Das Ein-Mann- medienhaus

Mehr als 300.000 Abonnenten auf Youtube und rund 48.000 Newsletter-Leser verfolgen, was Maurice Höfgen über Wirtschaft und Politik zu sagen hat. Er analysiert politische Debatten, kommentiert Talkshows und ordnet öffentliche Aussagen in den volkswirtschaftlichen Kontext ein. Die Mission dahinter: sein Publikum über aktuelle Themen aufzuklären.

Maurice Höfgen hat kein Produkt im herkömmlichen Sinne – der Wirtschaftswissenschaftler und Webvideoproduzent basiert sein Geschäftsmodell darauf, Wissen zu vermitteln. Ein zentrales Element ist die Analyse politischer Talkshows, die er in einem Reaction-Format mit wirtschaftlichen Zusammenhängen verbindet.

«Mal bin ich der Youtuber, mal bin ich der Ökonom. Als klassischen Gründer sehe ich mich nicht, obwohl ich als Einzelunternehmer firmiere und auch einen Angestellten habe», sagt Höfgen. Über Werbeschaltungen, Kooperationen, Newsletter, einen Udemy-Onlinekurs sowie Buchhonorare monetarisiert er die Weitergabe seines Wissens.

Der berufliche Werdegang von Höfgen begann zunächst mit einem klassischen BWL-Studium und einer Stelle in der Unternehmensberatung. Vor allem während seines Jobs in der Beratung entwickelte er starkes Interesse an gesamtwirtschaftlichen Fragestellungen. «Ich wollte lieber das grosse Ganze verstehen, also habe ich mithilfe der Arbeit Geld gespart und mir damit mein Masterstudium in Volkswirtschaftslehre an der Uni­versität Maastricht finanziert», erinnert sich Höfgen.

Noch vor Abschluss des Masters konnte er mit den ersten publizistischen Projekten starten. «Tatsächlich war der Drang, eine eigene Öffentlichkeit zu bekommen, schon früh da, weil ich mein eigenes Buch geschrieben und das ein bisschen über Twitter vermarktet habe», so Höfgen. Es entstand während einer mehrmonatigen Reise durch Portugal und Frankreich – zunächst mit variabler Vergütung, «weil ich noch kein Vertrauen vom Verlag hatte» – und wurde über eine kleine, selbst aufgebaute Online-Community verbreitet. Höfgen wechselte anschliessend als wissenschaftlicher Mitarbeiter in den Bundestag, wo er politische Prozesse aus nächster Nähe kennenlernte. Währenddessen baute er Schritt für Schritt seine Kanäle auf.

Ende 2020 startete Höfgen mit ersten Youtube-­Videos, zunächst ohne nennenswertes Publikum oder Einnahmen. Der Aufbau der Reichweite verlief langsam und organisch – die ersten 50.000 bis 90.000 Abonnenten entstanden über mehrere Jahre hinweg. 2021 startete er einen Newsletter auf Substack, der mittlerweile regelmässig erscheint.

Ein deutlicher Wachstumsschub setzte erst Jahre nach dem Start ein. Politische Ereignisse wie das Ende der Ampel-Regierung in Deutschland und die Wiederwahl von Donald Trump führten zu einem sprung­haften Anstieg seiner Reichweite. Binnen kurzer Zeit wuchs Höfgens Youtube-Kanal von rund 90.000 auf über 300.000 Abonnenten, auch der Newsletter verzeichnete starke Zuwächse. Diese Entwicklung zeigte, wie eng sein unternehmerisches Konzept an gesellschaftliche Dynamiken gekoppelt war. Neben seinen eigenen Kanälen ist Höfgen mittlerweile als Herausgeber am Wirtschaftsmagazin Surplus beteiligt und veröffentlicht regelmässig Gastbeiträge in diversen Medien.

Als klassischen Gründer sehe ich mich nicht.

Maurice Höfgen

Seine Arbeit fusst heute auf einer klar definierten Produktionsroutine: Pro Woche entstehen mehrere Videos, Newsletter-Texte und Kurzformate. Ein einzelnes Video erfordert mehrere Stunden Arbeit, ergänzt durch laufende Recherche und die Beobachtung des politischen Tagesgeschehens. Unterstützung erhält Höfgen von einem festen Mitarbeiter, der den technischen Teil übernimmt, während Konzeption, Inhalt und Community-Management bei ihm verbleiben. Mit wachsender Reichweite begegnete er auch Herausforderungen wie der Abhängigkeit von Plattformen. Einnahmen über Youtube unterliegen algorithmischen Veränderungen und saisonalen Schwankungen im Werbemarkt. Um diese Unsicherheit zu reduzieren, baute Höfgen zusätzliche eigene Einnahmequellen auf, insbesondere über seinen kostenpflichtigen Newsletter auf Substack, der unabhängig von Plattformlogiken funktioniert und besser planbare Erlöse ermöglicht. «Man fühlt sich immer als kleine Figur gegen die grossen Digitalkonzerne, von denen man sehr abhängig ist», erklärt Höfgen.

Ein weiteres Thema liegt in der Skalierbarkeit des Geschäftsmodells, da Inhalte eng an seine Person gebunden sind. Während technische Prozesse ausgelagert werden können, bleibt die inhaltliche Produktion klar bei Höfgen. Dabei steht er vor der Aufgabe, Reichweite und fachliche Tiefe zu balancieren: Einige Themen erzielen hohe Klickzahlen, während andere sich an eine kleinere, stärker interessierte Zielgruppe richten und genauso wichtig sind. Beide Kategorien werden bewusst kombiniert, um sowohl Wachstum als auch inhaltliche Relevanz zu sichern. «Deswegen denke ich nachhaltig – es ist immer wieder der Anspruch an mich, meiner Community das zu geben, was sie sich wünscht», so Höfgen.

Für die Zukunft plant Höfgen eine nachhaltige Weiterentwicklung seines bestehenden Modells. Neben einem neuen Buchprojekt strebt er eine stärkere Präsenz in etablierten TV-Talkshows an, bei denen er vor Ort mitdiskutieren und sich live in politische Debatten einbringen kann. Gleichzeitig rücken neue Themenfelder in den Fokus, etwa die Familienpolitik – auch im Zusammenhang mit der Geburt seines ersten Kindes.

Text: Theresa Mader
Foto: Maurice Höfgen

Forbes Editors

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