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Seriengründer Max Rofagha hat mit Finimize den Zugang zu Finanzwissen demokratisiert. Im Gespräch erklärt Rofagha, der auch «DeinDeal» mitgegründet hat, was der globale Vermögenstransfer an die nächste Generation bedeutet, warum dies klassische Finanzakteure unter Druck setzt – und was gute Finanzkommunikation eigentlich ausmacht.
Als wir mit Max Rofagha sprechen, befindet sich der Seriengründer gerade im «Discovery-Modus», wie er selbst sagt. Das heisst: Er ist auf der Suche nach der nächsten Idee, um ein Unternehmen zu gründen. Eine eher ungewöhnliche Situation, trifft man den Forbes Under 30-Alumnus doch eher beim Aufbauen und Skalieren von Unternehmen an.
Eines davon ist Finimize. Mit der Informationsplattform schuf Rofagha einen modernen Zugang zu Finanzwissen für die junge Generation. Dass das bitter nötig war, spürte Rofagha damals am eigenen Leib:
«Ich habe von meinem Gehalt jeden Monat etwas auf ein Sparkonto gelegt. Dann bin ich zu meiner Bank gegangen und dort hiess es: ‹Super gemacht, jetzt kannst du das hier bei uns investieren.› Ich bin dann nach Hause gegangen und dachte: ‹Das war doch kein Beratungsgespräch! Es ist eigentlich unfair, dass ich als Kleinanleger keinen Zugang zu den Informationsquellen habe, zu denen professionelle Investoren Zugang haben.›»
Mit Finimize wollte Rofagha also vor allem die Informationsasymmetrie zwischen institutionellen und privaten Anlegern abbauen und Menschen dabei unterstützen, bessere Entscheidungen mit ihrem Geld zu treffen. «Wenn man das in grossem Massstab schafft, kann man einen positiven Einfluss auf das Vermögen unserer Generation haben», so Rofagha.
Ein Thema, das aktueller ist denn je: Bis 2045 sollen Vermögenswerte in Höhe von – je nach Schätzung – 84 bis 120 Bio. US-$ (66 bis 95 Bio. CHF) von den Babyboomern auf jüngere Generationen übergehen. Der sogenannte «Great Wealth Transfer» steht für eine historisch beispiellose Vermögensverschiebung; und damit auch für eine Verschiebung der Art und Weise, wie investiert und was gleichzeitig am Markt benötigt wird.
Denn während die Gen Z einer Studie der Commerzbank zufolge ihre Finanzinformationen vor allem über digitale Kanäle bezieht – etwa über Youtube (36 %), Social Media (33 %) oder KI-Tools wie Chat GPT (23 %) –, greifen ältere Generationen nach wie vor häufiger auf klassische Informationsquellen wie Bankberater, Zeitungen oder das Fernsehen zurück. Zugleich sagen 64 % der Gen Z, dass technologischer Fortschritt ihr Anlageverhalten beeinflusst. Der einfache Zugang über Apps und digitale Plattformen senkt die Einstiegshürden und macht Investieren für viele selbstverständlicher.
«Es gibt heute einen viel grösseren Andrang hin zum DIY-Investor», bestätigt auch Rofagha und fügt hinzu: «Das ist grundsätzlich gut, aber es gibt natürlich eine Informationslücke.» Laut einer Umfrage der Baloise Versicherung beziffert sich diese Lücke auf über 50 %: 38 % der Befragten stuften ihr Wissen zu Finanz-, Vorsorge- und Anlagethemen als mittelmässig ein, 16 % als schlecht.
Diese Umstände machte und macht sich Finimize zunutze. Als E-Mail-Newsletter gestartet gibt es mittlerweile eine App, die Interessierte mit den nötigen Infos zum richtigen Investieren versorgt. Der Content ist dabei kurz und knackig, kommt ohne Fachvokabular aus und thematisiert, inwiefern das Gelesene für den jeweiligen Nutzer relevant ist. «Die Leute lesen heute vor allem Short Content. Das Gehirn wird darauf trainiert, nur noch kurze Formate zu konsumieren. Dementsprechend muss man auch die Finanzkommunikation anpassen», erklärt Rofagha.
