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Mit CARERO will Forbes-„30 Under 30“-Listmakerin Dalia Goldberger die Jobsuche für erfahrene Fachkräfte neu aufstellen. Die digitale Plattform für Menschen ab 50 soll am 18. August 2026 im DACH-Raum starten und Bewerber vom Lebenslauf bis zur Kontaktaufnahme mit Arbeitgebern begleiten.
Als Dalia Goldberger 2025 in die Forbes-„30 Under 30“-Liste aufgenommen wurde, war sie CDO von SeniorsAtWork. Die Schweizer Matching-Plattform bringt erfahrene Fachkräfte ab 50 sowie Pensionierte mit Unternehmen zusammen. Arbeitgeber können dort auf Profile zugreifen und Kandidat direkt ansprechen. Goldberger verantwortete die strategische Ausrichtung und Wirkungsmessung der Plattform und arbeitete an neuen Matching- und Weiterbildungsangeboten. Mit CARERO soll dieser Ansatz nun über die reine Vermittlung hinausgehen: Die neue Plattform begleitet Fachkräfte ab 50 von der Positionierung und Erstellung der Bewerbungsunterlagen über die Stellensuche bis zur Vorbereitung auf Gespräche mit potenziellen Arbeitgebern.
Ausgangspunkt der Neuausrichtung ist ein Arbeitsmarkt, der sich nach Einschätzung des Unternehmens deutlich verändert hat. Arbeitgeber hätten aufgrund der konjunkturellen Lage wieder mehr Auswahl, während der Fachkräftemangel nur noch in einzelnen Branchen stark spürbar sei. Gleichzeitig steige der Unterstützungsbedarf aufseiten der Bewerber.
Dass ältere Bewerber im Auswahlprozess schlechtere Chancen haben können, ist empirisch belegt. In einer Schweizer Untersuchung bewerteten 500 Personalverantwortliche fiktive Bewerbungsprofile von Kandidat zwischen 35 und 55 Jahren. Während 40- und 45-Jährige ähnlich beurteilt wurden wie 35-Jährige, zeigte sich ab einem Alter von 50 Jahren ein Nachteil. Bewerbungen von 55-Jährigen erhielten in allen drei untersuchten Berufsgruppen signifikant schlechtere Bewertungen für eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Eine von der OECD angeführte Metaanalyse internationaler Feldexperimente kommt zudem zu dem Ergebnis, dass ältere Bewerber im Durchschnitt 34 % seltener eine positive Reaktion erhalten.
Nach Einschätzung des Unternehmens können neben Altersvorurteilen auch starre Auswahlkriterien und automatisierte Bewerbungsprozesse dazu beitragen, dass erfahrene Kandidat frühzeitig nicht berücksichtigt werden. Für die konkrete Behauptung, dass Bewerbermanagementsysteme Menschen aufgrund ihres Alters oder eines nicht linearen Lebenslaufs automatisch aussortieren, liefern die genannten Studien allerdings keinen direkten Nachweis.
CARERO soll an diesem Punkt ansetzen. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um eine digitale 360-Grad-Plattform für erfahrene Fachkräfte im DACH-Raum. Der Anspruch: Berufserfahrung soll im Bewerbungsprozess nicht als Nachteil wahrgenommen werden, sondern zum entscheidenden Argument werden.
Dafür bündelt die Plattform mehrere KI-gestützte Anwendungen. Der „CV Booster 50plus“ soll jahrzehntelange Berufserfahrung in ein Bewerbungsdossier übertragen, das von automatisierten Bewerbermanagementsystemen erkannt und korrekt eingeordnet werden kann. Der „Interview Coach 50plus“ bereitet Nutzer auf Situationen vor, in denen Altersvorurteile im Bewerbungsgespräch eine Rolle spielen könnten.
Ein „50plus JobCrawler“ durchsucht Stellenanzeigen im gesamten DACH-Raum und soll passende Möglichkeiten für erfahrene Fachkräfte herausfiltern. Ergänzt wird das Angebot durch einen LinkedIn-Coach, der mithilfe künstlicher Intelligenz individuelle Strategien für die Positionierung und Aktivierung des beruflichen Netzwerks entwickelt.
Auch Unternehmen werden in das Modell eingebunden. Über eine B2B-Profildatenbank sollen Arbeitgeber direkten Zugang zu Kandidaten erhalten, wenn sie gezielt nach erfahrenen Fachkräften suchen. CARERO verbindet damit digitale Bewerbungsunterstützung mit einem Vermittlungsangebot für Unternehmen.
Nach Angaben des Unternehmens startet zudem ein Pilotprojekt beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum RAV Thurgau. Gemeinsam mit der HSG St. Gallen ist eine Studie geplant, welche die Wirksamkeit des Ansatzes untersuchen soll.
Das langfristige Ziel ist ambitioniert: CARERO will Hunderttausenden erfahrenen Fachkräften im DACH-Raum dabei helfen, Positionen zu finden, in denen ihre Kenntnisse und ihre Berufserfahrung geschätzt werden. Dafür verbindet die Plattform KI-gestützte Angebote für Kandidat mit einer B2B-Profildatenbank, über die Arbeitgeber Zugang zu erfahrenen Fachkräften erhalten sollen.
Damit entsteht aus dem bisherigen Matching-Ansatz ein breiteres digitales Produktportfolio. Wie CARERO die einzelnen Angebote monetarisieren wird, geht aus den bisher vorliegenden Angaben jedoch nicht hervor. Offen ist unter anderem, ob Kandidat für einzelne Anwendungen oder Abonnements bezahlen, ob Unternehmen kostenpflichtige Datenbankzugänge erhalten oder ob öffentliche Stellen Lizenzen erwerben.
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Foto: beigestellt