondern auch das Design der Feder. Man kann Initialen, Symbole, kleine Zeichnungen oder sogar persönliche Motive integrieren. Wenn jemand einen Hund hat, können wir theoretisch auch eine Pfote oder ein Hundemotiv auf die Feder bringen; bei Hochzeitspaaren gibt es oft gegenseitige Namen oder Initialen“, so Axel Nier, der als Feinwerkmechaniker, Technischer Einrichter und Federspezialist zu den erfahrensten Kunsthandwerkern des Hauses (mit einer Erfahrung von über drei Jahrzehnten) zählt. „Interessant ist: Die Handschrift ist wie ein Fingerabdruck. Man denkt nicht aktiv darüber nach, man macht es einfach. Eine Unterschrift könnte man oft mit geschlossenen Augen schreiben. Genau deshalb ist es so persönlich“, so Nier.

Zu finden sind die Schreibgeräte online und in diversen Boutiquen überall auf der Welt – in Hamburg, aber eben auch in New York, Dubai, London und Tokio. Eröffnet wurde die erste eigene Boutique 1991 in Hongkong. Zuvor wurden die Schreibgeräte neben anderen Marken verkauft; als Montblanc mehr Raum für die eigene Inszenierung wollte und ihn nicht bekam, entstand die Idee einer eigenen Fläche. Heute zählt das Unternehmen 509 Stores weltweit, in denen nicht nur Schreibgeräte verkauft werden, sondern auch Lederwaren, Uhren, Accessoires sowie Düfte. Gefertigt wird über europäische Kompetenzzentren hinweg: Schreibgeräte in Hamburg, Lederwaren in Florenz und Uhren in der Schweiz.

Mittlerweile gehört das Unternehmen zum ­Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont, zu dem unter anderem Cartier, Van Cleef & Arpels, IWC, Jaeger-LeCoultre und Vacheron Constantin gehören. Richemont erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 21,4 Mrd. €, bei einem operativen Gewinn von 4,47 Mrd. € und einer operativen Marge von 20,9 %. Der Bereich „Other“, in dem Montblanc gemeinsam mit weiteren Maisons ausgewiesen wird, erreichte 2,8 Mrd. € Umsatz und wuchs um 7 %. Finanzzahlen zu einzelnen Marken werden von Richemont jedoch nicht veröffentlicht. Weltweit beschäftigt Montblanc mehr als 3.000 Mitarbeitende.

Trotz der Diversifizierung im Hause Montblanc bleibt das Schreiben der emotionale und strategische Kern der Marke – ein Ansatz, der gerade im digitalen Zeitalter Früchte trägt: „Was wir heute sehen, ist sehr interessant: Der Trend zu immer mehr ­Konnektivität und Tools, die Kommunikation immer einfacher machen, führt gleichzeitig dazu, dass viele Menschen Nostalgie empfinden oder einen Ausgleich in der Handschrift suchen. Das führt dazu, dass wir das Thema Schreiben – das ohnehin der Markenkern ist – strategisch wieder stärker in den Fokus rücken. Denn genau das ist es, was viele Kunden sich wünschen und bei uns suchen“, so Schilz.

Diese persönliche Nähe zum Schreiben verweist zugleich auf eine grössere Frage: Wie bleibt eine Marke modern, die so sehr auf Tradition setzt? Für Montblanc liegt die Antwort nicht darin, die Vergangenheit nur zu bewahren, sondern sie immer wieder neu zu übersetzen: „Unsere Historie und unsere Archive sind unglaublich wichtig. Wir haben hier über 3.000 historische Schreibgeräte. Viele davon kann man heute so gar nicht mehr herstellen; weil die Materialien nicht mehr da sind, weil sie nicht nachhaltig sind oder nicht haltbar genug. Aber die Inspiration, die wir daraus ziehen, nutzen wir, um sie neu zu interpretieren“, so Schilz.

Auch Kollaborationen folgen dieser Logik. Entscheidend sei, so Schilz, immer die Brücke zum Markenkern. Ein Partner müsse zu Montblanc passen, etwa über Meisterschaft, Handwerkskunst oder eine besondere Form des Geschichtenerzählens. So erklärt sich die ­Zusammenarbeit mit dem Autohersteller Ferrari ebenso wie jene mit dem Filmemacher Wes Anderson. Letzterer hat für Montblanc eine eigene visuelle Welt und gar einen Werbespot geschaffen. Diese Kooperationen bringen der traditionsreichen Marke einen modernen Ton, ohne ihren Ursprung zu überdecken. Damit verändert sich auch das Verständnis von Luxus: „Rein nur das Produkt, das Materielle, ist heute nicht mehr das, was der klassische Luxuskunde sucht. Es geht wirklich darum, auch ein unvergessliches Erlebnis zu schaffen“, sagt Schilz.

Zwischen dem Tree of Writing, kunstvollen Schreibgeräten und Wes Andersons Bildwelt entsteht so also ein Ort, der zeigen soll: Schreiben ist mehr als das Festhalten von Worten. Es ist ein bewusster Akt, ein Ausdruck von Persönlichkeit – und vielleicht eine der schönsten Möglichkeiten, Spuren zu hinterlassen. Und wer nun wissen will, wie die Handschrift von Albert Einstein oder Karl Lagerfeld aussieht, der muss schon selbst nach Hamburg reisen.

Fotos: Georg Tedeschi, Montblanc

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