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Knapp neun Jahre war Birgit Pestalozzi Head of Marketing bei EY Schweiz; dann folgte ein schwerer Reitunfall, nach dem sie ihre bisherige Karriere grundlegend infrage stellte. Sie wagte einen Neuanfang – und fand in smzh einen Partner, der sie bei der finanziellen Planung unterstützte. Pestalozzi und Aurelia Frick, Deputy CEO & Chief Business Development Officer bei smzh, im Gespräch darüber, was berufliche Wahlfreiheit finanziell voraussetzt und warum es dafür keine Standardlösung gibt.
Sicherheit war für Birgit Pestalozzi lange das wichtigste Versprechen einer erfolgreichen Karriere: «Ich bin in der Schweiz sehr geprägt worden von diesem Gedanken», erzählt sie gleich zu Beginn unseres Gesprächs. Dementsprechend traf sie – wie sie es nennt – «vernünftige Entscheidungen», die sie in die Corporate-Welt führten.
Knapp neun Jahre war Pestalozzi Head of Marketing bei EY Schweiz. Dann veränderte ein schwerer Reitunfall im Herbst 2014 ihren Blick auf Karriere und Erfolg grundlegend: «Der Wert von Zeit ist mir sehr, sehr bewusst geworden: Wofür setze ich meine Zeit eigentlich ein? Und will ich das wirklich?» 2015 verliess sie EY – und damit jene Form von Sicherheit, der sie ihr Leben lang gefolgt war.
Pestalozzi machte sich selbstständig und begann, ihr Berufsleben stärker nach den eigenen Vorstellungen auszurichten. Mit ihrer Firma Relationship for Success coacht sie seither ihre Kunden darin, Beziehungen – beruflich wie privat – als Grundlage für persönlichen und professionellen Erfolg zu gestalten.
Wir wollen den Menschen die Palette an Möglichkeiten zeigen, die sie haben.
Aurelia Frick
Zudem leitete Pestalozzi für Digitalswitzerland den nationalen Digitaltag, war Mitgründerin des nationalen Klimatags und der Swiss Initiative, mit der sie bis heute Kulturprojekte in Krisenländern umsetzt, darunter ein internationales Festival im Sudan mit Beteiligung der Unesco. Gleichzeitig ist sie Head of Impact bei Oceyon, einem Schweizer Unternehmen, das mit Technologie und Datenanalyse wertvolle versunkene Objekte aufspürt und deren verantwortungsvolle Bergung vorbereitet.
Dabei versteht Pestalozzi ihren eigenen Weg nicht als Modell für alle: «Ich verstehe jeden, der nicht den Mut hat, aus diesem Zyklus auszusteigen. Und es ist auch nicht für jeden das Richtige», sagt sie. Berufliche Freiheit bedeutet nicht zwangsläufig Selbstständigkeit oder den Ausstieg aus einem sicheren Job – entscheidend ist für sie vielmehr, überhaupt zu wissen, welche Möglichkeiten bestehen und welche Konsequenzen sie haben.
Denn wer etwas in seinem aktuellen Berufsleben ändern möchte, braucht dafür auch finanziellen Spielraum. Dass dieser keineswegs selbstverständlich ist, zeigt eine aktuelle PwC-Studie: 42 % der Beschäftigten in der Schweiz geben an, am Monatsende zwar ihre laufenden Ausgaben decken, aber nichts für Ferien oder die Zukunft zurücklegen zu können.
Für Pestalozzi war bei ihrem Neuanfang klar, dass sie ihre nächsten Schritte finanziell durchdenken musste. Sie wandte sich an den Finanzdienstleister smzh – denn mit der Neuorientierung tauchten plötzlich Fragen auf, die im Angestelltenverhältnis weitgehend automatisch geregelt gewesen waren: Erwerbsausfall, Vorsorge, Versicherungen, Pensionskasse.
Am Ende muss ich als Person verstehen, was meine Entscheidungen für mich finanziell bedeuten.
Birgit Pestalozzi
«Gute Finanzplanung beginnt nicht bei Produkten, sondern bei der Lebens- und Karriereplanung eines Menschen», sagt Aurelia Frick, Deputy CEO & Chief Business Development Officer bei smzh. «Je nach Lebensphase, beruflichen Entscheidungen und persönlichen Zielen braucht es unterschiedliche Lösungen.»
Frick bringt dabei langjährige Erfahrung an der Schnittstelle von Recht, Politik und Wirtschaft mit: Die promovierte Juristin war mehr als ein Jahrzehnt Ministerin für Äusseres, Justiz und Kultur des Fürstentums Liechtenstein, arbeitete später international als Anwältin und Beraterin und kam 2023 zu smzh. Seit März 2026 ist sie Deputy CEO & Chief Business Development Officer. Heute geht es für sie vor allem darum, «den Leuten aufzuzeigen, welche Möglichkeiten sie haben». Für Pestalozzi war dabei eines wichtig: «Ich muss alles über meine Finanzen wissen, damit ich bewusst entscheiden kann, etwas nicht zu machen – oder eben trotzdem ins Risiko zu gehen», sagt sie.
