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Adventurly-Gründer Josua von Reding betreibt mit 29 Jahren zehn Glamping-Standorte in der Schweiz – ohne externes Kapital, seit dem zweiten Jahr profitabel. Jetzt will er eine Plattform für Erlebnisse aufbauen.
Josua von Reding macht mit Freunden in einem Ferienhaus in Italien Urlaub, als wir ihn interviewen. Der 29-jährige Schweizer nickt und grinst seinen Freunden zu, die hinter seiner Laptop-Kamera vorbeigehen. «Wir gehen jedes Jahr fünf, sechs Wochen auf Urlaub. Und das ist schon cool – wir haben uns ein System aufgebaut, das uns nicht die ganze Zeit benötigt», sagt er über sich und Nico Berghöfer, den Mitgründer seines Start-ups Adventurly.
Die Kunden der beiden machen nicht in einem Ferienhaus Urlaub, sondern in einem von zehn Glamping-Standorten, die Adventurly in der Schweiz betreibt. Das Hauptprodukt sind die sogenannten Bubble-Suiten – durchsichtige Zelte mit Hotelbett und freier Sicht in den Berg-Nachthimmel. Manche der 26 Einheiten erreichen Gäste erst nach einer Gondelfahrt oder einem kurzen Fussmarsch. Pro Nacht zahlen sie zwischen 300 und 450 CHF; in manchen von Adventurlys Angeboten können Gäste auch schon um 149 CHF nächtigen.
Gestartet wurde das Jungunternehmen mit 20.000 CHF Stammkapital, bereits im zweiten Jahr schrieb Adventurly schwarze Zahlen, so von Reding. Der Umsatz lag laut ihm 2025 im hohen sechsstelligen Bereich und soll dieses Jahr die Millionenmarke überschreiten. Und das mit einem schlanken Team: zwei Gründer, zwei Mitarbeiter im Customer-Support, dazu temporäre Helfer für Auf- und Abbau der «Bubble»-Zelte.
Adventurly betreibt die Glampingplätze über Partnerschaften: Von Reding und sein Team finanzieren und bauen die temporären Unterkünfte auf, die Bubble-Zelte werden im Mai aufgestellt und stehen die gesamte Sommersaison; im Winter wäre es zu kalt, darin zu nächtigen. Zudem übernimmt Adventurly Marketing, Verwaltung und Kundenservice. Die Partner vor Ort, vor allem Bergrestaurants, Berghotels und Landwirtschaftsbetriebe, kümmern sich um Reinigung, Frühstück und sonstige Bewirtschaftung. Bei einigen können Adventurly-Gäste auch Spa-Angebote nutzen.
Vom Übernachtungspreis erhalten Letztere laut von Reding 35 bis 40 % – für einen Bergbetrieb, der vom Wintergeschäft lebt, könne das bedeutsam sein, sagt er. Beim grössten Adventurly-Partner, einer Region, die früher 90 % ihres Umsatzes im Winter erzielte, brachten fünf Einheiten im ersten Sommer 60 % Auslastung. Der Sommeranteil am Jahresumsatz, so von Reding, stieg von 10 auf 30 %.
Eine ertragreiche Säule sind Gutscheine: Was als Test im Onlineshop begann, ist heute ein tragender Vertriebskanal; 30 bis 40 % des Umsatzes kommen darüber herein. «Viele Leute sehen unsere Angebote und wollen nicht direkt buchen – aber sie wollen es verschenken», sagt von Reding.
Marketing, das Gebiet, in dem von Reding zuvor tätig war, betreibt er fast ausschliesslich über Social Media und mit Kooperationen mit Reise-Content-Creators wie etwa Peter Bolliger (@peter.bolliger), Fabian Egger (@derpraktikanttv) oder dem Account Instaswiss (@instaswiss). Ausserdem gab es in der Vergangenheit Kollaborationen mit Marken wie Ikea, Rivella und Migros.
Von Reding arbeitete nach seinem Militärdienst vier Jahre lang als Auszubildender im Bereich Softwareentwicklung beim Pharmakonzern Roche. Schon während der Lehre habe er sich nebenbei ein kleines Freelance-Geschäft aufgebaut, sagt er: Er designte Websites und bot seine Dienstleistungen als Foto- und Videograf sowie im Marketing an. Sein Vorbild sei seine Schwester gewesen, die seit ihrem 14. Lebensjahr selbstständig ist: «Ich habe gesehen, wie das so läuft; die Freiheit, die du hast», so von Reding.
Im Januar 2021 brach von Reding sein Bachelorstudium in International IT Management nach einem Semester ab. Kurze Zeit später meldete sich Nico Berghöfer, den von Reding einige Jahre zuvor auf einer Party kennengelernt hatte, auf der er als Fotograf gearbeitet hatte. Berghöfer hatte zuvor als Betriebsleiter für Hotels nahe Luzern und Zermatt gearbeitet, während der Covid-Pandemie aber die Lust an der traditionellen Hotellerie verloren.
Bei der Suche nach Alternativen sei Berghöfer auf das Phänomen Glamping gestossen, erzählt von Reding: «Es gab einzelne Anbieter, die in bestimmten Regionen etwas gemacht haben, aber niemanden, der das über Kantone aufgebaut hat», so der Gründer.
Berghöfer und von Reding verschickten eine Online-Umfrage an rund 2.500 bäuerliche Betriebe. Von etwa 300 Betrieben kam etwas zurück, mit den Betreibern von sechs trafen sich die Gründer, mit drei setzten sie das Konzept noch im Sommer 2021 um. Heute hat Adventurly Standorte quer durch die Schweiz.
Über die Landesgrenzen möchte von Reding vorerst mit dem Konzept nicht gehen. Stattdessen möchte er – parallel zum Camp-Portfolio, das ausgebaut werden soll – eine Plattform für Erlebnisse aufbauen. Der Markt als solcher ist nicht neu; es gibt bereits etablierte Anbieter wie Getyourguide, und Plattformen für die Buchung von Unterkünften wie Airbnb drängen ebenfalls in diese Richtung. Doch von Reding verweist auf andere Märkte, in denen sich internationale Unternehmen nicht gegenüber heimischen Alternativen durchsetzen können: «Der Schweizer Markt ist speziell. Du hast E-Bay, aber in der Schweiz hast du Ricardo. Du hast Amazon, aber in der Schweiz hast du Galaxus», so von Reding. «In einem so speziellen Markt wie der Schweiz gibt es viel Potenzial, wenn du etwas für genau diesen Markt machst.»
Text: Erik Fleischmann
Foto: Adventurly GmbH