Dass alteingesessene Finanzinstitute mit solchen Veränderungen unter Druck geraten und zum Handeln gezwungen sind, steht für Rofagha ausser Frage. «Sie (die grossen Institute, Anm.) müssen anfangen, eine Beziehung zu dieser nächsten Generation aufzubauen. Das kann über Content passieren, über Events oder über neue Produkte, die genau diese Zielgruppe ansprechen. Es kann sein, dass sie ihr Bestandsgeschäft umbauen oder teilweise zurückfahren müssen. Egal wie – sie müssen etwas Neues machen», sagt Rofagha. «Ich glaube, die grösste Herausforderung ist die Kultur innerhalb der alteingesessenen Finanzinstitute.»
Rofagha schloss sein Abitur an einer internationalen Schule ab. Danach studierte er Economics and International Relations an der University of St Andrews in Schottland. Er absolvierte Praktika bei E-Bay, Goldman Sachs und McKinsey & Company und arbeitete eineinhalb Jahre im Management-Consulting, bevor er 2010 mit «DeinDeal» sein erstes Unternehmen in der Schweiz gründete. Dabei war das ursprünglich nicht sein Plan: «Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, an dem meine Eltern einen Internetzugang bekommen haben. Als ich dann meinen Computer mit dem Internet verbinden durfte, hat das mein Leben komplett verändert», so Rofagha. «Wenn du damals im Internet arbeiten wolltest, musstest du quasi eine Firma gründen. So bin ich in die ganze Geschichte hineingerutscht und habe dann mit einem Schulfreund und ein paar anderen Jungs ‹DeinDeal› gegründet.» «DeinDeal» hat sich als eine der führenden E-Commerce-Plattformen der Schweiz etabliert und wurde zunächst mehrheitlich, dann vollständig vom Medienkonzern Ringier übernommen. Als 2015 Rofaghas Exit folgte, lag der Jahresumsatz laut eigenen Angaben bei rund 100 Mio. US-$. 2024 folgte die Übernahme durch Liberta Partners, eine in München ansässige Multi-Family-Holding.
Auch mit Finimize kann Rofagha Erfolge vorweisen: 2016 gegründet erreicht das Unternehmen als führende globale Community für Privatanleger über Partner wie Blackrock und JP Morgan mehr als eine Million Nutzer täglich. 2021 erfolgte der Verkauf an die schottische Investmentgesellschaft Abrdn – laut Berichten des Fintech-Portals Finance Forward für eine dreistellige Millionensumme. «Wir hatten nie geplant, die Firma zu verkaufen. Dann kamen auf einmal mehrere Interessenten auf uns zu – aus den USA, aus Asien», erzählt Rofagha. «Für uns war natürlich die Frage: Wie können wir unser B2B-Geschäft auf das nächste Level bringen? Da Abrdn ein sehr grosses Kundennetzwerk hat, war das für uns interessant.» Rofagha stiess infolgedessen zum Group-Executive-Team und war damit der jüngste FTSE-100-Manager seiner Zeit.
Zuletzt hat er daran mitgewirkt, Finimize for Business zu lancieren, eine B2B-Plattform, die Fintechs und Finanzdienstleistern dabei hilft, Privatanleger besser zu erreichen und zu aktivieren. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine immer grössere Rolle. So gibt es etwa ein Feature, mit dem jeder mithilfe von KI selbst einen Research Report zu einem Thema erstellen kann. Rofagha ist mittlerweile zwar aus dem Geschäft raus, weil er es an die nächste Generation übergeben wollte, eine Vision für das Unternehmen hat er trotzdem: «Ein Szenario, das mir vorschwebt: Jeder Nutzer hat seinen eigenen Finanzanalysten auf dem Handy. Ermöglicht durch AI bekommt jede einzelne Person ihren eigenen Content basierend darauf, wer sie ist, welche Investments sie hat, was sie gerne liest und so weiter», so Rofagha, der aktuell Advisor bei KKR mit Fokus auf Media, Tech und Entertainment ist. Auf der AI-Welle mitsurfen will er künftig jedoch eher nicht – zumindest nicht unmittelbar: «Ich fühle mich im Moment eher zu Themen hingezogen, die nicht direkt mit AI zu tun haben, also eher AI-proof sind. Aber was genau, kann ich noch nicht sagen. Es ist noch relativ offen.»
Fotos: Ana Lui