Clear-Chefin wird Milliardärin

Caryn Seidman Becker kaufte den Biometrie-Anbieter Clear während der Finanzkrise für 6 Mio. US-$ (5,2 Mio. €). Heute ist das Unternehmen 7,6 Mrd. US-$ wert – und die CEO zählt mit einem Vermögen von rund 1,1 Mrd. US-$ zu den wenigen Selfmade-Milliardärinnen der USA. Nun soll Clear weit über Flughäfen hinaus wachsen.

Clear gehört für viele Vielflieger längst zum festen Bestandteil des Reisens. Gegen eine Jahresgebühr von 209 US-$ ermöglicht das Unternehmen seinen Mitgliedern einen schnelleren Weg durch die Identitätskontrollen an Flughäfen. Mittlerweile nutzen mehr als 8,2 Millionen Menschen den Dienst, der 2025 einen Umsatz von rund 900 Mio. US-$ sowie einen Nettogewinn von 168 Mio. US-$ erzielte.

Die Erfolgsgeschichte von Clear ist eng mit Caryn Seidman Becker verbunden. Die ehemalige Hedgefonds-Managerin übernahm die Vermögenswerte des Unternehmens während der Finanzkrise für 6 Mio. US-$, nachdem Clear Insolvenz anmelden musste. Heute betreibt das Unternehmen seine Technologie an 60 Flughäfen in den USA und kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 7,6 Mrd. US-$. Der Anteil von Seidman Becker von 14,5 % hat damit einen Wert von rund 1,1 Mrd. US-$.

Doch die Expansion im Reisegeschäft stösst an natürliche Grenzen. Die Zahl der aktiven Flughafen-Mitgliedschaften wuchs 2025 nur noch um 6 %. Zudem profitiert Clear indirekt von den Ineffizienzen staatlicher Sicherheitskontrollen. Würden diese deutlich schneller und effizienter werden, könnte das Geschäftsmodell unter Druck geraten.

Deshalb verfolgt das Unternehmen inzwischen eine deutlich grössere Vision: Clear will zur digitalen Identitätsplattform für den Alltag werden. Die Technologie kommt bereits bei Sportveranstaltungen, digitalen Signaturen, Plattformen wie LinkedIn oder Uber sowie bei der Anmietung von Geräten und Fahrzeugen zum Einsatz. Ziel ist es, biometrische Identitätsprüfungen deutlich häufiger in den Alltag zu integrieren.

Besonders grosses Potenzial sieht das Management im Gesundheitswesen. Mehrere Krankenhausverbünde in den USA nutzen bereits die Technologie, um Patienten bei Arztbesuchen, Operationen oder dem Zugriff auf digitale Gesundheitskonten zu identifizieren. Ende 2025 gewann Clear zudem einen Vertrag über 6 Mio. US-$ mit Medicare, der es neuen Nutzern ermöglicht, sich per Gesichtserkennung in ihre Konten einzuloggen.

Auch Unternehmen setzen zunehmend auf digitale Identitätsprüfungen. Hintergrund sind wachsende Betrugsrisiken, die durch KI und Remote-Arbeit zusätzlich verstärkt werden. So nutzt etwa T-Mobile die Technologie von Clear zur Verifizierung seiner rund 75.000 Mitarbeitenden. Insgesamt stieg die Zahl der registrierten Nutzer in den Bereichen Flughäfen und Unternehmenskunden 2025 um 31 % auf 41 Millionen. Die Buchungen im Enterprise-Geschäft verfünffachten sich im selben Zeitraum.

Der nächste Wachstumsschritt dürfte jedoch anspruchsvoll werden. Während Clear an Flughäfen über eine starke Marktposition verfügt, trifft das Unternehmen in den Bereichen Gesundheitswesen und digitale Identität auf etablierte Konkurrenten wie LexisNexis Risk Solutions und Experian. Zudem investieren auch Apple und Google verstärkt in digitale Identitätslösungen. Ob Clear seine Erfolgsgeschichte ausserhalb des Reisegeschäfts fortsetzen kann, dürfte damit zu den entscheidenden Fragen für die kommenden Jahre zählen.

Text: Katharine Schwab
Foto: Guerin Blask for Forbes

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