«Es gibt nicht das eine Richtige», ergänzt Frick, «es gibt das, was zu einem Menschen passt.» Entscheidend ist deshalb, die jeweilige Lebenssituation zu verstehen. «Manchmal sitzt jemand bei uns und wir sagen: ‹Das ist total gut, was du machst. Ändere nichts daran!›» Auch Pestalozzi kam nach ihrer finanziellen Auslegeordnung nicht zu dem Schluss, alles verändern zu müssen: «Ich habe gemerkt, ich bin eigentlich mehr oder weniger auf einem guten Weg», sagt sie.
Gerade für Frauen bekommt diese Individualität eine zusätzliche Bedeutung – denn Karriereentscheidungen wirken sich nicht nur auf das aktuelle Einkommen aus, sondern oft über Jahrzehnte auf Vermögen und Vorsorge. Teilzeitarbeit, Erwerbsunterbrüche oder die Aufteilung von Care-Arbeit können finanzielle Folgen haben, die im Alltag lange unsichtbar bleiben. Trotzdem haben sich laut einer Swiss-Life-Studie nur 37 % der befragten Frauen vertieft damit auseinandergesetzt, welche Folgen ihr Arbeitspensum für die Altersvorsorge hat.
Pestalozzi formuliert ihren eigenen Anspruch klar: «Ich möchte nie finanziell abhängig sein von einem Lebenspartner.» Gerade bei Frauen beobachtet sie jedoch, dass finanzielle Verantwortung in Partnerschaften oft zu selbstverständlich abgegeben wird: «Man verlässt sich sehr schnell darauf, dass das schon richtig geregelt wird. Aber am Ende muss ich als Person verstehen, was meine Entscheidungen für mich finanziell bedeuten.»
Hinzu kommt eine weitere Hürde: über die eigenen Finanzen überhaupt offen zu sprechen. Eine repräsentative Studie von Bank Cler und ZHAW aus dem Jahr 2025 zeigt, dass zwar 45 % der Befragten der Meinung sind, man sollte über Geld sprechen, dies aber nur 33 % tatsächlich tun. Nur rund 40 % fühlen sich wohl dabei, finanzielle Themen anzusprechen.
Frick erlebt diese Zurückhaltung auch in der Beratung: «Viele Frauen haben das Gefühl, bei finanziellen Fragen alles wissen und verstehen zu müssen. Dabei geht es nicht darum, jede Einzelheit selbst zu beherrschen, sondern die eigene finanzielle Situation zu verstehen und informierte Entscheidungen treffen zu können», sagt sie. Entscheidend sei deshalb zunächst, eine Vertrauensbasis zu schaffen: «Es geht gar nicht darum, wie viele Versicherungen jemand hat oder ob er genau weiss, wie die Pensionskasse funktioniert. Es geht darum, dass sich die Leute überhaupt öffnen.»
Dass finanzielle Entscheidungen so persönlich werden, hat auch damit zu tun, dass Lebensläufe selten so verlaufen wie geplant. Pensum, Partnerschaft, Familie, Selbstständigkeit oder ein beruflicher Neustart verändern nicht nur Einkommen und Ausgaben, sondern oft auch Vorsorge und Vermögensaufbau. Was zu einem bestimmten Zeitpunkt richtig erscheint, kann einige Jahre später eine andere Antwort verlangen. «Wir müssen als Partner heute Grundlagen schaffen, damit es, wenn einmal etwas anders kommt, für beide Seiten so gut wie möglich geregelt ist.»
Wie gross die Unterschiede am Ende werden können, zeigt der Blick ins Rentenalter: Frauen in der Schweiz erhalten im Durchschnitt rund 20.000 CHF weniger Rente pro Jahr als Männer – ein Unterschied von etwa einem Drittel. Swiss Life führt die Differenz in erster Linie auf unterschiedliche Erwerbsbiografien zurück. Gerade deshalb lässt sich die finanzielle Planung nicht von der persönlichen Lebens- und Karriereplanung trennen. Eine gute Finanzplanung soll nicht vorgeben, welchen Weg jemand einschlägt: «Wir wollen den Menschen die Palette an Möglichkeiten zeigen, die sie haben. Und dann können sie selbst auswählen, was für sie passt», so Frick.
Damit hat sich auch der Begriff Sicherheit für Pestalozzi verschoben: Früher bedeutete er, auf einem möglichst verlässlichen Weg zu bleiben. Heute bedeutet er, genügend Optionen zu haben, um ihn verlassen zu können. Oder wie sie es sagt: «Früher war mein grösster Treiber Sicherheit. Heute ist es ganz klar Freiheit.»
Fotos: Mara Truog